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Buß- und Bettag (18.11.20)

Buß- und Bettag

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. Evangelium
Jes 1,10-18 Offb 4, 1-11 Lk 19, 11-28

Allgemeine Erwägungen

Im Zentrum vieler evangelischer Gottesdienste steht an diesem Tag die Beichte. Die Betonung der Schuld des Einzelnen tritt heute eher hinter das Bedenken der so genannten Kollektivschuld zurück. Dies geht damit einher, dass zumindest in der Ev. Liturgie auf das „Halleluja“ verzichtet wird. Umkehr und Sinnesänderung sind wesentliche Merkmale einer Predigt an diesem Tag. Beides ruft dazu auf, von der Selbstbesinnung zu einem solidarischen Handeln aufzubrechen.

Gedanken zu den einzelnen Bibelworten

Mit Jesaja 1, 10-18 begegnet uns eine Vision, in der zu erkennen ist, dass Gottes Gericht gerecht ist. Interessant dabei zu lesen ist, dass es hier nicht um einen Katalog, sozusagen eine Handlungs-anweisung geht, was der Mensch tun muss. Es geht vielmehr um den Gottesdienst und darum, dass dieser nicht geeignet ist, sich Gott sozusagen „wohlgefällig" zu machen. Es stellt sich die Frage, inwieweit gottesdienstliches Handeln mit dem so genannten „normalen" Lebensvollzug korrespondiert. Und auch stellt sich die Frage nach der Gerechtigkeit. Nachhaltig Leben endet nicht im Gottesdienst oder auch bei Sonntagsreden. Schon in Jesaja 1 ist angelegt, dass es um einen ganzheitlichen Ansatz des „guten Leben für alle" geht. Sich nur in religiöse Riten zu begeben, reicht bei Weitem nicht aus, gerecht zu leben. An dieser Stelle könnte eine Predigt versuchen, sich nicht in „moralin-sauren" Handlungsanweisungen zu ergehen, sondern ganz konkrete Beispiele zu benennen, in denen nachhaltiges Leben eingeübt wird. Da gelten auch die ganz kleinen Schritte des öko-fair gehandelten Kaffees bis hin zum Anlegen einer artenvielfalt-gerechten Wiese oder einer naturschonenden Landwirtschaft. Gottes Gericht über die Gottesdienste zu Zeiten eines Jesajas zielt bis in unsere Tage. Endlich geht es nicht um die Schuldanalyse und um ein bestimmtes Strafmaß. Im Mittelpunkt der Gedanken aus Jesaja 1 stehen Reinigung und Läuterung, dazu die Bereitschaft zu hören, was „falsch" läuft, um schließlich zu einer Bewusstseinsänderung zu gelangen. Dann gehen wohlmöglich wieder Gottesdienstfeiern und praktisches Handeln Hand in Hand.

In Offenbarung 4, 1-11 begegnet uns in der Kath. Lesereihe ein ganz konkreter Blick auf die Schöpfung. Die Perspektive aus der Erdensicht wird durch den Blick in den Himmel verändert. Dieser Blick ist der damaligen Geschichte geschuldet, verbunden mit Kaiser Domitian und der Christenverfolgung. Hier ging es darum, die Ohnmacht der Verfolgung mit dem Blick der Hoffnung zu verändern. Und heute wirft er ein besonderes Licht auf unsere Lebensumstände im 21. Jahrhundert. Dabei folgen die Verse einem Dreiklang: „Gott regiert – er vollendet sein Werk – bete ihn an“ und eröffnet damit die Sicht auf unsere Spiritualität. Der Blick durch die Tür in den Himmel fragt über unsere jetzige Situation hinaus nach unseren Visionen und wieder auch nach dem „guten Leben für alle“. Interessant erscheint mir, dass die Bibel an mehreren Stellen betont, dass wir kein Produkt aus Zufall sind. Wir wurden von einem liebenden Gott erschaffen. Er schaffte sogar ein Gedenktag an die Schöpfung und damit Raum zur Anbetung Gottes. Innere Einkehr, Buße, Umkehr legen das Schicksal unserer Welt und auch jedes einzelnen Menschen­ in Gottes Hand. Dieses Bild kann unseren Blick nachhaltig schärfen in und mit der Schöpfung, und bitte nicht gegen sie, zu leben. Das könnte eine Predigt thematisieren.

Die Geschichte der anvertrauten Pfunde, Lk. 19, 11-28 fragt nach harten und klaren Urteilen. Uns als Beschenkten liegt nicht nur das Geschenk in der Hand, sondern auch die Verantwortung für das Weitere dieses Geschenkes. Nachdem wir die planetarischen Grenzen überschritten haben und die SDGs uns die Frage stellen, wie wir die Kipp-Punkte der nächsten Jahre nicht auch noch überschreiten, steht in Frage, wie wir tatsächlich umkehren. Was bedeutet also unser Schöpfungsglaube und der Auftrag in und mit der Schöpfung verantwortlich zu leben? Das sind die uns in die Hände gelegten Pfunde, die, verbunden mit unseren Talenten und Fähigkeiten, weder Wuchern noch Zerstören hervorbringen dürfen/sollen. Die „fridays for future“ stellen uns eine klare Frage. Wie lautet unsere Antwort darauf, und was sind wir bereit (ja auch radikal) zu verändern?

Es ist und bleibt dabei immer auch eine Frage nach sowohl lokaler als auch globaler Gerechtigkeit. Und immer geht es auch um die innere und äußere Abhängigkeit der Entscheidungen und Aktionen hier auf den weltweiten Zustand von Klima, Recht und zivilgesellschaftlichem Zusammenleben. Die globale schließt an dieser Stelle als auch immer die lokale Dimension mit ein. Denn, was wir lokal verändern, hat globale Auswirkungen. (vgl. MÖD Pfalz – Partnerschaftsarbeit oder Bürgerstiftung Klingenmünster etc.).

Zusammenfassend

Kath. Lesereihe und Ev. Predigtreihe legen am Buß- und Bettag den Fokus auf Gericht, Umkehr und dem Umgang mit dem uns Anvertrauten. Daraus könnte sich für die Predigt die Idee entwickeln, wie unser Schöpfungsglaube unseren Blick verändern, vielleicht sogar schärfen könnte. Dann könnten wir wohlmöglich noch schärfer in den Blick nehmen, wie unsere Existenz mit der der Schöpfung, in die wir eingebettet sind, verwoben ist. Es ginge dabei nicht so sehr um die Frage (und das Aufzählen, Festhalten etc.) unserer Schuld (unserem Versagen) gegenüber der Schöpfung. Es ginge bei so einer Predigtidee darum aufzugreifen, an welchen Punkten und Lebensvollzügen wir direkt und unmittelbar Veränderungen vornehmen, um die Chancen des Überlebens der Natur zu erhöhen (soweit wir das überhaupt können). In Offenbarung 4 wird dazu eine Tür geöffnet, um in den Himmel zu schauen. Im Lukas-Evangelium stellt sich die Frage nach unserer Verantwortung für unsere Talente. Und Jesaja 1 stellt die Frage, wie Gottesdienst und Leben nicht auseinanderfallen, sondern in Gerechtigkeit zusammenfließen.

Diese Szenarien erschrecken einerseits, wollen dennoch andererseits nicht ohnmächtig machen. Sie halten uns einen Spiegel vor, in welchem die Frage erkennbar wird: Wie will ich als Teil der Schöpfung in dieser Welt leben? Mögliche Gradmesser sind beispielsweise die 17 SDGs (UN Nachhaltig-keitsziele für 2030) und Hilfestellungen, wie zum Beispiel die Aktion „Trendsetter-Weltretter" oder die Exerzitien „erd-verbunden".

Detlev Besier, Speyer

Literatur

Die Bibel, dt. Bibelgesellschaft Stuttgart, 1985
Tagesimpuls – Erzabtei Beuron (www.erzabtei-beuron.de)
www.bibelwissenschaft.de/bibelkommentar
www.bibelkommentare.de
bibelarbeit.privat.t-online.de/testament/neues/offenb_4_soli.pdf

 

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