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Sexagesimae / 5. Sonntag im Jahreskreis (07.02.21)

Sexagesimae / 5. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Lk 8,4-8(9-15) Ijob 7, 1-4.6-7 1 Kor 9, 16-19.22-23 Mk 1, 29-39

 

Lukas 8, 4-8 (9-15)

Die Gleichnisse und Wundererzählungen im Lukasevangelium bringen in besonderer Weise die Menschenliebe Gottes zum Ausdruck. So lädt der Evangelist alle Christen dazu ein, ebenso wie Christus zu handeln. Kapitel 8 Vers 15 bringt dies in besonderer Weise zum Ausdruck.
Im Gleichnis vom Sämann können wir vier unterschiedliche Menschengruppen ausmachen, die angesprochen werden. Die, bei denen der Same „auf den Weg“ (V 5 und 11) fällt. Es sind jene, die das Wort zwar hören, es aber „vom Teufel“ wieder herausgerissen bekommen. Jene, bei denen er „auf den Felsen“ (V 6 und 13) fällt. Sie hören das Wort, nehmen es eine Zeit lang an, bis sie in Zeiten der Prüfung wieder davon abfallen. Man mag an die Anfeindungen der ersten Christen denken oder an Petrus, der Christus in seiner dunkelsten Stunde verleugnet. Dann sind da jene, bei denen er „unter die Dornen“ (V 7 und 14) fällt. Sie werden charakterisiert als Menschen, die das Wort hören, es vielleicht sogar verstehen, aber es dann hinter ihre eigenen Sorgen, Sehnsüchte und Wünsche zurückstellen, bis es irgendwann vom Glanz der alltäglichen Sorgen überstrahlt wird. Statt das Wort in den Mittelpunkt zu stellen, werden allerlei andere Dinge in den Mittelpunkt gerückt. So verliert das Wort seine Bedeutung. Scheint nicht gerade diese Personengruppe in der heutigen Spaßgesellschaft besonders groß zu sein?
Zu guter Letzt schließlich jene, bei denen er „auf guten Boden“ (V 8 und 15) fällt. Sie hören und verstehen das Wort, halten sich daran und handeln danach durch alle Widrigkeiten des Lebens hindurch. Die Ausdauer wird dafür eigens als wichtige Tugend benannt.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Jeder der schon einmal versucht hat, andere Menschen dazu zu bewegen, sich in einer bestimmten Weise zu verhalten, kann die Bedeutung des Gleichnisses sicher gut nachvollziehen. Das gilt auch für die Rede von der ökologischen Umkehr. Man wird zwar dem Gleichnis nicht gerecht, wenn man den „Samen“ oder „das Wort“ schlichtweg mit dem Ruf nach mehr Nachhaltigkeit gleichsetzt. Insofern ökologisch nachhaltiges Handeln sich wiederfindet in dem Begriff der Schöpfungsverantwortung, die wir auch in Jesu Botschaft vom Reich Gottes immer wieder ausmachen können, mag der Versuch weniger kühn erscheinen. Dies auch angesichts der Tatsache, dass Jesus für sein Gleichnis auf dieses anschauliche, landwirtschaftliches Bild zurückgreift. Erleben wir beim Aufruf zur ökologischen Umkehr, zu einer ökologischen Spiritualität nicht ähnliches? Da scheint der Ruf zur Umkehr auf eben all jene Menschengruppen zu treffen, die auch im Gleichnis Jesu auftauchen. So wie die Botschaft vom Reich Gottes abhängig ist von der Art und Weise, wie Menschen bereit sind, das Wort zu hören, ist es die Botschaft von der ökologischen Umkehr ebenfalls. Von daher sei auf Kapitel 8 Vers 18 verwiesen: „Gebt also acht, dass ihr richtig zuhört!“ Eine Predigt könnte diesen Aspekt aufgreifen und mit eben dieser Parallelität arbeiten sowie die Zuhörer dazu aufrufen, „richtig zuzuhören“.

Hiob 7,1-4.6-7

Die Person Hiob steht aller Wahrscheinlichkeit nach nicht für eine reale Person, die irgendwann in Israel gelebt hat, sie ist ein Bedeutungsträger. Als solche ist sie die Stimme des Leids in der Welt. Das von Menschen, aber auch der gesamten belebten und unbelebten Schöpfung. Somit beschäftigt sich das Buch Hiob mit einer der zentralen Fragen des Glaubens, der Theodizeefrage. Das vorliegende Kapitel des Hiobbuches befindet sich inmitten der Gegenrede Hiobs gegen Elipha.
Die ausgewählten Verse bringen die Hoffnungslosigkeit zum Ausdruck, die sich in Hiob ausgebreitet hat. Am Morgen bereits wünscht er sich, der Tag wäre zu Ende, am Abend wünscht er sich, die Nacht wäre es, und doch verrinnt die Zeit so schnell, wie das Weberschiffchen im Webstuhl hin und her eilt.

Bezug zur Nachhaltigkeit
Mit Hiob könnte man ebenfalls am sozialen und ökologischen Ungleichgewicht in der Welt hadern. Die politischen Entwicklungen des vergangenen Jahres, das Scheitern ambitionierter Klimaschutzmaßnahmen, Flüchtlinge, die an den Toren Europas stranden, die Corona-Krise, Nationalstaatlichkeit und der drohende Zerfall der europäischen Union, America-First-Parolen usw. sind nur ein paar wenige Beispiele, die in diesem Kontext genannt werden können. Hadern können wir im Blick auf den Zustand der Welt im Ganzen, genauso wie mit Blick auf das Scheitern immer wieder neuer Versuche, die Welt sozial und ökologisch gerechter zu gestalten. Liturgisch könnte man auch die Welt selbst zu Wort kommen lassen. (Als Praxistipp sei hier auf die Kurzvideos von Conservation International verwiesen: https://www.conservation.org/nature-is-speaking/german?ytVideoId=TCOqXByq2nU)

1 Kor 9,16-19.22-23

In Kapitel 9 des Korintherbriefes geht Paulus auf seine Vollmacht als Apostel ein. Die ausgewählten Verse unterstreichen dabei nochmal die Motivation seiner Verkündigung, die eben keine freiwillige Sache ist, sondern aus seinem Auftrag resultiert, den er direkt von Gott erhalten hat. In diesem Sinne ist er gerade nicht frei, sondern gebunden.

Bezug zur Nachhaltigkeit

In Vers 16 schreibt Paulus: „Wenn ich nämlich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde.“ Paulus weiß sich dem Evangelium, also der frohen Botschaft verpflichtet. Wie stark fühlen wir als Christ*innen uns dieser Botschaft verpflichtet? Was sind wir bereit, dafür zu opfern? Wo treten wir für das Licht des Evangeliums auf? Wo stellen wir uns für den Sieg des Lebens auf gegen alle totmachenden Strukturen? Weh uns, wenn wir das Evangelium nicht verkünden!

Markus 1, 29-39

Die angegebene Bibelstelle umfasst gleich mehrere Wundererzählungen. „Im Kern steht dahinter aber der Anspruch faktischer Realisierung der Botschaft vom nahegekommenen Reich Gottes. In seinen Wundertaten erweist sich für Jesus nichts anderes als das Anbrechen der Gottesherrschaft, das er den Menschen zusagt. Das Heilshandeln Gottes selbst wird in ihnen tatsächlich erfahrbar.“ (Prof. Dr. Konrad Huber in: RU heute 02, 2016, S. 14)
Einleitend beginnt der Abschnitt mit der Heilung der Schwiegermutter des Petrus, dann weiterer Kranker und Besessener aus der Stadt, schließlich zieht er durch „ganz Galiläa“, predigt und treibt Dämonen aus. Das ist Jesu Programm: predigen und Wunder tun, Wort und Tat als Zeichen für das in ihm schon angebrochene Gottesreich.
Die Wundererzählung der Heilung der Schwiegermutter ist dabei ein etwas eigentümliches Wunder. In wenigen Versen wird dieses Wunder erzählt. Dabei sollte man doch meinen, dass der Schwiegermutter des Petrus gewiss etwas mehr Aufmerksamkeit zustehen sollte. Das Wunder ist bei allen Synoptikern erwähnt und überall in ähnlicher Weise kurz gehalten (Mt 8, 14f und Lk 4, 38f). Bei Markus sind es drei Verse, und damit hat er die „längste“ Darstellung des Wunders. Auch beim Wortlaut der Erzählung gibt es große Übereinstimmungen. Bemerkenswert ist der Schluss dieser kleinen Erzählung: Die Geheilte steht „sofort“ (Lk 4, 39b) wieder auf und beginnt mit ihrem Dienst an Jesus und seinem Gefolge.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Jesus zögert nicht, die Schwiegermutter des Petrus zu heilen. Ohne Zwiegespräch, ohne irgendeine Voraussetzung („Dein Glaube hat dir geholfen.“ Lk 17,19) setzt er seine lebensspendende Kraft ein, indem er sie heilt. Genauso unspektakulär reagiert die Schwiegermutter. Ohne eine Zeit der Erholung, wie man sie nach einem starken Fieber erwarten würde, ist sie sofort wieder bei Kräften und beginnt, sich um die Gäste zu sorgen, stellt sich in deren Dienst ganz so, als sei das vorher nicht passiert. Und wie gehen wir mit unseren Kräften um? Wofür setzen wir sie ein? Und wenn Gott, der Herr, uns mit Gesundheit und Vitalität beschenkt hat oder uns diese wieder neu gibt – was machen wir mit unseren Möglichkeiten? Im Corona-Jahr 2020 war das eine der spannendsten Fragen. Ist die Krise erst einmal vorbei, was haben wir daraus gelernt? Was machen wir mit der neu gewonnenen Gesundheit? Wenn unsere Kräfte wieder voll da sind? Business as usual? Sind unsere besten Kräfte wirklich dem Herrn Jesus Christus zugewandt? Dienen wir Gott, indem wir dem Leben dienen, indem wir uns genügend für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einsetzen? Wie ist es in den Situationen unseres eigenen Lebens, wenn wir die Erfahrung machen, wie Christus uns vom niederdrückenden Einfluss der Sünde befreit? Ist es dann unser erster Gedanke, dass wir ihm sogleich mit Hingabe dienen, so wie es die Schwiegermutter des Petrus getan hat?

Steffen Glombitza, Blieskastel

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