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2. Sonntag nach Epiphanias / 2. Sonntag im Jahreskreis (19.01.20)

2. Sonntag nach Ephiphanias / 2. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jer 14,1(2)3-4(5-6)7-9 Jes 49, 3.5-6 1 Kor 1, 1-3 Joh 1, 29-34

Den folgenden Anregungen liegt die Übersetzung der „Bibel in gerechter Sprache“ zugrunde.

Jer 14, 1-9

Wasser (V3). Erde (V4). Luft (V6). Die Grundlagen des Lebens, die Elemente (nur Licht/Sonne fehlt), die Gaben der Schöpfung. Als Geschöpfe kommen dabei nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere mit ihren jeweiligen Lebensräumen in den Blick: Die Hirschkuh auf dem Feld (V5), die Wildesel in der Wüste (V6).

Aber eine ökologische Krise gefährdet die Grundlagen des Lebens von Mensch und Tier. Diese Krise wird gleich zu Beginn auf den Begriff gebracht: Es herrscht eine große Dürre (V1). Es findet sich kein Wasser, die Gefäße bleiben leer (V3). Der Ackerboden ist ausgedörrt, denn kein Regen ist gefallen (V4).

Bemerkenswert ist die Beschreibung der sozialen Folgen dieser ökologischen Katastrophe: Die Tore verfallen (V1), die Menschen gehen zugrunde (V3), die Bauern sind vernichtet (V4). Anders gesagt: Wenn es der Erde (Adama/Humus) nicht gut geht, kann es auch dem Erdling (Adam/human) nicht gut gehen. Bemerkenswert ist auch, dass wiederum die Folgen auch für das soziale Leben der Tiere Erwähnung finden: Die Hirschkuh lässt ihr Junges nach der Geburt im Stich, denn es gibt kein Gras mehr (V5). Die Augen der Wildesel erlöschen, denn es gibt kein Futter mehr (V6).

Für unsere aktuellen Debatten um die heutige ökologische Krise können wir mindestens lernen: Es geht nicht nur um uns Menschen. Mit und ohne Albert Schweitzer: Es geht um die Ehrfurcht vor allem Leben, nicht nur um die Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben. Es geht auch um den Lebenswillen und das Lebensrecht der Tiere. Während unsere politischen Debatten zumeist weiterhin anthropozentrisch verengt geführt werden, werden in dieser Perikope auch die Lebenswelt der Tiere, ihre Bedürfnisse und ihre Gefährdung offenbar selbstverständlich wahr- und ernstgenommen.

Was ist die Reaktion der Menschen auf die ökologische Katastrophe? Zunächst: Trauer und Klagegeschrei (V1), die Menschen verhüllen ihr Haupt (V3+4). Weiterhin: Eine genaue Wahrnehmung der ökologischen und sozialen Situation (V1-6: durchgehend beobachtend in der 3. Person). Sodann: Eine große Nachdenklichkeit über das eigene Verhalten, das zu dieser Krise geführt hat: unsere Vergehen, unsere Verfehlungen, unser Unrecht (V7: nun durchgehend in der 1.Person). All dies tut auch heute Not.

Schließlich: Hoffnung? Hoffnung auf Rettung aus der Bedrängnis (V8)? Für Optimismus gibt es keinen Grund. Aber Hoffnung meint auch nicht die Gewissheit, dass etwas gut ausgeht. Wir wissen nicht, wie es ausgeht. Wir wissen nicht, ob es uns gelingen wird, den Klimawandel zu begrenzen und zu verhindern, dass Wetterextreme wie Dürren und trockene Ackerböden im Süden und im Norden weiter zunehmen. Wir wissen auch nicht, ob wir das Sterben immer weiterer Arten stoppen können. Aber solange der Ausgang offen ist, müssen wir tun, was richtig ist und sinnvoll ist. Das sind wir uns auch selbst schuldig. Hoffen heißt, darauf vertrauen, dass sinnvoll ist, was wir tun (Steffensky).

Jes 49, 3-6

Das zweite Gottesknechtslied: Lag die Aufgabe des Gottesknechts bisher darin, Israel zu Gott zurückzuführen, so wird sein Auftrag von Gott nun ausgedehnt auf alle Völker. Der Text bringt eine Weitung in der Wahrnehmung der missio Dei zum Ausdruck: Licht und Rettung/Heil – von einem Volk zu allen Völkern.

Können und müssen wir die hier erkennbare Tendenz zur Entgrenzung und Universalisierung des göttlichen Heilswillens heute noch einmal weiten und weiter denken im Blick auch auf die nicht-menschliche Schöpfung? Von einem Geschöpf zu allen Geschöpfen – „damit meine Rettung reicht bis an die Enden der Erde“ (V6)? Wie können wir die Geschichte Gottes mit den Menschen immer wieder neu verstehen als Teil einer größeren, umfassenderen Geschichte Gottes mit seiner Schöpfung?
 

Joh 1, 29-34

Beim „Unrecht der Welt“ (V29) gerät auch die „Sünde“ in ihrer strukturellen und politischen Gestalt in den Blick. Die CO2-Emissionen pro Kopf betragen in Deutschland das Fünffache dessen, was einem Menschen innerhalb der planetarischen Grenzen eigentlich zusteht. Können wir mit individuellen Lebensstiländerungen unsere Emissionen überhaupt auf ein naturverträgliches Maß reduzieren? Wir müssen uns darum bemühen, aber wir leben in Strukturen, die diese Umkehr erschweren.

In „Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima“ schreibt Naomi Klein: „Unser ökonomisches System und unser planetarisches System befinden sich miteinander im Krieg. Oder genauer: Unsere Ökonomie steht mit vielen Formen des Lebens auf der Erde, das menschliche eingeschlossen, auf Kriegsfuß. Das Klima braucht, um einen Kollaps zu vermeiden, eine Verringerung des Ressourcenverbrauchs. Das gegenwärtige ökonomische Modell hingegen braucht, um seinen Kollaps zu verhindern, eine entfesselte Expansion. Aber nur eine dieser beiden Entwicklungen kann geändert werden – und das sind nicht die Naturgesetze.“

Es geht also nicht nur um unsere individuellen Konsumentscheidungen. Es geht auch und entscheidend um unsere gesellschaftlichen Muster von Produktion und Konsum. Frei vom „Unrecht der Welt“ werden wir nur, wenn wir auch die politischen und strukturellen Gründe mangelnder Nachhaltigkeit bearbeiten. 

Bernd Kappes, Kassel

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