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Allerheiligen / 21. Sonntag nach Trinitatis / 31. Sonntag im Jahreskreis (01.11.20)

Allerheiligen / 21. Sonntag nach Trinitatis / 31. Sonntag im Jahreskreis


ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Allerheiligen: Dan 7,1-3.13-18.27
21. Sonntag: Jer 29,1.4-7(8-9)10-14
A.:Offb 7, 2-4.9-14
31. Sonntag: Mal 1, 14b - 2, 2b.8-10
A.: 1 Joh 3, 1-3
31. S.: 1 Thess 2, 7b-9.13
A.: Mt 5, 1-12a
31. S.: Mt 23, 1-12

Vorbemerkung

Ich habe mich bei der Betrachtung i.w. auf die Texte zum Fest Allerheiligen konzentriert. Genuin zwar ein katholisches Hochfest richtet es inhaltlich den Fokus aber auf all jene Menschen, bekannt und unbekannt, die in ihrem Leben in außergewöhnlicher Weise transparent auf Gott hin geworden sind. Die katholische Kirche nennt solche Menschen „Heilige“, doch das konkrete Lebenszeugnis eines Menschen steht letztlich über allen konfessionellen Unterschieden. In solcher Weise herausragende Menschen gab und gibt es in allen christlichen Konfessionen.


Dan 7, 1-3.13-18.27

Anmerkungen zum Text

Entstanden ist das Danielbuch wohl in der Zeit der Makkabäer im zweiten Jahrhundert vor Christus, auch wenn die darin erzählten Geschichten um den weisen Protagonisten Daniel in der Endphase des babylonischen Reiches im sechsten vorchristlichen Jahrhundert angesiedelt sind. Für die christliche Verkündigung hat das Danielbuch eine besondere Bedeutung erlangt, weil im hier behandelten Kapitel 7 die Gestalt des Menschensohns als messianischer Herrscher des endzeitlichen Gottesreichs eingeführt wird. Er ist es, der in Daniels Vision die vier heidnischen Weltreiche, symbolisiert durch die vier Tiere, endgültig überwinden soll.

Predigtaspekte zur Nachhaltigkeit

Die Welt, die die Vision Daniels da beschreibt, ist in schwere Unordnung geraten durch die Einwirkung bösartiger, gottferner Mächte. Zwar finden sich keine direkten Anknüpfungspunkte für ökologische Fragen, aber ganz deutlich wird, dass eine nachhaltige Herrschaft, die dem Frieden und dem Wohl aller (der gesamten Schöpfung) dient und nicht nur partikularen Interessen, nur durch Gott selber garantiert ist. Sie liegt zutiefst in seinem Willen.

Für die Predigt ließe sich fragen, wer diese „Heiligen des Höchsten“ sind, denen am Ende Macht und Herrlichkeit verliehen werden. Die frühe Kirche bezeichnete bekanntlich alle Menschen, die sich durch die Taufe dem Messias Christus angeschlossen hatten, als „Heilige“. Im übertragenen Sinn könnte die apokalyptische Weissagung des Daniel also hier auf die Kirche als „Gemeinschaft der Heiligen“ verweisen. Ein hoher Anspruch, dem die Kirche viel zu oft nicht gerecht geworden ist. Vielleicht ja eine flammende Erinnerung daran, sich dieses Anspruchs immer wieder bewusst zu sein und entsprechend im Sinne Gottes zu handeln.


Jer 29, 1-14

Anmerkungen zum Text

Die tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüche der Zeit, nicht zuletzt die Verschleppung der jüdischen Oberschicht ins babylonische Exil spiegeln sich im Jeremiabuch. Darauf bezieht sich auch das Kapitel 29. Es ist der einzige Brief, der sich darin findet. Eine prophetische Botschaft Gottes an die Deportierten, die Mut machen soll und dazu auffordert, nicht irrealen Träumen nachzuhängen, sondern sich der Realität zu stellen.

Predigtaspekte zur Nachhaltigkeit

Sich niederlassen, Lebensmittel anbauen, sich in die Gesellschaft integrieren und nicht unrealistischen Hoffnungen nachtrauern. Das lässt sich lesen als prophetische Aufforderung zu einem nachhaltigen Leben an genau dem Ort, an den das Leben einen stellt. Ein Leben also, das der Zukunft zugewandt ist mit langfristiger Perspektive. Könnte die Predigt hier nicht einen Anstoß zum Nachdenken geben angesichts der Hunderttausende, die das Schicksal aus ihrer Heimat vertrieben hat und die nun bei uns ein neues Leben suchen? Nachhaltig, der Zukunft zugewandt? Gott, so die Botschaft des Jeremia, könnte mit ihnen sein.


Off 7, 2-4.9-14

Anmerkungen zum Text

Was heute in weiten Passagen verstörend und schwer verständlich daherkommt, war vom Verfasser als Mut machendes Trostbuch gedacht, entstanden im späten ersten Jahrhundert vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Christenverfolgung unter Kaiser Domitian. Gott wird die Gerechten am Ende erretten und einen „neuen Himmel und eine neue Erde“ errichten, so die tröstliche Botschaft. Ihm gehört die Zukunft.

Predigtaspekte zur Nachhaltigkeit

Vier Engel, die Macht haben, dem Land und dem Meer Schaden zuzufügen. Eine Vision, die aktuell sicher viel Raum eröffnet für Assoziationen. Wer könnten diese Engel sein, die derzeit entfesselt zu sein scheinen und niemand hält sie auf. Doch sagt diese Vision ja auch: Gott hat die Macht, diesen Mächten Einhalt zu gebieten und es wird eine große Zahl an Menschen geben, die er verschonen möchte. Warum geschieht es nicht? Hier sind Ansatzpunkte für die Predigt, die sich hart an der aktuellen Gegenwart reiben.

Das ersehnte Ziel jedoch ist ein Reich nachhaltigen Friedens unter Gottes Herrschaft. Der Text sieht hier deutlich die „Menschen in weißen Gewändern“, die daran teilhaben werden. Sind die Getauften damit gemeint? Und verbirgt sich hierin nicht auch ein Anspruch an diese Gruppe, alles zu tun im Sinne Gottes, im Sinne eines nachhaltigen Friedens mit der Schöpfung und den Mitgeschöpfen?


Mt 5, 1-12

Anmerkungen zum Text

In den Seligpreisungen dürfen sich all jene Menschen gewürdigt sehen, denen durch ihre Haltung und ihr konkretes Tun ein Platz im kommenden Reich Gottes sicher ist, weil sie schon heute ihr Leben im Einklang mit Gott leben. „Heilige“ im weitesten Sinn. Ihr „Lohn wird groß sein im Himmel“!

Predigtaspekte zur Nachhaltigkeit

Das Reich des nachhaltigen Friedens, das schon im Text der Off anklingt, schwingt auch in den Seligpreisungen mit. Hier jedoch viel deutlicher noch als etwas, das nicht von Gott allein errichtet wird, sondern an dem die Menschen aktiv mitwirken können. Es sind Lebenshaltungen, die Jesus anspricht. Lebenshaltungen, die eingeübt werden können und die die Menschen in diesem Reich des nachhaltigen Friedens auszeichnen. Dort, wo sie gelingen, ist schon heute etwas von diesem Reich, dieser neuen Welt zu spüren.

Martin Wolf, Kaiserslautern

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