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9. Sonntag nach Trinitatis / 20. Sonntag im Jahreskreis (18.08.19)

9. Sonntag nach Trinitatis / 20. Sonntag im Jahreskreis


ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Phil 3, (4b-6) 7-14 Jer 38, 4-6.8-10 Hebr 12, 1-4 Lk 12, 49-53

Phil 3, (4b – 6), 7 -14

Vers 2 beginnt mit einer bissigen Warnung vor falschen Arbeitern/Lehrern in der Gemeinde von Philippi.

Paulus wird nun sehr persönlich, vergleicht sein früheres Leben als gläubiger Jude mit seinem jetzigen Leben als einer, der „Christus erkennen will und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinem Leiden“, Vers 10. Er gesteht: „ Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre“ Vers 12. Doch: „Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir liegt.“, Vers 13.

Was – nach meiner Ansicht – an diesem mitreißendem Text nicht nachhaltig ist: Paulus bricht hier verbal mit allem, was er vor seiner christlichen Bekehrung erlebte und lebte: Jesu Christi „wegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat.“ Vers 8. Und so blendet er ganz aus, dass Jesus ein frommer Jude war, der das Gesetz sehr hoch schätzte. Im späteren Römerbrief zeigen sich deutlich die Folgen dieser Einseitigkeit: Im 9. bis 11. Kapitel hat Paulus allergrößte Schwierigkeiten, die Rettung Israels und die Rettung der Christen zusammen zu denken.

Er muss zugeben, dass es ihn innerlich zerreißt (s. Röm 9, 2-3).

Zuspitzungen und Abwertungen, auch hinsichtlich des eigenen Lebens, führen nicht zum Ziel.

Jer 38, 4-6. 8-10

Vorbemerkung: Die Textauswahl ist so kurz, dass der (unvorbereitete) Hörer bei der Lesung nur versteht: Jeremia wird verfolgt und in die Zisterne geworfen, ein Kuschiter rettet ihn.

Um dem erzählenden Bibeltext und dem Hörer gerecht zu werden, sollte Jer 38, 1 – 13 vorgelesen werden.

Als 586 v. Chr. Jerusalem von den Chaldäern/Babyloniern belagert wird, verkündet Jeremia am Tempel die Zerstörung der Stadt als Strafe Gottes und gibt als einzige Möglichkeit der Rettung das Überlaufen zu den Chaldäern an. Deshalb wird er gefangen gehalten. Schließlich wollen in vier hohe Beamte beiseite schaffen und holen sich vom schwachen König die Erlaubnis zu Jeremias Tötung. Sie werfen ihn in den Schlamm einer ausgetrockneten Zisterne. Aber ein Höfling aus dem Ausland, der Kuschiter (Ägypter / Sudanese) Ebed-Melech bittet den König um Gnade und kann Jeremia aus der Zisterne befreien.

Im Jahr 2015 n. Chr. hat sich der ukrainische Journalist Ruslan Kotsaba über Youtube gegen die Kriegsführung im Osten der Ukraine gewandt und seine Landsleute dazu aufgerufen, den Kriegsdienst zu verweigern. Daraufhin wurde er verhaftet und 2016 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Amnesty International hat ihn als politischen Gefangenen anerkannt.
Nach einer internationalen Kampagne von Friedens- und Menschenrechtsorganisationen kam Ruslan Kotsaba im Juli 2016 nach über 16 Monaten Haft auf Beschluss des Berufungsgerichtes frei. Das oberste Gericht der Ukraine hob jedoch den Freispruch auf und ordnete eine Wiederholung des Verfahrens an. Das beauftragte Gericht in der kleinen Stadt Bohoradtschany erklärte sich aber am 31. Januar 2018 für befangen und hat das Verfahren an das Berufungsgericht in Kiew zurückverwiesen. Gerichtsort ist nun die westukrainische Kleinstadt Dolyna.

Jeremia wurde gefangen genommen, weil er die Moral der Soldaten untergräbt; 2600 Jahre später wird Ruslan Kotsaba aus gleichem Grund ins Gefängnis geworfen. Jeremia wird durch die Fürsprache eines Ausländers vor dem Tod in der Zisterne gerettet, Ruslan Kotsaba kommt unter anderem durch eine internationale Kampagne wieder frei.

Nach der Eroberung Jerusalems darf Jeremia in Judäa frei weiterleben; in der Ukraine herrscht weiterhin Krieg und der Prozess gegen Ruslan Kotsaba wird wieder aufgenommen (Stand 2018).

Nachhaltigkeitsgedanke

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist in sehr vielen Ländern noch nicht durchgesetzt. Nur durch stetige internationale Zusammenarbeit und Unterstützung ist dieses Recht zu erreichen.

Hebr 12, 1-4

Die Aufforderungen zu Ausdauer und zum Ertragen von Leiden nach dem Beispiel Jesu sind ja zeitlos.

Groß ist auch in der modernen Zeit „die Wolke an Zeugen“. Ich nenne hier zwei Zeugen:

Franz Jägerstätter, geboren 1907 in St. Radegund, Oberösterreich, hingerichtet 1943 bei Berlin.
Franz Jägerstätter war ein Bauer, der – wohl auch wegen seiner frommen Frau - seinen traditionellen Glauben überdachte und vertiefte, u. a. durch intensive Bibellektüre. Wurde ehrenamtlich Mesner in seinem Dorf und kam schon recht früh zur Überzeugung, dass die nationalsozialistische Regierung Verbrechen beginge und ins Unheil führe.Daher stimmte er 1938 gegen den „Anschluss“ Österreichs an Deutschland.

Als er zum Kriegsdienst einberufen wurde, verweigerte er den Dienst für solch eine Regierung, obwohl ihm auch von kirchlicher Seite (bis hin zum Bischof) gesagt wurde, dass er als Bauer keine ausreichende Einsicht habe in die hohen staatlichen Aktionen, deshalb zu gehorchen habe und auch an das Wohl seiner Familie (zwei kleine Töchter) denken müsse.     Trotz des Angebotes, im Krieg als Sanitäter eingesetzt zu werden, verweigerte er den Kriegsdienst und wurde deshalb zum Tode verurteilt.

1965 wurde beim II. Vatikanischen Konzil Franz Jägerstätter als Zeuge der Gewissensfreiheit genannt. 

Dr. Ruth Pfau, 1929 – 2017, geboren in Leipzig, gestorben in Pakistan. Konfessionslos aufgewachsen, ließ sich 1949 taufen, wurde Ärztin, Mitglied einer religiösen Gemeinschaft. Sie baute dann in Pakistan den Gesundheitsdienst für Leprakranke auf. Ebenfalls entsprechende Hilfe in Afghanistan. Mehrere autobiographische Veröffentlichungen.

Lk 12, 49 – 53

Dieser Abschnitt spricht im Rahmen von Endzeiterwartungen: Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem, wo ihn vielleicht der Tod erwartet, Vers 50. Er erwartet das Feuer von Gottes (End-)Gericht, Vers 49. Von dieser Endzeit redet auch das alttestamentliche Zitat Vers 53.

Michael Strake, Hütschenhausen

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