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Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr / 33. Sonntag im Jahreskreis (15.11.20)

Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr / 33. Sonntag im Jahreskreis


ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Lk 16,1-8(9) Spr 31, 10-13.19-20.30-31 1 Thess 5, 1-6 Mt 25, 14-30

Die Bibelstellen des Sonntags sind auf interessante Weise aufeinander bezogen. Die Autorin greift diesen Aspekt - Geld - auf und stellt ihre Predigtanregungen damit unter eine gemeinsame Perspektive, ohne die Tagesperikopen in einzelne Kapitel "aufzutrennen".

Nachhaltig mit Geld umgehen: die geschäftstüchtige Frau, der gerissene Verwalter und der faule Knecht

Das Lob der tüchtigen Frau in Sprüche 31 und die Gleichnisse von den anvertrauten Talenten und vom ungerechten Verwalter im Matthäus- und Lukasevangelium – kaum eine Zusammenstellung von Bibeltexten könnte einen besseren Anlass bieten zu einem ökumenischen Gottesdienst am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres zum Thema „Nachhaltig mit Geld umgehen“.

Drei Personen stehen im Mittelpunkt der Texte: die geschäftstüchtige Frau, der gerissene Verwalter und der faule Knecht. Alle drei stehen im Scheinwerferlicht wegen ihres wirtschaftlichen Handelns und ihres Umgangs mit Geld. Über alle drei wird der Stab gebrochen: Zwei werden ausdrücklich gelobt, einer wird als böse verurteilt und in die äußerste Finsternis verbannt. Was machen die Frau und der Ökonom richtig? Was ist der Fehler des faulen Knechts? Offensichtlich ist die eine Antwort darauf, dass die ersten beiden tüchtig sind – emsig, fleißig, geschickt, ergebnisorientiert – während der Knecht faul ist, das anvertraute Geld vergräbt und die Hände in den Schoß legt.


Geld als Ware und Medium

Vergraben, Verbergen, Verstecken und Aus-dem-Verkehr-Ziehen ist also im Licht der biblischen Texte kein ethisch-nachhaltiger Umgang mit Geld. Das ist besonders dann gut nachvollziehbar, wenn Geld nicht als Substanz, sondern als Medium verstanden wird – ebenso wie das Medium Sprache auf Austausch und Zirkulation hin angelegt. Der faule Knecht macht den weit verbreiteten Fehler, Geld als Ware und rein materiell begreifen zu wollen, etwa als Silbertalente oder Goldmünzen. Geld ist laut dieser nach wie vor herrschenden Theorie relativ spät in der Menschheitsgeschichte erfunden worden, um den eigentlich ursprünglichen Warentausch zu vereinfachen.[1] Demnach ist Geld selbst als Ware anzusehen. Auf dieser theoretischen Grundlage lassen sich jedoch weder die schwankende Geldnachfrage der Wirtschaft noch Ereignisse wie Blasenbildungen und Finanzkrisen erklären – und auch nicht „die auffällige Erscheinung, daß bei Ausbruch eines Krieges oder sonstiger Katastrophen das Geld verschwindet, als ob es in die Erde gesunken wäre“, wie der Philosoph und Soziologe Georg Simmel in seiner 1900 veröffentlichten und nach wie vor grundlegenden „Philosophie des Geldes“ schreibt.[2] Diese Phänomene lassen sich jedoch mit der Theorie, die u.a. Simmel begründet hat, problemlos erklären: Geld ist demnach übertragbarer Kredit und Kredit ist als soziale Errungenschaft, die auf Vertrauen basiert, so alt wie die Menschheit selbst und ebenso wie Sprache einem ständigen Wandel unterworfen. „Credit – the disposition of one man to trust another – is singularly varying,“ schreibt der englische Wirtschaftsjournalist Walter Bagehot 1873, der in seiner Beschreibung des Londoner Finanzmarktes zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommt wie später Simmel.[3]

 
Geld und Schalom

In den drei biblischen Texten geht es zweifellos nicht um die Diskussion von verschiedenen Geldtheorien. Aber es wird darin ein Verständnis von Geld und einem guten und nachhaltigen Umgang damit deutlich, das überraschende Übereinstimmung mit dem u.a. von Simmel und Bagehot begründeten Ansatz zeigt. Im Idealfall geschieht mit Geld das, was die tüchtige Frau damit anstellt – die übrigens mitnichten eine „Hausfrau“ ist, wie es in der Überschrift der Perikope in der Lutherbibel von 1984 noch hieß, sondern eine veritable Unternehmerin, die nicht zufällig mit einem „Kaufmannsschiff“ verglichen wird (V. 13). Sie plant weise und vorausschauend, erwirbt Produktionsmittel wie Äcker und Weinberge, leitet ihre Mitarbeitenden an bei der Bewirtschaftung, packt selbst fleißig mit an und treibt erfolgreichen und gewinnbringenden Handel mit den erzeugten Produkten. Geld ist für sie kein Selbstzweck, sondern in ständiger Zirkulation: Sie kauft und verkauft, produziert effizient und schafft Wohlstand für sich und die Ihren. Und darüber vergisst sie auch nicht, den Armen und Bedürftigen etwas vom erwirtschafteten Gewinn abzugeben (V. 20) – eine solche Frau, die ebenso gottesfürchtig wie tüchtig ist, ist uneingeschränkt zu loben.

Das ist das eine Extrem: ein Schalom-Zustand des Friedens und der nachhaltig erzeugten Fülle für alle.[4] Das andere Extrem ist das Verhalten des faulen Knechts, der das ihm anvertraute Geld buchstäblich in der Erde versenkt und der Zirkulation entzieht. Er verhält sich so als herrschten Krieg und Katastrophen, als wären Vertrauen („ich wusste, dass du ein harter Mann bist“, V. 24) und damit die Bereitschaft, Kredite zu vergeben auf einen Nullpunkt gesunken. Damit antizipiert er die Katastrophen und das Leid, das sie mit sich bringen als Normalzustand und verrät die Hoffnung auf den Schalom des Himmelreichs. Geld zieht er aus dem Verkehr und hortet es, denn er wird von Misstrauen und Furcht beherrscht (V. 25). Ergebnis ist für ihn dann das Gegenteil des Schalom-Zustands: Heulen und Zähneklappern.


Der Großgrundbesitzer und sein ungerechter

Nicht so eindeutig liegen die Dinge beim dritten Protagonisten, dem Verwalter in Lukas 16, der zwar ungerecht ist, aber dennoch gelobt und als Beispiel hingestellt wird. Die Auslegung dieses Gleichnisses ist hochgradig umstritten. Ich ver­ste­he es fol­gen­der­ma­ßen: Je­sus ver­setzt die Zuhörenden mit die­ser Ge­schich­te in die Welt der rei­chen Groß­grund­be­sit­zer und ih­rer pro­fes­sio­nel­len Dienst­lei­ster und Han­dels­part­ner - da­für spre­chen die außerordentlich gro­ßen Men­gen, um die es geht (V. 6f). Die zum Teil im­mens rei­chen Groß­grund­be­sit­zer wohn­ten oft in ih­ren Stadt­pa­lä­sten weit weg von den Län­de­rei­en, die ih­ren Wohl­stand aus­mach­ten. Da­mit die­se op­ti­mal be­wirt­schaf­tet wur­den und ih­ren jähr­li­chen Er­trag ab­wer­fen konn­ten, stell­ten die Ei­gen­tü­mer Ma­na­ger oder Öko­no­men an, die an ih­rer Stel­le die täg­li­chen Ge­schäf­te führ­ten. Um ei­nen sol­chen an­ge­stell­ten Ma­na­ger geht es.

Da­mals wie heu­te ist in die­ser Be­zie­hung zwi­schen Ei­gen­tü­mern und Verwaltern bzw. Ma­na­gern ein Kon­flikt an­ge­legt. Die Ei­gen­tü­mer sind dar­auf an­ge­wie­sen, dass die Ma­na­ger ihre Ar­beit or­dent­lich ma­chen und das Ver­mö­gen ih­rer Ar­beit­ge­ber ver­meh­ren oder zu­min­dest er­hal­ten, aber Ver­wal­ter und Ma­na­ger ver­fol­gen im­mer auch ihre ei­ge­nen In­ter­es­sen. Weil die­ses Pro­blem zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer so ty­pisch ist und im­mer wie­der be­geg­net, hat es ei­nen ei­ge­nen Na­men: Prin­zi­pal-Agent-Pro­blem.[5] Die Prin­zi­pa­le sind die Ei­gen­tü­mer und die Agen­ten sind ihre An­ge­stell­ten und Dienst­lei­ster. Die Ei­gen­tü­mer ha­ben im We­sent­li­chen zwei Mög­lich­kei­ten mit dem In­ter­es­sen­kon­flikt um­zu­ge­hen: Sie kön­nen die Kon­trol­le ver­stär­ken oder die An­rei­ze in der Ent­loh­nung der Agen­ten so set­zen, dass es zu ei­ner An­glei­chung der In­ter­es­sen kommt. Den­noch bleibt den Prin­zi­pa­len letzt­end­lich nichts an­de­res üb­rig, als den Agen­ten im­mer wie­der freie Hand zu las­sen und auf ihre Fä­hig­kei­ten und ihre Ehr­lich­keit zu ver­trau­en.

In die­ser öko­no­mi­schen Welt der Prin­zi­pa­le und Agen­ten spielt also das Gleich­nis. Ein Groß­grund­be­sit­zer er­fährt, dass sei­ne In­ter­es­sen bei sei­nem Ver­wal­ter in schlech­ten Hän­den sind. Also be­stellt der Rei­che ihn ein, for­dert Re­chen­schaft und stellt sei­nem Ma­na­ger die Kün­di­gung in Aus­sicht, die je­doch nicht so­fort wirk­sam wird. Der Ver­wal­ter ver­liert dar­auf­hin nicht den Kopf, son­dern zieht Bi­lanz und über­legt, wie er sei­nen ge­wohn­ten Le­bens­stan­dard wei­ter­hin hal­ten kann. Kör­per­li­che Ar­beit und Bet­teln kom­men für ihn nicht in­fra­ge. Was sonst wäre mög­lich? Noch hat er ja sei­ne bis­he­ri­gen Be­fug­nis­se und es wird ihm schnell klar, dass er auf je­den Fall die­se Voll­mach­ten zu sei­nem Vor­teil nut­zen will.

Sehr span­nend fin­de ich nun, was der Verwalter nicht macht. Er könn­te ja ohne Wei­te­res Geld, Öl- und Wei­zen­vor­rä­te oder andere Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de sei­nes Ar­beit­ge­bers un­ter­schla­gen, also für sich ab­zwei­gen und ir­gend­wo hor­ten bis sich der Sturm um seine Entlassung gelegt hat. Dann könnte er sei­ne Beu­te nach und nach nut­zen, um sich wei­ter­hin ein schö­nes Le­ben zu ma­chen. Wenn er denn schon zum Be­trug be­reit ist (was ja der Fall ist), dann wäre das doch der ein­fach­ste Weg, sein Ziel zu er­rei­chen. Er könn­te das so ge­schickt an­stel­len, dass nie­mand da­von er­fährt und er würde sich damit eine Menge Unannehmlichkeiten ersparen.


Gabe und Gegengabe: Klug ist, wer mit Geld Beziehungen stiftet

Aber ge­nau das macht er nicht und ge­nau das ist auch der sprin­gen­de Punkt: Er versteckt und hor­tet Geld und Ver­mö­gen nicht, um sich von der Um­welt un­ab­hän­gig zu ma­chen, son­dern sucht im Ge­gen­teil den Aus­tausch mit an­de­ren, um sei­nen Le­bens­stan­dard zu si­chern. Je­sus kommt es in die­sem Gleich­nis m. E. nicht dar­auf an, wie der Ver­wal­ter an das ge­kom­men ist, was er nun zu sei­nem Vor­teil ver­wen­den möch­te, son­dern wie er es ein­setzt. Das Ziel des Ver­wal­ters wird so be­schrie­ben: „Da­mit sie mich in ihre Häu­ser auf­neh­men, wenn ich von dem Amt ab­ge­setzt wer­de“ (V. 4). Der Öko­nom sagt sich also nicht wie der rei­che Korn­bau­er in Lu­kas 12: „Lie­be See­le, du hast ei­nen gro­ßen Vor­rat für vie­le Jah­re; habe nun Ruhe, iss, trink und habe gu­ten Mut!“ (V. 19) Auf eine sol­che Hal­tung gibt es näm­lich nur eine, sehr kla­re Ant­wort, und zwar über­all in der Bi­bel, nicht nur im Lu­ka­se­van­ge­li­um. Es ist die Ant­wort, die der rei­che Korn­bau­er so­fort im An­schluss an sein Selbst­ge­spräch von Gott er­hält: „Du Narr! Die­se Nacht wird man dei­ne See­le von dir for­dern“ (V. 20).

Ein sol­cher Narr ist der Ver­wal­ter je­doch nicht und ge­nau da­für wird er spä­ter ge­lobt (V. 8). Er weiß, dass Wohl­stand nur dann ge­nos­sen wer­den kann, wenn da­von frei­gie­big an an­de­re wei­ter­ge­ge­ben wird. Das un­so­zia­le Verbergen und Hor­ten von Reich­tü­mern wird von Je­sus strikt ver­ur­teilt, Geld soll flie­ßen, es soll als Gabe an an­de­re wei­ter­ge­gen wer­den - und zwar durch­aus in der Er­war­tung, da­für eben­falls et­was zu er­hal­ten. Ich gebe dir et­was und vertraue dar­auf, dass du den Ge­fal­len ir­gend­wann er­wi­dern wirst. So wer­den Be­zie­hun­gen ge­stif­tet, so kann ein So­zi­al­we­sen ent­ste­hen, in dem alle le­ben kön­nen. Im Gleichnis ist die Gabe je­weils ein teil­wei­ser Schul­den­er­lass und die er­war­te­te Ge­gen­ga­be ist die Auf­nah­me in die Häu­ser der von Schulden ent­la­ste­ten Geschäftspart­ner des Groß­grund­be­sit­zers.[6]

Nicht der geschickt eingefädelte Be­trug an seinem Auftraggeber ist das Klu­ge an sei­nem Ver­hal­ten, son­dern dass der Ver­wal­ter auf das so­zia­le Netz vertraut, das aus Ga­ben und Ge­gen­ga­ben ge­wo­ben wird. Der Ge­gen­satz dazu ist die Tor­heit des rei­chen Korn­bau­ern, der nur auf sich selbst ge­stellt sein will. Jesus lobt nicht den Betrug des ohne Beschönigung als „ungerecht“ bezeichneten Verwalters, sondern er lobt ganz gezielt seine Klug­heit: die Bereitschaft zu vertrauen. Macht euch Freun­de mit dem Mam­mon, gebt ihn wei­ter als Gabe, und zwar ge­nau so wie die Kin­der der Welt das tun, näm­lich in Er­war­tung ei­ner Ge­gen­ga­be (V. 8f). Seid nicht so dumm, euch in fal­schem Un­ab­hän­gig­keits­stre­ben aus dem so­zia­len Ge­ben und Neh­men aus­klin­ken zu wol­len und euer Geld zu verstecken und für euch al­lein zu hor­ten. Geld, das nicht fließt, das kei­ne Be­zie­hun­gen stif­tet, das kei­ne po­si­ti­ven und nachhaltigen so­zia­len Wir­kun­gen hat, ist falsch an­ge­legt und verwendet.


Fazit: Mit Geld zu einer nachhaltigen, friedlichen und gerechten Gesellschaft beitragen

Diese Erkenntnis drängt sich auf, wenn der Vergleich zwischen den drei Protagonisten der auszulegenden Bibeltexte gezogen wird. Sie unterscheiden sich nicht nur dadurch, dass zwei von ihnen auf kluge und kreative Weise aktiv sind und der dritte faul die Hände in den Schoß legt. Das Urteil über sie hängt ganz entscheidend davon ab, wie sie mit Geld umgehen: ob sie dieses Medium nutzen, um zu einer nachhaltigen, friedlichen und gerechten Gesellschaft beizutragen oder eben nicht.

Dr. Karin Bassler, Darmstadt

[1] Ein Beispiel: „Als in vorgeschichtlicher Zeit jede Familie, Gruppe oder Dorfgemeinschaft ihren Bedarf an Nahrungsmitteln, Kleidung und anderen Gütern des täglichen Bedarfs selbst erzeugte, war noch kein Geld notwendig. Als ‚Spezialisten‘, die für die Herstellung mancher Güter besonders geschickt waren, mehr davon fabrizierten, als sie selbst verbrauchen konnten, begann als erstes der Tauschhandel … Waren gegen Waren. … Je umfangreicher der Gütertausch wurde, desto notwendiger war ein Hilfsmittel für den Tausch, das sich zugleich als Wertmesser eignete. Die ersten Tauschmittel waren unterschiedliche Waren. … Mit zunehmendem Handel dienten als solches ‚Warengeld‘ mehr und mehr Metallstücke, die anfangs bei jedem Handel zugewogen wurden. Schließlich … war das Münzgeld entstanden, der Ursprung unserer heutigen Geldwirtschaft,“ in: Wolfgang Trapp und Torsten Fried: Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland, Stuttgart 2014, S. 9f.

[2] Diese auffällige Erscheinung, so Simmel „bedeutet doch nur die Stockung der Zirkulation, die durch die Ängstlichkeit des Einzelnen, sich auch nur momentan von seinem Gelde zu trennen, veranlaßt oder verstärkt ist. In normalen Zeiten läßt die Schnelligkeit der Zirkulation seine Substanz viel ausgedehnter erscheinen, als sie in Wirklichkeit ist – wie ein glühendes Fünkchen, das im Dunkeln rasch im Kreis bewegt wird, als ein ganzer glühender Kreis erscheint, – um in dem Augenblick, wo seine Bewegung aufhört, sofort wieder in seine substanzielle Minimität zusammenzuschmelzen,“ in: Georg Simmel, Philosophie des Geldes, Frankfurt 1989, S. 240.

[3] In Bagehots bahnbrechender erster Theorie eines Zentralbanksystems heißt es weiter: „After a great calamity, everybody is suspicious of everybody; as soon as that calamity is forgotten, everybody again confides everybody. … In times when credit is good productive power is more efficient, and in times when credit is bad productive power is less efficient,” in: Walter Bagehot, Lombard Street. A Description of the Money Market, Mansfield Centre, CT 2014, S. 64.

[4] Geld ist in der Bibel nicht konstitutiv für den Schalom-Zustand, was z.B. bei Deuterojesaja deutlich wird: „Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!“, Jes 55,1-5. Aber da florierende Wirtschafts- und Handelsbeziehungen wie sie in Sprüche 31 beschrieben werden auf Freiwilligkeit und Vertrauen beruhen, setzen sie in der Regel die Abwesenheit von Gewalt, Rechtssicherheit und funktionierende Institutionen voraus – mit anderen Worten: Sie erfordern Frieden und fördern ihn auch. Und darum kann auch der Kauf eines Ackers für 17 Schekel Silber in Jer 32 zur Zeichenhandlung werden, die den Schalom für das scheinbar in Krieg und Gewalt untergegangene Juda verheißt: „Denn so spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Man wird wieder Häuser, Äcker und Weinberge kaufen in diesem Lande,“ (V. 15).

[5] Vgl. Elisabeth Göbel, Neue Institutionenökonomik. Konzeption und betriebswirtschaftliche Anwendungen, Stuttgart 2002, S. 98 ff.

[6] Der offensichtliche Zusammenhang zwischen den Begriffen von Gabe/Gegengabe und dem von Simmel und Bagehot beschriebenen Kreditwesen wurde von einem dritten Klassiker der hier präferierten Geldtheorie hervorgehoben, und zwar 1925 vom französischen Soziologen und Ethnologen Marcel Mauss in seinem „Essai sur le don“: „Nun zieht aber die Gabe notwendig den Kreditbegriff nach sich. Die ökonomische Entwicklung hat nicht vom Tausch zum Verkauf geführt und dieser nicht von der Barzahlung zum Kredit. Vielmehr haben sich einerseits der Tauschhandel … und andererseits der Kauf und Verkauf (letzterer als Bar- und Kreditverkauf) sowie auch das Darlehen aus dem System der Gaben und Gegengaben entwickelt,“ in: Marcel Mauss, Die Gabe. Form und Funktion des Austauschs in archaischen Gesellschaften, Frankfurt 2013, S. 84.

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