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18. Sonntag nach Trinitatis / Erntedank / 26. Sonntag im Jahreskreis (30.9.18)

18. Sonntag nach Trinitatis / Erntedank / 26. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
18. So. n. T.: Jak 2, 1-13
Erntedank: 1 Tim 4, 4-5
Num 11, 25-29 Jak 5, 1-6 Mk 9, 38-43.45.47-48

Die Autorin bearbeitet die vier Texte des zweiten Testaments, die sie unter dem Stichwort „Wege der Gerechtigkeit“ verbindet.„Leben im Haushalt Gottes“ wählt sie als Überschrift zu 1. Tim. 4, 4f.

Stellung im Kirchenjahr: Am 18. Sonntag nach Trinitatis (30.9.2018) wird das Erntedankfest gefeiert.

1. Tim 4, 4 - 5

Exegetische Hinweise

Ecclesiologisches Leitmodell der Pastoralbriefe ist nach 1. Tim 3,14f. die Kirche als oikostheou, also Haus(halt) Gottes. Dieser „Haushalt“ ist, wie im griechisch-römischen Denken, streng hierarchisch strukturiert. Wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Verkündigung des Paulus (4, 1-3) gibt 1. Tim Anweisungen an Timotheus als Gemeindeleiter (4, 6) mit abqualifizierenden Hinweisen auf „andere“, die nicht der Meinung des Schreibers sind (4,7).
(vgl. Kompendium II. Auflage S. 661ff;Bibel in gerechter Sprache(BigS,) Einleitung zum 1. Tim.)

Predigtimpulse

Erntedankfest möchte ich verstehen als Dankfest für ALLES was den oikostheou ausmacht, nicht nur für „Feldfrüchte“ wie Gemüse und Obst.Auf diesem Planeten, von dem wir nur diesen einen haben, leben Pflanzen, Tiere und Menschen. Die Elemente Wasser, Erde, Luft sind für alle nötig als Lebens-grundlage und die Ressourcen unserer Erde sind endlich.Ich möchte der Frage nachgehen: Wie kann ein gutes Zusammenleben in einem Haushalt gelingen? Mit Kindern und Konfirmand*innen lassen sich dazu konkrete und anschauliche Beispiele erarbeiten und auf den oikostheou übertragen, die sie im Gottesdienst einbringen. Wichtig ist mir auch, den Zusammenhang von Wertschätzung – Dank – Ansporn zu aktivem Tun aufzuzeigen.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Wenn zur Zeit der Pastoralbriefe in 4, 3 (b) Enthaltsamkeit als nicht der paulinischen Lehre gemäß angeprangert wird, dann ist in unserer Situation das Gegenteil anzusagen, nämlich: Weniger ist genug! Sorgsames Haushalten im oikostheou ist überlebenswichtig. In der Einladung zum Ökumenischen Ratschlag am 17.10.2017 ( Lic. Theol. Peter Schönhöffer M.A.) steht u.a.: „Der Konziliare Prozess hat sich zu einer weltweiten Bewegung entwickelt... Die wichtigsten Ziele: Eine Wirtschaft im Dienst des Lebens, Schutz der Gemeingüter, Ausbau und Verbindlichkeit der Menschenrechte, Ausbau von Friedens- und Mediationsdiensten, Änderung der Lebensstile. Das sind Bausteine eines gerechten Friedens“.

Jak. 2, 1 - 13

Exegetische Hinweise

„Streiten um den Weg der Gerechtigkeit“ ist die Einführung in den Brief des Jakobus überschrieben1).

Bei Jakobus ist es ungewöhnlich, dass Frauen besonders erwähnt werden. Hier werden sie genannt. Es ist deshalb zu vermuten, dass Frauen in den Gemeinden besonders von Ungerechtigkeiten betroffen waren.
1) Schottroff, Wacker, Kompendium Feministische Bibelauslegung 2. Auflage S. 694.

Predigtimpuls

GG Art. 1 „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ möchte ich in beziehen auf Gottes Parteilichkeit für die Bettelarmen (2,5.6)2). Weltweit ist Armut heute noch weiblich, d.h. Frauen sind die Bettelärmsten unserer Erde, derzeit besonders im Südsudan und in Somalia. Es trifft auch zu auf die Altersarmut bei uns in Deutschland. – Literaturhinweis: Novelle von Gottfried Keller, Kleider machen Leute.
2) ebd. S. 696

Bezug zur Nachhaltigkeit

Jakobus warnt die Gemeinde, „dass ihrdas weltliche Ansehen von Menschen nicht zum Kriterium eures Handelns macht“ (2,1). Urteilen über andere aufgrund von Äußerlichkeiten oder ihre finanziellen(Un-)Möglichkeiten vertieft die Kluft in Gesellschaft und Kirche. Im Gegensatz dazu führt die Achtung vor der Würde eines jeden Menschen zum Handeln für mehr Gerechtigkeit.

Jak. 5, 1 - 6

Exegetische Hinweise

Im Jak liegt eine von den Evangelien, besonders vom Mt literarisch unabhängige Überlieferung der

mündlichen Jesus-Tradition vor. Manchmal werden ähnliche Themen in völlig unterschiedlicher Form

präsentiert, wie z.B. Jak 5, 1-6 gegenüber Mt 6, 19-24. In Jak 5, 1ff hört Gott den Schrei der Betrogenen. Gott sieht das Unrecht und Menschen werden es zu verantworten haben. So stellt der Jak vor die Frage, wie das Verhältnis von Glaube und Tun des Gerechten (D. Bonhoeffer) in unseren Gesellschaften, in unserem Leben aussieht.

Predigtimpulse

Unrecht soll deutlich benannt werden.Der 5. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung wurde 2016 leider etwas geglättet präsentiert. Weltweit geht die Schere zw. Arm und Reich viel weiter auseinander als bei uns, wie u.a. bei BROT FÜR DIE WELT und Misereor zu erfahren ist. Der Schrei der Betrogenen (5,4) dringt auch heute zum Himmel. Wir sind als Christ*innen herausgefordert ihnen auf der Erde eine Stimme zu geben (advocacy, d.h. eintreten für die Rechte anderer).

Bezug zur Nachhaltigkeit

Beim Aufzeigen negativer Situationen möchte ich nicht stehen bleiben, Gerechtigkeit erfordert geduldiges und zielstrebiges Dranbleiben an den Herausforderungen.Christ*innen brauchen sich nicht entmutigen lassen auf dem Weg der Gerechtigkeit. Jak1,9-12 zeigt die eschatologische Perspektive auf: die Krone des Lebens gewinnen. Aus dieser Hoffnung erwächst eine „militante Geduld“ mit der Christen leben – bis Gottes Gericht zur vollkommenen Ernte wird (5, 7-9).
Vgl. ebd. S. 695-699

Einige der „17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung“ sind beschrieben im Rundbrief Oikocredit Förderkreis Hessen-Pfalz e.V. Herbst 2016.

Mk. 9, 38-43. 45. 47. 48

Exegetische Hinweise

Mk 8,27 – 10,52: der Weg nach Jerusalem ist die Zeit der Unterweisungen. Es geht um die Konsequenzen der Nachfolge. Der Aufbau folgt dem gleichen Schema: Leidensankündigung (8,31;9,31;10,33f), Konflikt mit Mitgliedern der Zwölf, Unterweisung in der Nachfolge. Das Schicksal Jesu wird parallelisiert mit dem seiner Anhänger_innen. In dem Schlüsselsatz 8,34 geht es um die Gegensätze von sich abschwören oder Jesus abschwören. Die Unterweisung gipfelt in der Ethik des Dienens (10,35-45).

Predigtimpulse

Auch in unseren christlichen Gemeinden geht die Angst um vor zu vielen Fremden, vor Terror im Namen einer Religion, vor Überfremdung und gefühlten Verlusten. Wie ernst nehmen wir diese Gedanken und Stimmungen? „Wer nicht gegen uns ist, ist für uns“ (9,40). Müssen wir Grenzen setzen. Wann? Wo? Wem? Ich möchte den sog. Werten des christlichen Abendlandes und deren Verteidigung die Ethik der dienenden Nachfolge entgegensetzen. Christsein ist auch heute keine Spazierfahrt, sondern ein konsequenter und deshalb nicht einfacher Weg der Gerechtigkeit (9, 42).

Bezug zur Nachhaltigkeit

Den Weg der Gerechtigkeit gehen bleibt ständige Herausforderung. Ich verstehe darunter dem Leben dienen, gegen die von Menschen gemachten Todesmächte aufstehen. Es ist die permanente Fragestellung: wo und wie geschieht wem Unrecht? Was können Nachfolger_innen Jesu heute dagegen setzten? Wie Abhilfe schaffen? Eine Ethik des Dienens ist gefragt als Einsatz für Menschenrechte, für eine Schöpfungsgerechtigkeit und auch für präventive Konfliktlösungen.
Vgl. ebd. S. 505ff

Susanne Käser, EK d. Pfalz

Alle Bibelzitate nach Bibel in gerechter Sprache (BigS), 2006

 

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