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Palmarum / Palmsonntag (14.04.19)

Palmarum / Palmsonntag


ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jes 50, 4-9 Jes 50, 4-7 Phil 2, 6-11 Lk 19, 28-40

Stichworte: Mahnung und Hoffnung (Jes 50, 4-9) und Wert und Würde der Geringsten (Phil 2, 6-11)

Exegetische Anmerkungen zu den Bibelstellen

Jes 50, 4-9: Die Kapitel 40-55 des Jesajabuches wenden sich an die Israeliten im babylonischen Exil. „Der Prophet verkündet die nahende Rettung durch Gott. Die so genannten „Gottesknechtslieder“ (Jes 42;49;50) wurden im Christentum als Vision des Lebens Jesu gedeutet.“

Quelle: https://www.bibelwerk.de/Einf%C3%BChrung+in+die+biblischen+B%C3%BCcher.123953.html (Zugriff 04.2018)

Phil 2, 6-11: „Zentrales Thema des Hymnus ist die Inkarnation des präexistenten Christus sowie sein Leiden, sein Tod – die Erwähnung des Kreuzes ist vermutlich eine verstärkende Einfügung des Paulus – und schließlich seine Erhöhung durch Gott und die Verleihung des „Namens über alle Namen. (…) Die Tatsache eines vom üblichen, paulinischen Wortschatz abweichenden Vokabulars, das Fehlen einer konkreten Erwähnung der Auferstehung sowie die runde, poetische Form deuten darauf hin, dass Paulus diesen Text nicht selbst verfasst, sondern übernommen hat.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Philipperhymnus (Zugriff 04.2018)

Predigtskizze: Mahnung und Hoffnung (Jes 50, 4-9)

Ein Leben in Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit ist keine Selbstverständlichkeit. Weltweit leiden immer mehr Menschen unter Verfolgung und Unterdrückung. Millionen werden durch Krieg, Armut und Umwelteinflüsse zur Flucht gezwungen. Von Menschen gemachtes Unrecht ist ursächlich der Hauptgrund für ganze „Völkerwanderungen“ und eine Quelle unsagbaren Leids.

„Ich hielt meinen Rücken denen hin, / die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, / meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht / vor Schmähungen und Speichel“, so lauten alte (oder doch brandaktuelle?) Beschreibungen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Sie können in diesen Tagen aus jedem Land der Welt stammen und niemand kann für sich reklamieren, dass es so etwas bei ihm nicht gibt bzw. geben könnte.

Die Worte aus dem Jesajabuch haben eine lange Wirkungsgeschichte und wenden sich ursprünglich an die Israeliten zur Exilzeit, sie reichen also ins 6. Jahrhundert vor Christus zurück. Sie sind Mahnung und Hoffnung zur gleichen Zeit. Mahnung in Bezug auf unmenschliche Verhaltensweisen anderen gegenüber und Hoffnung in Bezug auf ein von Gott geschenktes Ende dieser Gräueltaten.

Die Forderung nach mehr Nachhaltigkeit betrifft viele Dimensionen. Neben ökologischen und ökonomischen Anliegen, darf der Einsatz für mehr soziale Strukturen und Verhältnisse nicht vergessen werden. Demokratie und Rechtstaatlichkeit sind keine Selbstläufer. In einer Zeit, in der nationalstaatliche Interessen und deren uneingeschränkte Durchsetzung rücksichtslos vorangetrieben werden, läuft die Welt Gefahr, Menschenrechte und Menschenwürde als zweitrangig anzusehen. Ängste werden geschürt, nicht zuletzt vor dem Fremden, was dazu führt, dass Übergriffe und Ausgrenzungen bagatellisiert und relativiert werden.

„Doch Gott, der Herr, wird mir helfen“ ist eine Hoffnung die allen, überall und zu jeder Zeit gilt. Aber „Gott hat keine anderen Hände als die deinen“, wie es in einem Sprichwort heißt. Es liegt also an uns. Das sollte uns auch heute noch eine Mahnung sein.

Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte

Wert und Würde der Geringsten (Phil 2, 6-11)

„Die 2010 von dem australischen Unternehmer Andrew Forrest gegründete Walk Free Foundation beteiligt sich an dem Kampf gegen moderne Formen der Sklaverei. Die Foundation hat seit 2013 jedes Jahr einen Global Slavery Index mit Schätzungen zur Verbreitung der Sklaverei in 162 Ländern (2013) bzw. in 167 Ländern (seit 2014) veröffentlicht. Der aktuelle Index aus dem Jahr 2016 kommt auf eine geschätzte Gesamtzahl von 45,8 Millionen versklavten Männern, Frauen und Kindern weltweit.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei - Zugriff 06.2018)

Zwar verbietet der Artikel 4 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte Leibeigenschaft, Sklaverei und Sklavenhandel, aber damit ist das Phänomen „Sklaverei“ mit seinen vielen modernen Formen der Unfreiheit, wie Zwangsarbeit, Menschenhandel und Prostitution, nicht verschwunden.

Im Philipperhymnus heißt es über Jesus: „Er war Gott gleich, / hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich / und wurde wie ein Sklave / und den Menschen gleich.

Sklave sein war zu keiner Zeit attraktiv, im Gegenteil. Wenn Gott nicht nur Mensch, sondern auch Sklave wird, dann kann und soll das nachdenklich machen. Was ist, wenn in den noch so gesellschaftlich Geringsten und Kleinsten Göttliches steckt? Was ist, wenn in den „Spielbällen“ von Macht, Arroganz und Gier uns Gott entgegen blickt?

Oben - unten, wichtig - unwichtig, wertvoll - wertlos … allein das Einteilen von Menschen ist schon ein Urteilen, das niemandem zusteht. In Gott sind wir alle gleich bzw. sollten wir alle gleich sein. Nachhaltiges Denken und Handeln kann helfen, soziale Unterschiede einzuebnen und so jedem Menschen den gleichen Wert und die gleiche Würde zukommen zu lassen.

Thomas Stephan, Speyer

 

Literatur:

Die Bibel. Einheitsübersetzung, Freiburg-Basel-Wien 1980.

https://www.bibelwerk.de/Einf%C3%BChrung+in+die+biblischen+B%C3%BCcher.123953.html (Zugriff 04.2018)

https://de.wikipedia.org/wiki/Philipperhymnus (Zugriff 04.2018)

 

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