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1. Adventsonntag (29.11.20)

1. Adventsonntag

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Sach 9,9-10 Jes 63, 16b-17.19b; 64, 3-7 1 Kor 1, 3-9 Mk 13, 33-37 oder:
Mk 13, 24-37

 

Sach 9,9-10 (Neue Einheitsübersetzung, 2016)

Kurze Zusammenfassung

Diese Verse (direkte Vorlage für das Weihnachtslied „Tochter Zion“) künden auf poetische Weise von der Erwartung der nahen Ankunft Gottes in Jerusalem. Sacharja zählt zu den nachexilischen Büchern der Bibel, die die Rückkehr aus dem Exil und die Neuorganisation des gesellschaftlichen und religiösen Lebens in Juda thematisieren.

Impuls

Biblische Eseleien oder was können wir von einem Esel lernen?

In der biblischen Tradition gilt ein Esel als besondere Kostbarkeit, so dass das erste Eseljunge, das eine Eselin zur Welt bringt, wie die Erstgeburt des Menschen, Gott geweiht ist und ausgelöst werden muss, vgl. Exodus 13,12. Bereits im Segen Jakobs über Juda werden ein Eselhengst und ein Eselfüllen als Attribute für herrschaftlichen Status benannt, vgl. Gen 48,11.

Als Last-, Zug- und Reittier war der Esel omnipräsent im Leben der Menschen. Auch galt das Reiten auf einem Esel in biblischen Zeiten keinesfalls als Zeichen der Armut oder Einfachheit, sondern als Zeichen von Vornehmheit. Ein zahmer Esel mit hellem oder weißem Fell war das Reittier eines neuen Königs bzw. besonderen Persönlichkeiten vorbehalten, wie es im Buch der Richter 5,10 in Deborahs Lobgesang beschrieben steht. Auch spielen entlaufene Eselinnen eine entscheidende Rolle bei der Wahl Sauls zum Retter Israels gegen die Philister, vgl. 1 Samuel 9,1-27.

Pferde wurden mit Luxus und Krieg assoziiert, weshalb es naheliegt, dass der erwartete Heilsbringer, auf einem Esel reitend, die Pferde aus Jerusalem, d.h. den Krieg und die Unterdrückung, vertreiben wird.

Ein Esel bewegt sich langsamer und trittsicherer als ein Pferd, ist ausdauernder und langlebiger dazu. Im Blick auf den Erlösungsprozess geht es demnach nicht um Schnelligkeit oder um eine kriegerische Machtdemonstration. Es geht um einen Veränderungsprozess mit langem Atem und Trittsicherheit auch auf unwegsamen Pfaden sowie um eine gute Portion Sturheit bzw. Beharrlichkeit, eine besondere Eseleigenschaft, da ein Esel im Gegensatz zum Pferd in Stresssituationen nicht zur Flucht neigt.

So kann unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit diese Bibelstelle dazu ermutigen, in anstehenden Veränderungsprozessen (wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich und kirchenpolitisch) dem Eselmodus oder der EselStärke (ES statt PS) den Vorzug zu geben, sei es z.B. konkret statt einem SUV den Drahtesel zu wählen, oder als Corporate Identiy/Leitbild die Stelle des Werte-Dreigestirns „Schneller – Höher – Weiter“ durch alternative Werte wie Schritttempo und Langlebigkeit mit regionaler Bodenhaftung zu ersetzen.

Jes 63,16b-17.19b;64,3-7

Kurze Zusammenfassung

In diesem Text geht es um die Anrufung Gottes, der Macht hat über das Leben, der als Einziger Trost und Heil schaffen kann, der sich seinem Knecht Israel wieder zuwenden möge, und dessen Hilfe erbeten wird trotz aller Fehler und Verirrungen, derer sich sein Volk schuldig gemacht hat.

Impuls

Mit dem Vers 7 wird alles Zerrissene, alles Chaotische und Schuldhafte im menschlichen Dasein zurückgeführt und quasi geerdet im Schöpfungsgrund, in Gott.

Das Bild vom Menschen als Ton erlaubt die Assoziation mit der Erdhaftigkeit und Erdverbundenheit der Menschheit. Wir sind Erdlinge. Damit ist jeder Mensch ein Stück unversehrte und heilige Schöpfung (vgl. Elisabeth Moltmann-Wendel, „Der auf der Erde tanzt“, S. 42ff.) Indem wir uns als göttliches Schöpfungswerk erkennen, stehen wir mit allem, was auf dieser Erde lebt und „west“ („…wir alle sind das Werk deiner Hände…“), auf der gleichen Stufe. Dieses Bewusstsein öffnet den Blick für die ökologischen Vernetzungen, in die wir als irdische Wesen eingebunden sind, und macht sensibel für die gegenseitigen Abhängigkeiten und das Aufeinander-Verwiesen-Sein. Die Identifizierung mit Ton, Lehm oder Erde kann helfen, statt Staub und Nichtigkeit damit zu verbinden, vielmehr das Potential selbständiger Schöpferkraft darin zu entdecken. In jedem von uns ist, ähnlich den Milliarden Mikroorganismen, die schon in einer Handvoll Erde enthalten sind, alles vorhanden und angelegt, was zur Entfaltung unseres je eigenen Menschseins dient angereichert mit einer Hoffnungssubstanz, „… die auch im Tode nicht endet, wenn wir uns wieder eingebunden wissen in die Erde und die Zusammenhänge, die uns mit ihr, den vorhergehenden und nachfolgenden Generationen verbindet.“ (Zitat E. Moltmann-Wendel, s.o.)

Ich empfehle folgendes Experiment:

Krug KMBStellen Sie sich in einer kleinen Imaginationsübung vor, selbst ein Stück Lehm zu sein, der auf einer Töpferscheibe liegt, von einfühlsamen Händen berührt wird, gedreht durch das Betätigen eines Fußpedals, gewässert und liebevoll gedehnt, massiert, gebogen von einem kundigen Meister, der die Eigenheiten des Lehms ertastet und ahnt, welch kostbares Gefäß daraus zum Leben erweckt werden will.

Von einem Besuch in einer Töpferwerkstatt habe ich das Bild eines Töpfers vor Augen, der hochkonzentriert einen Klumpen Tonerde in einen kleinen bauchigen Wasserkrug verwandelte. Keine Sekunde ließ er beim Formen den Blick von seinem Werk. Seine Hände schienen genau zu wissen, wann es mehr Wasser brauchte, wo zu ziehen und wo einfach der Zentrifugalkraft zu vertrauen war. Ebenso folgten seine Füße einem eigenen Rhythmus in Feinabstimmung mit den Händen. Es war eine beeindruckende Schöpfungsgeschichte, an der ich als Zeugin teilnehmen durfte.

In Zeiten von Corona, in denen ich diesen Impuls schreibe, sind Berührungen zur Rarität geworden sind. Vielleicht kann es tröstlich sein, sich als von einem kundigen Meister liebevoll geformt zu wissen, und darauf zu vertrauen, dass dieser Schaffensprozess anhält.

BILD: Das ist der Krug, den ich damals in den Händen des Töpfers entstehen sah.

1 Kor 1,3-9

Kurze Zusammenfassung

Paulus sichert der Gemeinde in Korinth zu, dass sie in ihrer Zugehörigkeit zu Jesus Christus mit allen Gnadengaben gesegnet sind.

Impuls

Angenommen jede und jeder könnte den eigenen Reichtum, die geschenkten Gnadengaben, erkennen, mit dem er bzw. sie gesegnet ist, dann würde das Vorweihnachtsgeschäft vermutlich mit einem dicken Minus schließen, und der Tauschhandel, https://utopia.de/bestenlisten/tauschboersen-online-tauschen/ könnte schon vor Weihnachten beginnen.

Mk 13,33-37 oder 13,24-37

Kurze Zusammenfassung

Jesus kündigt in diesen Versen das Ende der Zeiten an in Verbindung mit Himmelszeichen wie Sonnen- und Mondfinsternis und dem Kommen des Menschensohnes. Ein grünender Feigenbaum gilt als weiteres Zeichen vom Nahen Gottes, dessen Ankunft intensive Wachsamkeit erfordert.

Impuls

Der Feigenbaum verlangt besondere Aufmerksamkeit, denn in freier Natur ist für die Fruchtbildung Fremdbestäubung notwendig, und erst nach 6 Jahren zeigen sich erste Früchte. Die Früchte des weiblichen Feigenbaums werden zweimal im Jahr geerntet, die Früchte des männlichen sind als Holzfeigen nicht genießbar.

Dieses genaue Beobachten der Wachstumsprozesse des Feigenbaumes ist lebensnotwendig, um am Ende eine reiche Feigenernte zu sichern.

Den Reichtum unserer Wälder zu entdecken, ohne diese auf ihre Kubikmeter Holz zu reduzieren, hat sich seit einigen Jahren ein engagierter Förster auf die Fahnen geschrieben.

Peter Wohlleben hat in seinen Büchern, z.B. Das geheime Leben der Bäume, eindrucksvoll beschrieben, welch komplexes Netzwerk die Bäume und Pflanzen untereinander bilden, um zu überleben und sich den veränderten Lebensbedingungen anzupassen.

Zu diesen Erkenntnissen gelangte er durch langes und geduldiges Beobachten, durch sensible Wachsamkeit und dank seiner tiefen Liebe zum Wald. Aufgrund seiner Entdeckungen werden viele Leser*innen sensibilisiert und damit zu einem Neu-Sehen und Anders-Wahrnehmen des Waldes befähigt. Wenn daraus z.B. ein respektvollerer Umgang mit dem Wald resultiert, wird er in naher Zukunft nicht mehr länger Objekt unserer Wirtschaftsinteressen sein, sondern zu einem Subjekt, zu einem Partner des Menschen, werden. Waldbaden und Naturresilienz-Seminare könnten bereits Vorboten eines geänderten Bewusstseins sein.

https://www.waldbaden-akademie.com/angebot/trainer-ausbildungen/natur-resilienz-trainer/

Karin Müller-Bauer, Trier

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