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Okuli / 3. Fastensonntag (15.03.20)

Okuli / 3. Fastensonntag


ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Lk 9,57-62 Ex 17, 3-7 Röm 5, 1-2.5-8 Joh 4, 5-42

Kaeser300 04 20170310 165812Die Autorin bearbeitet alle vier Texte. Sie möchte sich dabei vom Namen des Sonntags leiten lassen: Okuli mei semper ad Dominum (Psalm 25, 15) „ Meine Augen schauen stets auf den Herrn“ (M.L.) oder: „Meine Augen lassen Adonaj nicht aus dem Blick“ (BigS).

Stellung im Kirchenjahr: 3. Fastensonntag 2020, Passionszeit (Bild: S. Käser zu Joh 4, lebendiges Wasser, s.u.)
 

Lk 9, 57 - 62

Exegetische Hinweise

Auf dem Hintergrund der jüdischen Geschichte im 1. Jahrhunderts, der Erfahrung des Unheils und der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. verkündet das lukanische Schriftwerk: das eschatologische Kommen des Messias wird die Befreiung bringen…und es beschreibt die Hoffnung der für Befreiung Kämpfenden, dass Gott ihnen in ihrer Gegenwart, in ihrem Kampf für gerechte Beziehungen beisteht (Sutter Rehmann 1995; Schottroff 1995)“

(she. Kompendium, Feminist. Bibelauslegung, 2. Auflage S. 514 f.)

Predigtimpulse

Das Anliegen der drei Personen ist menschlich durchaus verständlich. Doch Jesus lässt eine Rückkehr in das Gewohnte und gesellschaftlich Angepasste nicht zu. Radikal fordert er jetzt eine Entscheidung. So predigen die lukanischen Gemeinden, dass das RG trotz der ausbleibenden Parusie keinen Aufschub duldet. In den Beispielen erkenne ich eine gewisse Steigerung. Gutwillige Begeisterung wird gedämpft (V. 37f), Prioritäten setzen, tun was zum Leben hilft (V. 59f), sich engagieren in der Nachfolge Jesu erfordert Weitblick über Kirchtürme, Grenzzäune und Parteipolitik hinaus (V. 61).

Bezug zur Nachhaltigkeit

Was könnte, was müsste ich als Christ*in verändern? Wie können wir uns lösen aus Gewohntem, auch des Glaubens, und welche Prioritäten könnten, sollten wir als Gemeinde setzen? Ob wir als Christ*innen Entscheidungen treffen oder passiv bleiben, es hat Konsequenzen. Das zeigt sich z.B. 2019 an der Wahl zum Europäischen Parlament. Es ist wichtig so zu wählen, dass Parteien die Politik gestalten, die gerechte Beziehungen, wirtschaftlich und sozial, anstreben und verwirklichen.


Ex 17, 3 - 7

Exegetische Hinweise

Exodus 16 – 18 beschreibt den mühsamen Weg der von Jahwe befreiten und von Mose angeführten „Israeliten“ vom Schilfmeer zum Sinai. Es sind dramatische Erzählungen wie in 17, 3ff. In schwierigen Situationen stellt das Volk die Frage: Ist „Ich-bin-da“ (Ex 3,14) noch bei uns? Und die Ewige rettet auch aus dieser lebensbedrohlichen Situation. V. 7: Massa und Meriba (auch in Ps 95, 8f.) sind nicht lokalisierbar. Meriba bedeutet Versuchung. Die Erzählung deutet auf eine Ortsätiologie hin.

(She. auch: BigS, Exodus, Das zweite Buch der Tora, Einführung S. 116f)

Predigtimpuls

Wassermangel, Lebensgefahr! Wo ist „Ich-bin-da“? Mose wird aggressiv angegriffen, doch eigentlich wird Gott herausgefordert. Mose vermittelt die Hilfe. Gottes Anweisungen schaffen Abhilfe. Wieder einmal ist Israel gerettet.

Diese Predigt sollte durchaus ein wenig provozieren: womit fordern wir Gott heute heraus? Sind es nicht unsere selbstgemachten Katastrophen von Tsunamis über Kriege bis hin zum Turbokapitalismus? Hören wir die Schreie derer die dadurch heute in Lebensgefahr sind? Auf welche „Anweisungen“ Gottes berufen wir uns um Abhilfe zu schaffen? Das Jahr 2020 stellt uns vor Herausforderungen, die wir annehmen können im Vertrauen auf „Ich-bin-da“.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit denke ich an dieser Stelle so: Gottes Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit des Zeitgeschehens im Blick zu behalten (dazu passt ein Bild von René Magritte: Die große Familie). Das erfordert, dass wir uns ständig informieren und auch Entscheidungen treffen. Entscheidungen, die wir bei neuen Erkenntnissen aus Gottes Wirklichkeit ändern können. „Ich-bin-da“, der Name ist Programm mit dem Ziel Leben für alles Erschaffene, dazu gehören auch wir Menschen.

Röm 5, 1-2.5-8

Exegetische Hinweise

„Den roten Faden durch den Brief bildet die Darstellung der Gerechtigkeit Gottes als Ermöglichung von Leben (Kap. 1-5). Paulus formuliert seine Überlegungen auf hohem theologischem Niveau, verliert dabei aber nie die konkreten Alltagsprobleme aus dem Blick…Verstrickt in die gewalttätigen Strukturen der Sünde ist es den Menschen jedoch unmöglich, den Weisungen (der Tora) zu folgen (Kap. 1-3.5). Diese zerstörenden Zusammenhänge beschreibt Paulus mit den Begriffen Sünde und Tod.“ – Unter der Herrschaft des Imperiums Romanum ist ein Leben nach der Tora unmöglich geworden. Die Gabe der Geistkraft eröffnet den Menschen neue Lebensmöglichkeiten. (she. dazu BigS, Brief an die Gemeinde in Rom, Einleitung von Claudia Janssen).

Predigtimpulse

Ich möchte die Predigt schwerpunktmäßig ausrichten an V. 6.8 mit Bezug zum Passionssonntag, V. 2b als Ermutigung und außerdem den nicht vorgesehenen V. 3 einbeziehen als Hinweis auf die nachhaltige Wirkung der Zusage, dass wir gerecht gesprochen sind (V. 1). In welchen zerstörenden Zusammenhängen leben wir 2020? Ein prägnantes Beispiel ist für mich der überall erstarkende Rechtsruck in der Politik mit seinen fatalen Folgen für eine demokratische Gesellschaftsordnung.

Die Vorgaben unseres Grundgesetzes Art. 3.1: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“ mit den Präzisierungen in 3.2. und 3.3., sowie Artikel 30 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte werden negiert.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Wir sind durch Christus gerecht gesprochen vor Gott (V 1). Diese Zusage wird nachhaltig wirken sofern wir ihr vertrauen, sofern wir der Geisteskraft Raum geben und sie „den Strukturen der Sünde“ entgegenhalten (Hassreden, diffamieren, ausgrenzen, abschotten, pauschal verdächtigen). Ein krasses Beispiel aus dem EU-Wahljahr 2019: es gibt NPD-Wahlplakate mit dem Text „Migration tötet“.

Joh 4, 5-42

Exegetische Hinweise

V. 16-18. 39b: Die aktuelle Wirklichkeit wird schonungslos offengelegt. Sie wird transparent und Gottes Wirklichkeit scheint durch (V. 10.14). Das lebendige Wasser fließt in und durch die Menschen, die Jesus in dieser sengenden Mittagshitze begegnen. Die johanneische Gemeinde wird erkennbar (V. 26-38) und sie erzählt mit dieser Geschichte ihr eigenes Bekenntnis: „ihn selbst haben wir gehört und wir wissen: dieser ist wirklich der Erlöser der Welt“ (V42).

Predigtimpulse (s. dazu Bild am Anfang der Seite)

Einstieg in die Predigt könnte ein Bild von Magritte sein, mit dem er die Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit künstlerisch gestaltet. Ich möchte aufzeigen, dass Christsein in beiden Wirklichkeiten verankert ist. Unsere alltägliche private, politische und gesellschaftliche Realität verwoben mit dem „ewigen“ Leben aus der Quelle des lebendigen Wassers. Die Frage ist: was bedeutet für uns „das Geschenk Gottes“, das lebendige Wasser? Und: was könnte unser Credo sein?

Bezug zur Nachhaltigkeit

Die Augen nicht vor der Wirklichkeit verschließen, vielmehr genau analysieren und hinsehen: Warum wird 2019 so viel über das „Schule-Schwänzen“ diskutiert, anstatt mit den Jugendlichen zusammen die „Hand an den Pflug zu legen“? - An Ostern berichtet die Presse, dass die Friedensbewegung nun doch wieder ein wenig mehr geworden sei; warum unterstützen wir Christ*innen nicht stärker diejenigen, die all die Jahre durchgehalten haben und sich weiter engagieren gegen Aufrüstung und Waffenexporte? Gottes Wirklichkeit nicht aus den Augen lassen ermutigt zu einem Engagement mit nachhaltiger Wirkung.

 Susanne Käser, Landau

Alle Bibelzitate nach Bibel in gerechter Sprache (BigS), 2006

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