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Paris goes Brüssel

"Paris goes Brüssel" - Fahrrad-Klima-Aktion von Dresden nach Brüssel noch bis zum 10. Dez. 2020

Am 10.+11. Dezember, also nur einen Tag vor „Fünf Jahre Paris", treffen sich die Staats- und Regierungschefs und -chefinnen der Länder der Europäischen Union. Ihre Aufgabe ist es, über die Verschärfung der EU-Klimaziele zu entscheiden und dem beschlossenen Paris-Abkommen gerecht zu werden. Die Aktion wird dabei von interessierten Kirchengemeinden, die am Weg liegen, wahrgenommen und unterstützt, wie etwa in Naumburg (Saale) von Domprediger Pfarrer Bartsch.

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Der Eiffelturm (genau genommen ein Nachbau ...) - als Symbol für die Einhaltung des Pariser Klimabkommens - wird mit dem Fahrrad in Tages- oder MU4 3100 200Halbtagesetappen mit möglichst vielen Mitfahrenden nach Brüssel gefahren. Er wird am Ende einer jeden Etappe an den oder die nächste Streckenpaten / -in übergeben. Am 6.12.20 führt die Tour von Limburg nach Köln, mit Station in Bornheim. Dort wird Pfarrer Siewert in seinem Gottesdienst am Vormittag auf die Aktion aufmerksam machen.

Strecke ausgeschnitten

NaumburgPfarrerBartsch02 400Im Gespräch mit Aktivisten / -innen von "Parents for Future" vor dem Naumburger Dom: Domprediger Pfr. Michael Bartsch hielt zur Übergabe des Eiffelturms an die nächste Etappe eine Ansprache, in der er eine gute und unfallfreie Weiterreise wünschte. Es sei wichtig, die Welt, die Erde und die Menschheit als Gottes Schöpfung zu bewahren und zu schützen. Das, was wir mit unserer Aktion bezwecken und initiieren wollen, sei auch im Sinne der Kirche und im Sinne Gottes. Wir sind verantwortlich für unsere Erde und für die Zukunft unserer Kinder und müssen alles dafür tun, damit der Klimawandel aufgehalten wird.

AnkunftDomAusschnittVon Naumburg (Saale) ging die zweite Etappe anschließend weiter nach Jena und Erfurt, und am 30.11. nach Eisenach. Die dritte Etappe führte bis Freitag über den Danneröder Forst und Wetzlar nach Limburg und endete vor dem Limburger Dom.

DomkapitularDrMayDer Eiffelturm verbrachte die Nacht im Limburger Dom

Um in der Nacht geschützt stehen zu können, bis die Fahrt weitergehen sollte, durfte der Eiffelturm bis zum Samstagmorgen im Limburger Dom untergestellt werden. Die am Abend erschöpften Radfahrerinnen und Radfahrer nahmen das als ein gutes Zeichen und Bestätigung für die Zielsetzung ihrer Aktion. Domkapitular Dr. Christof May, der sich für die Nachhaltigkeit einsetzt und selbst gerne das Fahrrad benutzt, sagt dazu: Ich finde es toll, dass in dieser Nacht unser schöner Limburger Dom Asyl gewährt hat – und zwar für einen ganz besonderen Gast: das Modell des Eiffelturms von Paris. Das Modell steht für das Klimaschutzabkommen, das vor fünf Jahren dort vereinbart wurde. Begleitet von einer etwas anderen Pilgergruppe von Radfahrer*innen wird es zu den am 10. / 11. Dezember anstehenden Klimagesprächen der Europäischen Union nach Brüssel gebracht.

Das Bild passt: In den Wintermonaten öffnen einige Kirchen ihre Türen, damit Menschen in Not, Obdachlose, Gestrandete dort Obdach in der dunklen und kalten Jahreszeit finden. Gewiss ist der Eiffelturm nicht gestrandet, er ist kein Clochard, aber es scheint, dass der Klimaschutz nach und nach ins vor-dem-Dom 640Hintertreffen gerät und an den Rand verdrängt wird. Das alles beherrschende Thema Corona hat manche gute Vorsätze von Nachhaltigkeit ersterben lassen – das sehe ich bei meinem eigenen Konsumverhalten ... Der Plastikmüll, der der nötigen Sterilität geschuldet ist, nimmt automatisch zu. Der Klimaschutz bedarf selbst unseres Schutzes.

Klimaschützer sind keine Bettler, denen man en passant die „Münze für das gute Gewissen" in den Hut wirft. Doch genauso werden sie oftmals kritisch beäugt.

Mit der Enzyklika „Laudato sii" erinnert uns Papst Franziskus daran, dass uns Christinnen und Christen die Bewahrung der Schöpfung ins Stammbuch geschrieben ist – es ist eben keine Randerscheinung! Und somit ist der Besuch des französischen Monuments nicht das Obdach für einen Gestrandeten. Im Gegenteil – vielleicht wird man in ein paar Jahren eine Messingplatte anbringen: „Hier übernachtete der Eiffelturm auf seinem hoffnungsvollen Weg nach Brüssel!"

Möge der Segen, der seit vielen Jahrhunderten in diesem Dom gespendet wird, die Radler*innen begleiten, damit auch die nach uns kommenden Generationen in einer von Gott gesegneten und von den Menschen bewahrten Schöpfung aufwachsen können.


Fahrrad-mit-Turm 640Am Samstag führte der Weg die Radlerinnen und Radler von Limburg nach Bonn (Ankunft dort um 23:30 Uhr, nach 140 km ...). Von dort ging es am 6. Dezember, dem 2. Advent und Nikolaustag, mit einem Zwischenstopp etwa um 13:30 Uhr auf dem Peter-Fryns-Platz in Bornheim, in unmittelbarer IMG 20201206 201239 455 MR640Nähe der Pfarrkirche St. Servatius, weiter in die Domstadt Köln. Ganz bewusst wurden bei der Planung für die Übergabe des Eiffelturms als "Staffelholz" an die nächste Gruppe zentrale Plätze meist in der Nähe von Kirchen gewählt, um die gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung für die Schöpfung - und damit das Klima - auch dadurch hervorzuheben. (Video rechts: die Anfahrt zum Kölner Dom über die Hohenzollernbrücke)

IMG 20201206 201429 603Verweis auf größere Zusammenhänge

Warum bieten sich solche Plätze für Botschaften, Verkündungen (oder hier Staffelübergaben) an? Weil sie bekannt sind und damit Aufmerksamkeit versprechen!? Die Antwort greift zu kurz, denn vorher gilt es zu überlegen, warum diese Plätze - etwa vor dem Kölner Dom - so bekannt sind. Sie stehen für Geschichte und die Geschichtlichkeit der menschlichen Gesellschaft. Klimaschutz hat mit Geschichtlichkeit ebenso zu tun wie die zukünftigen Generationen. Das wird an solchen Orten spürbarer als anderswo. Außerdem steht der Kölner Dom - wie andere Kirchen - für die Jahrhunderte alte Botschaft, dass Lebensglück sich nicht als "Konsum" und "materieller Gewinn" buchstabieren lässt, sondern als soziales Miteinander und Verantwortung füreinander. So gesehen kann man die Radlerinnen und Radler gewissermaßen als auch als christliche Botschafterinnen und Botschafter verstehen: Sie erinnern an dieses soziale Miteinander, das Generationen übergreift und christlich folgerichtig zum verantwortlichen Handeln in der Gegenwart aufruft.


IMG 20201208 184607 523 400Am Montag, den 7.12., ging es von Köln nach Aachen, am Dienstag, den 8.12. weiter nach Leuven/Löwen. Das Bild rechts zeigt die Zwischenstation an der Ev.-Luth. Kirche St. Michael in Hildesheim. Am Mittwoch, den 9.12., geht es dann nach Brüssel, wo am Tag darauf die Gespräche über die Klimaziele der EU beginnen. Eine Beteiligung weiterer Radlerinnen und Radler auf den einzelnen Etappen ist möglich und erwünscht, und natürlich auch die Einbindung weiterer Kirchengemeinden auf dem Weg.

Ansprechpartner und Streckenverlauf s. https://leipzigfuersklima.de/projekte/paris-goes-brussels.


Aktuell: Meldung vom 7.12.2020 auf "tagesschau.de"

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