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1. Sonntag nach Epiphanias / Taufe des Herrn (10.01.21)

1. Sonntag nach Epiphanias / Taufe des Herrn

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Röm 12,1-8 Jes 42, 5a.1-4.6-7 oder:
Jes 55, 1-11
Apg 10, 34-38 oder:
1 Joh 5, 1-9
Mk 1, 7-11

 

Im Zentrum des 1. Sonntags nach Epiphanias steht die Taufe Jesu. Sie verdeutlicht die Kontinuität des Wirkens Jesu mit der Heilsgeschichte Gottes. Das Tauf-Symbol des Wassers ist auch schöpfungstheologisch ein guter Anknüpfpunkt. Wasser ist lebendnotwendig für Menschen, Tiere und Pflanzen. Doch ist es auch eine endliche Ressource und im Umgang mit ihr die Frage nach Gerechtigkeit verbunden. Aspekte der Nachhaltigkeit lassen sich vor allem in der Jesaja-Verheißung des Gottesknechtes finden.

Röm 12,1-8 – Einsatz für die Schöpfung ist vielfältig

In der Lesung aus dem Brief an die Römer (Röm 12, 1-8) werden die verschiedenen Gnadengaben beschrieben. Es ist eine relativ bekannte Textstellt, über die wahrscheinlich schon oft gepredigt wurde. Umso schöner ist es doch, diesen Text noch mal mit dem Aspekt der Schöpfungsbewahrung zu verknüpfen. Hier ergibt sich für mich der Blick auf die Vielfalt von Engagement zur Schöpfungsbewahrung und der Mehrwert von Netzwerkarbeit.

Die Erzählung mit dem Leib und seinen vielen Gliedern zeigt, dass nicht alle dieselben Tätigkeiten machen müssen und können: „Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben nach der uns gegebenen Gnade, so lasst sie uns gebrauchen.“

Im Einsatz für die Schöpfungsbewahrung gibt es vor allem zwei große Bewegungen: das individualethische und das Engagement auf struktureller Ebene. Manchmal kommt es mit Blick auf Ersteres zu Diskussionen, ob es wirklich einen Unterschied macht, als Einzelperson vegan zu leben oder auf dem eigenen Dach eine Solaranlage zu haben, und ob es mit Blick auf Zweiteres wirklich einen Unterschied macht, Petitionen zu unterschreiben und an die Politik und Unternehmen zu appellieren. Die Lesung der vielen Gnadengaben kann uns einen wertschätzenden Blick auf die Vielfalt von schöpfungsbewahrendem Einsatz geben. Ein Blick auf die vielen nachhaltigen Gruppen, Organisationen und Projekte zeigt uns, wie viele Möglichkeiten es gibt, sich für die Schöpfung einzusetzen. Auch wenn das Handeln des Einzelnen vielleicht nicht so sehr ins Gewicht fällt, so kann das Handeln Vieler, eben als „ein Leib“, etwas in Bewegung bringen.

Auch in der Gemeinde gibt es eine Vielfalt an Möglichkeiten zum Schöpfungseinsatz. Vielleicht kann hier zu einem Brainstorming eingeladen werden. Ein Blick auf das, was schon getan wird (fair gehandelter und ökologisch produzierter Kaffee verkauft), und ein Blick auf das, was noch sein könnte (die PV-Anlage auf dem Kindergartendach).

Jesaja 42, 5a.1-4.6-7  Schöpfungsbewahrung und globale Gerechtigkeit

Dieser bekannte Bibeltext vom „Leidenden Gerechten“ kann die Universalität und den Zusammenhang von Schöpfungsbewahrung und globaler Gerechtigkeit aufzeigen.

Der „Gottesknecht“ wird aus der Perspektive JHWHs beschrieben und dessen besondere Gottesbeziehung herausgestellt. Als seine Aufgabe zeigt sich der Einsatz für das universelle Recht: „Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein: blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.“

„Licht für die Völker“ – dieser Satzteil ruft zu einem weiten Blick auf und zur universalen Solidarität mit allen Menschen. Insbesondere die Enzyklika Laudato si‘ hat vor gut fünf Jahren noch einmal betont, dass der Einsatz für globale Gerechtigkeit und für den Klima- und Umweltschutz nicht mehr voneinander getrennt gedacht werden können. Ökologische und soziale Krisen hängen auf das engste miteinander zusammen.

Diese Bibelstelle bietet sich auch an, um den Blick auf Jesaja und sein Prophet-Sein, sowie auf andere Prophet*innen, wie Debora, Haggai, Amos oder Hosea zu lenken. Der Einsatz für die Schöpfungsbewahrung und Gerechtigkeit hat auch immer etwas mit prophetischer Kritik – auch angesichts apokalyptischer Zustände – zu tun. Wo lassen sich in unserer heutigen Zeit diese prophetischen Spuren finden? Wo blitzen Visionen einer anderen Welt auf? Wer hält uns als Gesellschaft den Spiegel vor? Vielleicht gerade an Orten oder bei Menschen, die nicht im klassisch binnenkirchlichen Blick stehen?

Jesaja 55, 1-11 – Wasser und Brot für alle

Das Wasser als Symbol der Taufe taucht im Jesaja-Text noch einmal auf andere Weise auf. „Auf, ihr Durstigen, alle, kommt zum Wasser!“ Wasser ist wie vieles eine endliche Ressource, die schon jetzt in vielen Ländern knapp ist und mit der sogar gehandelt wird. In Bezug auf den Bibeltext kann der Frage nachgegangen werden, ob Wasser ein Menschenrecht ist. Es können transkapitalistische Projekte, wie zum Beispiel Refill (kostenloses Leitungswasser in Geschäften und Kirchen) oder foodsharing (Ort zum kostenlosen Tausch von Lebensmitteln) hingewiesen werden. „Und die ihr kein Geld habt, kommt, kauft und esst!“ Die eigene Verantwortung für die Welt mit all ihren Sorgen haben die Kirchen, katholischerseits etwa mit der ersten Sozialenzyklika Rerum novarum (1891) und dem Konzilsdokument Gaudium et Spes (1965), dezidiert formuliert. In Bezug auf den Jesaja-Text bewegt mich ein Zitat von Papst Franziskus (Privataudienz bei der Konferenz „Energiewandel und die Sorge für das Gemeinsame Haus“ 08.06.2018) sehr: „Die Luftqualität, der Meeresspiegel, die Trinkwasser-Reserven, das Klima und das delikate Gleichgewicht der Öko-Systeme – all das wird von der Art und Weise, wie die Menschheit ihren Durst nach Energie stillt, stark beeinflusst. Um diesen Durst zu stillen, darf man nicht den wirklichen Durst nach Wasser schlimmer machen, oder die Armut, oder die soziale Ausschließung.

In den meisten Landeskirchen- und Diözesan-Medienstelle ist der Film „Bottled Life“ ausleihbar, der sich gut als Informationsgrundlage zum Thema Wasser eignet und ggf. auch in Ausschnitten im Gottesdienst gezeigt werden kann.

Anna-Lena Passior, Stade

Literatur

www.feinschwarz.net/zukunftsfaehige-staedte-zukunftsfaehige-kirchen/
www.y-nachten.de/2019/06/alttestamentliche-prophetie-wiederentdeckung-eines-korrektivs/

Exegetische Literaturhinweise:

www.dei-verbum.de/wertschaetzung-des-wassers/
www.dei-verbum.de/das-essen-der-anderen/

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