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Reminiszere / 2. Fastensonntag (28.02.21)

Reminiszere / 2. Fastensonntag

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jes 5,1-7 Gen 22, 1-2.9a.10-13.15-18 Röm 8, 31b-34 Mk 9, 2-10

 

Wir gehen auf Ostern zu, doch davor ist die Passionszeit und mit dem 2. Fastensonntag oder Reminscere (Gedenke!) sind wir schon mitten drin. Das alles überragende Thema heißt in der Passionszeit: Umkehr! Metanoia: Umdenken! Oder das schöne althochdeutsche Wort: Buße tun!

Landschaft Wedler-KruegerLeider ist das in Sack und Asche gehen heutzutage wenig nachhaltig oder anders ausgedrückt: Wenig wirksam. Es ging den Propheten und Jesus immer um eine Änderung der eigenen Lebensweise.  Eine Änderung meines Verhältnisses zu Gott und zu meinen Mitmenschen. Ich schreibe diese Zeilen im Juni 2020 noch mitten (?) in der Coronalage. Wie oft haben wir in den vergangenen Wochen gehört: Es muss anders werden - so können wir nicht weitermachen- nutzen wir die Chancen, die sich jetzt auftun. Jeder freute sich an der klaren Luft, an der Ruhe und „an dem sauberen Wasser in den Kanälen von Venedig“. Doch schon bei den ersten Lockerungen sind alle guten Vorsätze der vergangenen Wochen wieder über Bord geworfen worden. Nachhaltigkeit sieht anders aus.

Zu unseren Texten:

Jes 5, 1-7

Bei einem Interview für unsere Homepage in diesen  Corona-Zeiten, habe ich auch einen Winzer interviewt.

(www.facebook.com/watch/?v=266895277678582:) Die Landwirte und Winzer sind die ersten, die den Klimawandel spüren. Er erzählte, dass die Weinreben im Frühjahr 2020 zu wenig Wasser bekommen hätten. Zwar können Weinstöcke bis zu 10 m lange Wurzeln ausbilden. Doch je weiter das Grundwasser absinkt, umso schwieriger wird es eine gute Ernte einzufahren.  Die Weinreben  vertrocknen und der Weinberg ist  letztendlich ohne Ertrag.  Vieles spielt eine Rolle, der Klimawandel, die Bewässerung der Gemüsefelder in der Nachbarschaft, die das Grundwasser absinken lassen und wir als Verbraucher*innen, die nur alles möglichst preisgünstig kaufen möchten.

Es sind Zusammenhänge, die wir erkennen müssen. Sonst ist alle Arbeit umsonst und – das mag den einen oder die andere an die Dramatik der Situation erinnern- der Riesling wird eines Tages bei uns aus den Regalen verschwunden sein.

Der Prophet Jesaja fordert seine Zuhörer*innen auf, die Zusammenhänge einer Situation zu erkennen und die eigenen Anteile  der Schuld wahrzunehmen. Es geht ihm um die Schuld und um die Sünde. Wenn Sünde als Fehlverhalten gegenüber Gott und unseren Mitmenschen bezeichnet wird, dann kann die Situation nur geändert werden, wenn wir uns ändern. Das ist die Voraussetzung zu seiner Zeit und zu unserer Zeit für ein nachhaltiges Leben.

Gen 22, 1-2.9a.10-13.15-18

Einer der zentralen Texte im 1. Teil der Bibel ( Altes Testament) . Diese Szene wurde oft in der Kunst dargestellt und auch das Lied von Leonhard Cohen „Story of Isaac“

(https://youtu.be/-y36zbbuX7w) zeigen die Dramatik der Szene.

Wir sollten uns hüten, diese Geschichte als archaisch oder auch nur im Kontext einer Glaubensprüfung zu sehen. Die Frage, wie gehen wir mit unseren Kindern um, ist eine zeitlose Angelegenheit. Zum Bespiel:  Wie viel Kinder werden Opfer im Straßenverkehr? Wie groß sind die Widerstände bei härteren Strafen für das „ zu schnellfahren“ in den 30 er Zonen? Nehmen wir in unserer mobilen Gesellschaft auch Opfer bewusst in Kauf, um die Freiheit einzelner zu gewährleisten?  Wären das auch Argumente für eine Verkehrswende? Ausbau des Nahverkehrs und der Vorfahrt für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen?

Wer möchte,  kann auch  den Augenmerk auf die Kinderarbeit in vielen Ländern dieser Welt legen, gerade im Textilbereich. Wie schwer ist es hier ist ein Gesetz zum Schutz der Kinder durchzubringen, zeigt die Diskussion um ein Lieferkettengesetz s. www.brot-fuer-die-Welt.de

Dass Gott Abraham am Opfer seines Kindes hinderte, zeigt den hohen Stellenwert des Lebens für Gott. Auch sei hier an das Kinderevangelium und an den Ausspruch Jesu erinnert: „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn ihnen gehört das Reich Gottes. (Markus 10, 14)

Römer 8,31-34

Dieser Text könnte als große „Entschuldigung“ für unser fehlerhaftes Verhalten herhalten. Dabei vergessen viele, dass die Nachfolge Jesu immer eine Veränderung des eigenen Handelns nach sich zieht. Auch bei Gott bleibt Unrecht Unrecht und Fehler sind Fehler. Wir haben jedoch die Chance es besser zu machen. Daran zu erinnern, auch wenn durch unseren Glauben vor Gott gerecht sind, könnte uns verantwortungsvoller für das Leben und die Schöpfung werden lassen.

Mk 9, 2-10 (Verklärung Jesu)

Gott zu verorten, um ihn in prächtigen Kirchen anzubeten, ist ein großes Verlangen der Menschen. Schon im Ersten  (Alten)  Testament ruft diese Haltung Protest der Propheten hervor, s. Amos. Dagegen wehrt sich auch Jesus. Es ist unmöglich ihm an einem Ort gerecht zu werden, sondern es kommt auf den tätigen Glauben an, der die Welt verändern soll. Dafür ist die Auferstehung Voraussetzung. In ihr wird der größte Feind des Menschenlebens besiegt: der Tod. Das zu glauben, macht uns frei um zu handeln.

Elke Wedler-Krüger, Freimersheim

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