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Epiphanias / Erscheinung des Herrn (6.01.19)

Epiphanias / Erscheinung des Herrn

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Mt 2, 1-12 Jes 60, 1-6 Eph 3, 2-3a.5-6 Mt 2, 1-12

Kirchenjahr

Epiphanias (wörtlich: Erscheinung) ist das älteste Christusfest (um 300 nChr.,liturgische Farbe: weiß). Das Tagesevangelium mit der Legende der drei Weisen aus dem Morgenland prägt seit dem Mittelalter diesen Tag (Dreikönigsspiele), sodass die ursprünglichen Inhalte (Geburt, Taufe, Weinwunder Kana und Verklärung) auf das Weihnachtsfest vorgezogen bzw. auf die Sonntage nach Epiphanias aufgeteilt wurden. Indem die Kirchenlieder der Epiphaniaszeit (EG 66-74) Christus als Morgenstern und wahren König besingen, bewahren sie vor aller Volksfrömmigkeit wesentliche Inhalte des Evangeliums für diesen Tag.

Das Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar ist nur in den Bundesländern Bayern, Baden Württemberg und Sachsen ein gesetzlicher Feiertag. Die Dreikönigstreffen der politischen Parteien dort finden bundesweit Beachtung. Auch die Sternsinger-Aktion des katholischen Kindermissionswerkes (2019: Wir gehören zusammen – Engagement für Kinder mit Behinderung in Peru und weltweit.www.sternsinger.de) erreicht medienwirksam das Bundeskanzleramt, vor allem aber unzählige Haushalte und wirbt Spenden ein (seit 1959 ca. eine Milliarde Euro).

Ev. Predigttext und Tagesevangelium: Mt 2,1-12

  1. a) Exegetische Überlegungen

Die Legende vom Himmelsstern, der die Magier zu dem Jesuskind nach Bethlehem führt, ist Teil der Kindheitsgeschichten des Mt.-Evangeliums. Ob diese Sterndeuter waren oder Könige und aus welchen Ländern bzw. Erdteilen sie kamen, sind ebenso wie die Dreizahl sekundäre Interpretationen. U. Luz (EKK I/1, 160-178)lehnt eine dezidiert politische, gleichwohl traditionelle Auslegung ab, wonach die Hl. Drei Könige Vorbilder für die weltlichen Herrscher zu sein hätten getreu der Maßgabe: „Der christliche Herrscher legt seine Herrschaft dem Weltenkönig Christus zu Füßen und empfängt sie von ihm neu“. (Luz170). Für Mt sei zentral, dass die Heiden Zugang zum Messias Israels gewinnen, während die religiösen Instanzen des Judentums die heilsgeschichtliche Relevanz der Jesusgeschichte verkennen. Die vielfältigen Gegenüberstellungen im Text, auf die Luz hinweist, sind allerdings von politischer Relevanz: Der falsche und der wahre König (Herodes –Jesus), das Erschrecken der politischen und religiösen Führer Israels über die Geburt des Messias (V.2f) im Gegensatz zur Freude und Anbetung durch die Fremden (V. 10f), der Plan des Herodes (V. 7f) und der Heilsplan Gottes (V. 12).E. Drewermann stellt fest, dass die Macht- und Mordgier des Königs Herodes einen „Einbruch in die Schönheit und Verheißung der Legende“ (Mt.ev, 298) bedeute. Für die christliche Gemeinde hätten die Magier Vorbildcharakter - es gelte, „den Bildern der eigenen Träume konsequent zu folgen“ (Mt.ev, 304).

  1. b) Predigtimpulse

Der Weg der Weisen führt zunächst nach Jerusalem, ins politische und religiöse Zentrum Israels. Der Messias lässt sich aber in Bethlehem finden, abseits der Macht. Welches Ziel haben unsere Wege und wer sind unsere Ratgeber/innen, sofern wir uns überhaupt beraten lassen? Bleiben wir auf halber Strecke stehen und geben auf? Wissen wir, wann uns ein „guter Stern“ leitet?

Die Anbetung der Weisen gilt dem Messias. Wer ein neugeborenes Kind zum ersten Mal sieht, kennt von sich selbst vermutlich ein Ergriffensein, eine Ahnung des großen Geheimnisses vom Geschenk des Lebens. (Luther: „Wer ein Kind sieht, hat Gott auf frischer Tat ertappt“). Auch wenn die Welt für einen Moment still zu stehen scheint: Es ist eine Illusion zu glauben, dass privates Glück die übrigen Dimensionen des Lebens außer Kraft setzen könnte. Matthäus weiß um Gefährdungen und Heimtücke, die dem Messias drohen. Die Geschenke sind Gaben, aber keine Sicherheiten.

  1. c) Nachhaltigkeitsbezüge: Solidarität mit Kindern weltweit

Das Wissen der Hohenpriester und Schriftgelehrten (V.4-6) bleibt abstrakt und folgenlos (Drewermann, 297) – zu einer Neuorientierung gehört Aufbrechen, Suchen, Durchhalten, Solidarität. Die Magier forschten und fragten, sie bewiesen Vertrauen und sie waren gemeinsam unterwegs auf ihrer Mission. Das Ziel ihrer Reise war ein Kind – in ihm erkannten sie den Messias. Sich für bessere Lebensbedingungen von Kindern einzusetzen, ist das erklärte Ziel der Sternsinger-Aktion. Gemeindliche bzw. kirchliche Partnerschaftsprojekte benötigen unsere Unterstützung!

Die weite Reise der Sterndeuter einerseits und die Nähe zwischen Jerusalem und Bethlehem andererseits berührt Aspekte von Mobilität: Mt 12,1-12 erzählt nicht von einer Butterfahrt, aber wir wissen: Auch gute „Be-weg-gründe“ wie Reisen ins Heilige Land, Sprachreisen oder Klimagipfel haben ihren Preis…Zugleich finden immer mehr Menschen Gefallen am Pilgern in der eigenen Region (von Gemeinde zu Gemeinde, oder auf ausgewiesenen Pilgerwegen unter Anleitung von PilgerbegleiterInnen): Weg-Erfahrungen sind Gemeinschaftserfahrungen und sie können zu Gotteserfahrungen werden.

Lesung 1: Jes 60,1-6

  1. a) Exegetische Überlegungen

In den biblischen Texten der nachexilischen Zeit erwächst aus der Krise des Erwählungsglaubens die Vorstellung von der Universalität des Heils, wobei Israel vor allem bei Deuterojesaja die Rolle zukommt, „Licht für die Heiden“ zu sein (42,6 u. 49,6). Jes 60 aktualisiert dies mit der Vision von der Völkerwallfahrt zum Berg Zion. Aus allen Himmelsrichtungen strömen sie herbei und bringen ihre Gaben (Motiv der Tributleistungen von Vasallen). Ein freudiger Grundton verstärkt diese Verheißung (V.5). Das Licht des Anfangs (Gen 1) wird an Gottes erwähltem Volk erkennbar und zieht die Völker in seinen Bann. Auch wenn Israel angesprochen ist, zeigt die Form des Hymnus an: Die Herrlichkeit Gottes steht über allem. Epiphanie im wahrsten Wortsinn – Gott ist Licht, auf das Sehen kommt es an. Ein prophetischer Weckruf an ein Volk, das sich seiner Identität neu vergewissern soll (V.1: „Mache dich auf“)

  1. b) Predigtimpulse

Der Kanon „Mache dich auf und werde Licht“ (Lied Nr. 1 im neuen EGplus) besingt Jes 60,1. Nach den vielen Lichtern der Weihnachtszeit gilt es das wahre Licht in den bevorstehenden Alltag mitzunehmen (am nächsten Tag beginnt für viele Menschen die erste Arbeitswoche des neuen Jahres). Der Berg Zion ist überall dort, wo Menschen zusammen kommen und teilen, was sie an Gütern und Begabungen haben. Sie stellen dem Grau des Alltags, dem Dunkel der Welt ihre Vision eines guten Zusammenlebens entgegen. Sportereignisse wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele (Lichtmetaphorik: Das olympische Feuer) sind moderne Gestaltungsformen, die der Völkerverständigung dienen, ebenso auch die Ökumenischen Jugendtreffen der Kommunität Taize (28.12.18-1.1.19 in Madrid).

  1. c) Nachhaltigkeitsbezüge

In den Debatten zur Asylpolitik wird plakativ zwischen „Gutmenschen“ und „Dunkeldeutschland“ unterschieden. Aber es gilt, die weltweite Migration und ihre Ursachen als echte Herausforderung auch der reicheren Länder zu begreifen. Das Bild der Völkerwallfahrt ist dagegen ein theologisch-eschatologisch geprägtes. Es darf weder politisch als Schreckgespenst noch moralisch als Gebot der Stunde instrumentalisiert werden.

Lesung 2: Eph 3,2-3a.5-6

  1. a) Exegetische Überlegungen

Epiphanie und Offenbarung gehören auf das Engste zusammen. Was vorher verborgen war, wird jetzt durch Gottes Geist offensichtlich: Die christlichen Gemeinden sind vielfältig und das ist gut so. Die sogenannten Heidenchristen gehören mit vollen Rechten dazu – sie sind Erben und Teil des einen Leibes Christi (R.Schnackenburg, EKK 135 betont die dreifache griechische Vorsilbe syn…) .Obwohlder Brief der Paulusschule zugeschrieben wird, wird für diese Einsicht die volle Autorität des Apostels Paulus geltend gemacht.

  1. b) Predigtimpulse

Die Einheit der Kirche ist nicht allein durch die Vielzahl der Konfessionen und unterschiedlichsten Traditionen auf den ersten Blick nur schwer erkennbar. Aber sie ist nicht nur konstitutiv für das Verständnis vom Leib Christi, sondern es ist äußerst lohnend, sich als Gemeinde auf Entdeckungsreise zu begeben – Kontakte knüpfen zu nichtdeutschen Kirchengemeinden, die es mittlerweile in nahezu jeder Stadt gibt.

  1. c) Nachhaltigkeitsbezüge

Statt Exklusivität und Ausgrenzung betont Eph 3 die Einsicht in das Miteinander in der Gemeinde. Politisch ist von der Notwendigkeit des Miteinanders zu sprechen. Globale Problemlagen (Migration, Klimawandel, Ökonomie) sind weder individuell noch nationalstaatlich oder bilateral zu lösen. Sie erfordern Solidarität und Gerechtigkeit auf allen Ebenen des Rechts und unter dem Dach funktionierender Institutionen.

Joachim Naurath, Limburg

 

Quellen:

E. Drewermann, Das Matthäusevangelium. Erster Teil. Bilder der Erfüllung, Olten 1992

R. Schnackenburg, Der Brief an die Epheser, EKK Bd. 10, Neukirchen-Vluyn 1982

U. Luz, Das Evangelium nach Matthäus, EKK Band I/1, Düsseldorf, Zürich 2002

B.M.Zaff, Jesaja 56-66. Die neue Echter Bibel, Würzburg, 2006

Katholisches Bildungswerk e.V., Lektorenhilfe (www.bibelwerk.de)

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