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Laetare / 4. Fastensonntag (31.03.19)

Laetare / 4. Fastensonntag


ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Joh 6, 47-51 Jos 5, 9a.10-12 2 Kor 5, 17-21 Lk 15, 1-3.11-32

Die Autorin bearbeitet alle vier Texte unter den Stichworten: Kultur der Nachhaltigkeit (Joh. 6), Programm der Hoffnung (Jos 5), Versöhnung als präventive Friedensarbeit (2. Kor. 5) und: Suchen was verloren ging (Lk. 15).

Joh. 6, 47 - 51

Exegetische Hinweise

Das Johannes-Evangelium denkt in einem Dualismus,der demgnostischer Gruppen sehr verwandt ist. Immer stehen zwei Wirklichkeiten nebeneinander. Es erzählt von einem Jesus, dessen Reich nicht von dieser Welt ist. (18,36). Es hat seine Ursprung und sein Ziel in Gott, aber es findet in dieser Welt statt. Die joh. Gemeinden leben in tödlicher Bedrohung. Sie fliehen nicht. Die regelmäßige Feier des „Sakraments der Gegenseitigkeit und Liebe“ gibt ihnen Raum für Entscheidungen. Dies verändert Menschen so, dass sie Jesu Botschaft weiterhin öffentlich machen.

(vgl.Schottroff, Wacker, Kompendium Feministische Bibelauslegung, 2 Auflage, S. 539ff.)

Predigtimpulse

Ich möchte die Gemeinde mit einem Kontrast konfrontieren: Mitten in der Fastenzeit hören wir vom BROT DES LEBENS. Das wirft Fragen an uns auf. Woher kommt unser tägliches Brot? Aus Agrar“-fabriken“, von genpräpariertem Saatgut, das nicht mehr keimt? Essen wir nur noch Brot aus dem Teil des Getreide-Ertrags, der nicht für die Tanks unserer Autos gepflanzt wird und nicht zur Profitmaximie-rung an den Börsen beiträgt?Wie die johannäische Gemeinde feiern wir das Mahl der versöhnten Gemeinschaft am Tisch dessen, der selbst das Brot des Lebens ist. Wie halten wir diese Diskrepanz aus? Uns ist die Botschaft der Versöhnung, auch mit der Schöpfung, aufgetragen.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Von Bischöfin a. D. Bärbel Wartenberg-Potter habe ich gelernt: eine neue Lesart, eine relectura der biblischen Texte ist nötig! Wir leben im Zeitalter des Anthropozän, das deutlich die planetarischen Grenzen für das Überleben alles Geschaffenen aufzeigt. Brot des Lebens steht nachhaltig gegen Profitgier und Ausbeutung der Erde.Für die Misere, in der sich unser Planet befindet, ist das Christentum mitverantwortlich, haben wir doch aus Genesis 1, 26-28 ein Herrschaftsmandat über die Erde abgeleitet.1) Wir müssen das „Haus“ neu bauen durch eine Kultur der Nachhaltigkeit. Weil es auf einer endlichen Erde kein unendliches Wachstum geben kann müssen wir neue ökonomische Modelleohne Wachstumszwang entwickeln und Zeichen der Hoffnung setzen. Theologie und Kirche sind dabei Wegbegleiterinnen mit ihren Hoffnungstexten.2)

1) Bischöfin a. D. Bärbel Wartenberg-Potter und 2) Klaus Heidel, Werkstatt Ökonomie e.V., Heidelberg, aus Referaten beim Studientag der Projektgruppe Frauen wagen Frieden, Febr. 2018, DÜW

 
Josua 5, 9a. 10 - 12

Exegetische Hinweise

Das Josuabuch (griechische Namensform: Jesus) will keine Historiographie sein, sondern gedeutete Geschichte, die Hoffnung machen soll, dass Adonaj, die Gottheit Israels, für die gegebenen Versprechen einsteht. Das Land, das Adonaj den Erzeltern Israels versprochen hat und indem Israel zur Ruhe kommen soll, ist erreicht… Dabei geht es nicht um die Expansion eines Staatenterritoriums, sondern um ein Programm der Hoffnung. - She. BigS 2006, Über die Zeit Josuas

Predigtimpuls

„Ankommen im Land der Hoffnung“ soll Leitmotiv der Predigt sein. Dazu gehört die Verge-wisserung im Feiern des Mahles: Pessach als Befreiungsmahl (Jos. 4, 23f); Abendmahl als Mahl in versöhnter Gemeinschaft. Beide Mahlfeiernstiften Gemeinschaft und schenken einen hoffnungsvollen Neuanfang. Dann werden die Feiernden in ihren Alltag entlassen mit der Zusage vom Überschuss des Landes zu essen (V. 12a). Dieser fällt nicht mehr vom Himmel, wie Manna in der Wüste. Er muss erarbeitet werden. Der Ertrag des Landes reicht für alle, es gibt sogar mehr als nötig.

Bezug zur Nachhaltigkeit

„Ankommen im Land der Hoffnung“ – viele geflüchtete Menschen wünschen sich das. Integration wird manchmal benutzt wie ein Zauberwort: alle „Fremden“ müssen sich eben anpassen. Sehen wir wie viel ihrer Identität verloren ging auf der Flucht vor Gewalt, in Todes-Angst, durch den Verlust aller bisherigen Lebensgrundlagen, sozialen Beziehungen, Beruf, Heimat. „Sprache lernen“ ist auch so ein Zauberwort. Deutsch ist nicht einfach zu lernen; nicht alle Menschen sind gleich sprachbegabt.

Ankommen um „von den Früchten des Landes“ zu leben ist ein langer, manchmal auch schmerzlicher, aber ein nachhaltiger Prozess. Als Kirchengemeinde können wir es wagen, diesen Prozess zusammen mit denen, die uns noch fremd sind, zu gestalten. Adonaj’s Geschichte mit dem Volk Israel gibt Hoffnung und Mut dazu.

2. Kor. 5, 17 - 21

Exegetische Hinweise

Im 2. Kor. wirbt Paulus darum einen anscheinend gravierenden Konflikt zwischen ihm und der Gemeinde beizulegen. Er verteidigt sich heftig, wobei die Ursache nicht mehr zu rekonstruieren ist. Paulus beschwört die gemeinsame Basis: leben als Versöhnte mit Gott (5, 19).

Predigtimpulse

Versöhnung kann ein unerwartetes und evtl. unverdientes Geschenk sein, wie in Lk. 15. Versöhnung zwischen Menschen kann aber auch ein sehr langwieriger Prozess sein, der viel Kraft und viele Gespräche erfordert um Verletzungen zu heilen und wieder Vertrauen aufzubauen. Versöhnung ist präventive Friedensarbeit im persönlichen und gesellschafts-politischen Bereich. Auf welcher gemeinsamen Basis kann das geschehen?Es erfordert Mut aufeinander zuzugehen und eine*r muss den ersten Schritt tun. Es kann gelingen weil Gott uns schon mit sich versöhnt hat!

Bezug zur Nachhaltigkeit

Der Auftrag der Versöhnung hat besonders in unserer Zeit auch eine politische Komponente. „Krieg wird von Menschen gemacht – Frieden auch“ oder „Wer den Frieden will muss ihn planen und aufbauen“.So griffig lässt sich zusammenfassen wie wichtig Versöhnung zwischen den Völkern ist. Nur in politisch friedlichen Zeiten können Menschen ihre Fähigkeiten entfalten und ihre Gemeinwesen zukunftsfähig gestalten. Nur in Friedenszeiten kann die Schöpfung sich entwickeln und vielfältig lebendig bleiben. Krieg tötet, vernichtet Leben und Lebensgrundlagen nachhaltig. Schon allein Aufrüstung zerstört z.B. durch Verbrauch von finanziellen und personellen Ressourcen, die für lebensfördernde Maßnahmen wie Pflege, Schulen, Arten- und Klimaschutz, präventive Friedensarbeit fehlen.


Lk 15, 1 - 3. 11 - 31

Exegetische Hinweise

Wir finden im Lukasevangelium einen Jesus, der oft unberechenbar und beinahe wild erscheint, ein „Prophet“, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk (Lk 24,19). Er zieht voller Geistkraft durchs Land und verbreitet Erstaunen und Jubel, aber auch Befremden und Unruhe. Viele gehen mit ihm auf den Weg – suchen, was verloren ging, vertreiben dämonische Kräfte und feiern die Nähe Gottes in gemeinsamen Mahlzeiten.

(aus: Bibel in gerechter Sprache, 2006, Einleitung zum Lukasevangelium)

Predigtimpulse

„Suchen was verlorenging“ nehme ich als Thema. Alle, die nicht dazugehören, die gesellschaftlich „draußen“ sind, sucht Jesus auf. Ihnen gilt sein Reden von Gottes neuer Welt. Die Angepassten murren; sie befolgen Lebensregeln die ausgrenzen. Die Geschichte vom Vater und seinen beiden Söhnen erzählt anschaulich wie es in Gottes neuer Welt – und in der Nachfolgegemeinschaft Jesu – zugeht, zugehen soll. Doch die Geschichte hat nicht nur ein happy end. Dem anderen Sohnerscheint es unmöglich, Gottes unverdiente Zuwendung zu akzeptieren. Neid, Missgunst und Unversöhnlich-keit stehen dem im Wege. Doch das Fest des Lebens findet statt und die Einladung gilt allen.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Was oder wer geht in unseren Gesellschaften verloren? Von vielen möglichen Beispielen nenne ich eines: Das Verständnis eines Wirtschaften im Dienst des Lebens ging verloren und damit das Vertrauen in ein sozial funktionierendes Gemeinwesen. Mit dem Immer-Mehr, Immer-Größer bleiben Mensch und Schöpfung auf der Strecke. Es fehlt die Einsicht, dass der Turbo-Kapitalismus Menschen ausgrenzt und Existenzen vernichtet. Die Veränderung in der politischen Parteienlandschaft Europas zeigt m.E. wie groß die Ängste sind, zu kurz zu kommen,vom „Wachstums-Kuchen“ nicht genug abzubekommen. Da ist auch die Angst, etwas vom erreichten Wohlstand abgeben zu müssen, an Habenichtse undan Fremde, die es doch nicht verdient haben. Ein radikales Umdenken ist weltweit und schöpfungsweit angesagt. Ansätze dazu gibt es z.B. durch den ökumenischen Prozess „Umkehr zum Leben – den Wandel gestalten“.

Die christliche Tradition bietet Hoffnungsgeschichten wie Lk. 15, dieerzählen, dass Angenommen-Sein ein Geschenk Gottes ist. Deshalb brauchen wir nicht auszugrenzen, uns selbst nicht und andere auch nicht.

Susanne Käser, Landau

 

Alle Bibelzitate nach Bibel in gerechter Sprache (BigS), 2006

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