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Kantate / 5. Sonntag der Osterzeit / 4. Sonntag nach Ostern (19.05.19)

Kantate / 5. Sonntag der Osterzeit / 4. Sonntag nach Ostern


ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Apg 16, 23-34 Apg 14, 21b-27 Offb 21, 1-5a Joh 13, 31-33a.34-35

Vorbemerkung zum Tag

An den Sonntagen zwischen Ostern und Pfingsten wird die Osterfreude entfaltet. Im evangelischen Kirchenjahr steht der 4. Sonntag nach Ostern mit der Überschrift „Kantate“ unter Psalm 98,1: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“.

Apostelgeschichte 16,23-34

Gefangen und doch frei

Paulus und Silas. Auf der Reise durch Europa. Den Menschen von Jesus und von Gott erzählen. Darauf hoffend, dass auch sie sich anstecken lassen von dieser unglaublichen Botschaft.
Doch es kommt anders. Das, was sie verkünden: Frieden, Gerechtigkeit, Aufhebung der sozialen Unterschiede – das macht Angst. Das macht sie zu politisch gefährlichen Leuten.
Angeklagt. Gefangen genommen. Geschlagen. An den Füßen gefesselt.
Und die beiden? Sie jammern nicht. Sie klagen nicht. Sie beten. Und singen. Laut und deutlich. Alle anderen hören sie. Sie beten und singen so laut, dass alle Fesseln gesprengt werden und ihre Mission weitergehen kann.

1945. Er ist gefangen. So lange schon. Hat von seinem Glauben geredet. Und davon, dass wir Christen und Juden miteinander verbunden sind. Das, was er verkündet – das macht Angst. Das macht ihn zu einem politisch gefährlichen Menschen.
Und er? Schreibt Briefe und Gedichte und Gebete. Lässt sich nicht demütigen. Auch wenn die äußeren Fesseln nicht gesprengt werden können. Die Fesseln, die sie ihm ums Herz legen wollten, hat er längst gesprengt. Und sein Glaube beflügelt noch heute: „Von guten Mächten wunderbar geborgen“.

2015. Der Bürgerkrieg in Syrien wird immer heftiger. In Yarmuk lebt der palästinensisch-syrische Flüchtling Aeham Ahmad. Und spielt Klavier. Gegen den Krieg. Und den Terror. Die Stadt ist eingeschlossen. Hier zu leben ist wie in einem Gefängnis. Mit seiner Musik ist es, als würden die Fesseln, die der Bürgerkrieg den Einwohnern angelegt hat, gesprengt.
Die Musik, die er spielt, die Hoffnung, die er damit den Menschen gibt – das macht Angst. Das macht ihn für den IS zu einem politisch gefährlichen Menschen.
Und er? Versucht in ein sicheres Land zu kommen und macht mit seiner Musik hier bei uns auf die Situation seiner Landsleute aufmerksam.

In der Musik, im Lob Gottes, im Gebet, steckt eine Kraft, die wir nur erahnen können. Es wird nicht alles heil. Und nicht alle überleben.
Und doch: Sie alle haben eine Freiheit, die ihre Wärtern angst und bange werden lässt – und eine Umkehr möglich macht.

Paulus und Silas werden die Striemen von ihren Wärtern gewaschen.
Bonhoeffers Briefe werden durch einen wohlgesonnenen Wärter nach draußen geschmuggelt.
Aeham Ahmads Flucht ist gelungen – heute ist der Bürgerkrieg zwar nicht vorbei, aber der IS herrscht nicht mehr über Yamuk.

In der Musik, im Lob Gottes, im Gebet werden Menschen frei von äußeren und inneren Fesseln.

Offb 21,1-5a

Der neue Friede in einer neuen Welt

Ostern – ein neuer Friede ist in die Welt hereingebrochen. Diesen wollen und sollen wir uns immer wieder neu vergegenwärtigen.
Mit seiner Vision von einem neuen Himmel und einer neuen Erde malt der Seher Johannes eine unglaubliches Bild: Keine Tränen, kein Tod, kein Leid, kein Geschrei, keine Schmerzen. Sicherheit, Schutz, Frieden – und Gott mittendrin.
Dürfen auch wir davon träumen – in einer Welt, die unsicherer geworden scheint; in einer Welt voller Krieg; in einer Welt, in der nationalistischer Populismus wieder eine Stimme bekommen hat?
Ja, wir müssen sogar davon träumen.
Und nicht nur das. Der neue Himmel und die neue Erde – sie sind längst da! In den kleinen und großen Auferstehungsgeschichten werden sie sichtbar. Immer und immer wieder.

Johannes spricht auch vom neuen Jerusalem – geschmückt wie eine Braut.
Gewiss ist damit nicht gemeint, diese Stadt für politische Interessen zu missbrauchen – egal ob von israelischer oder palästinensischer oder US-amerikanischer Seite.
Wenn wir in der österlichen Freuden- und Hoffnungszeit vom neuen Jerusalem hören, dann hören wir auch die Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten.

Die Botschaft des neuen Friedens in einer neuen Welt – sie spannt sich von Weihnachten bis jetzt in die österliche Zeit.
Hören wir nicht auf, diesen neuen Himmel und diese neue Erde sichtbar zu machen und zu leben!

Joh 13,31-33a.34-35

Gewaltfreie Kommunikation

In der österlichen Zeit ein Evangelium aus den Abschiedsreden Jesu. Sie weisen über das, was kommen wird hinaus in die neue Zeit, die anbrechen wird.
Zentrales Thema ist die Liebe. Die Liebe Gottes, die in Jesus für uns Menschen sichtbar geworden ist. Die Liebe Gottes, die wir nach Jesu Beispiel untereinander leben sollen:
Der liebevolle Blick auf die und den anderen.
Der liebevolle Umgang miteinander.
Das heißt nicht kritik- und widerspruchslos zu werden. Es zeigt jedoch eine Haltung, die wir immer wieder neu einüben müssen. Seminare und Workshops in vielen Kindertagesstätten und Schulen zur gewaltfreien Kommunikation nehmen genau das auf. Wertschätzend, respektvoll, liebevoll im Umgang miteinander – und doch die eigene Überzeugung dabei nicht verleugnend.
Um Frieden in der Welt zu schaffen ist es notwendig, zuerst Frieden in unserer eigenen kleinen Welt zu schaffen: in den Familien, in den Schulen, am Arbeitsplatz. Das schafft eine neue Kultur im Umgang miteinander.
Fangen wir in unseren Kirchen damit an. Üben wir den liebevollen (aber nicht unkritischen!) Umgang miteinander – so wie Jesus es uns gezeigt hat.
Daran wird dann die Welt erkennen, dass wir zu Gott und zu Jesus gehören.

Ursula Kuhn, Wiesbaden

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