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5. Sonntag nach Trinitatis / 13. Sonntag im Jahreskreis (1.7.18)

5. Sonntag nach Trinitatis / 13. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
1 Mose 12, 1-4a Weish 1, 13-15; 2, 23-24 2 Kor 8, 7.9.13-15 Mk 5, 21-43

Genesis 12, 1-4a

GELASSENHEIT ALS LEBENSHALTUNG

Eine faszinierende Einstellung, die hier von Abram und Sarai erzählt wird: bereit sein zu Aufbruch und Neuanfang. Nicht nur in der Lebensphase, in der uns das „normal“ zu sein scheint, wenn Ausbildung und Beruf Menschen an neue Orte führt. Auch später, wenn jemand sich verwurzelt hat, noch aus dieser Haltung heraus leben: in der Bereitschaft, z.B. das Haus zu verlassen und in eine barrierefreie kleine Wohnung zu ziehen, so lange ich es noch selbst entscheiden kann.

Zieh weg –das heißt auch: lass alles zurück, an was du dich gebunden hast. Geh nur mit dem, was du bist – nicht mit dem, was du hast. Zieh weiter, nicht um die Erde an anderer Stelle zu verwüsten, sondern um Segen zu bringen im Auftrag Gottes. Die Welt würde sich verändern, würden mehr Menschen in dieser Bereitschaft leben – in diese Haltung hineinwachsen – Segen weiterschenken.

Weisheit 1,13-15.2,23-24

ENTSCHEIDUNG FÜR DAS LEBEN

Gott wird vorgestellt als "Liebhaber des Lebens". Er hat alle Lebewesen zum Leben geschaffen. Wer immer etwas anderes behauptet, hat unrecht, so klingt es in diesen Versen: Gott will das Leben, weil er das Leben ist.

Der Mensch als Abbild Gottes ist geschaffen für das Leben – nicht für den Tod.

Der Tod wird in diesem Text dem Bösen zugeordnet, aber weder Tod noch Teufel können gegen Gott etwas ausrichten, weil Gott größer ist als der Tod.

Unsere Erfahrung sieht oft anders aus: da behält das Böse die Oberhand - in persönlichen Erfahrungen und auch in Entwicklungen, die wir weltweit beobachten. Der Tod greift plötzlich und machtvoll ins Leben ein und zerstört, was vorher war.

Einen Ausweg, eine einfache Lösung gibt es nicht: wir müssen damit leben, dass es Leben und Tod gibt. Und wir müssen damit leben, dass es Gut und Böse gibt. Aber darin steckt auch unsere Entscheidung- immer wieder neu können wir uns ausrichten. Wir können entscheiden, ob wir unserer Erschaffung gemäß leben und handeln – und uns für das Leben einsetzen, im kleinen persönlichen Bereich, und wenn es nur um die Müllvermeidung geht, und im großen gesellschaftlichen Bereich, wenn wir unsere Meinung, Energie und Zeit einbringen in Politik und weltweite Kontakte und Organisationen.

2 Korinther 8,7.9.13-15

GEBEN KÖNNEN UND NEHMEN KÖNNEN – „LEBEN TEILEN“

Paulus wendet sich an die Gemeinde in Korinth und knüpft an die jüdische Tradition an: „Liebeswerke“ sind freiwillige Taten, die der Liebe entspringen, auf die niemand verpflichtet werden kann. Dabei geht es um Gerechtigkeit und Solidarität. Glaube wird sozusagen „handgreiflich“. Eine Sammlung unter den heidenchristlichen Gemeinden zugunsten der Armen in Jerusalem soll einen Ausgleich schaffen zwischen Arm und Reich.

Auf die ganze Welt bezogen, ist eine solche Balance fast nicht denkbar. Jede Spende hat Konsequenzen, die z.B. Eigeninitiativen in ärmeren Ländern stoppen. Im Kleinen dagegen ist die Balance ziemlich einfach: Geben und Nehmen kann funktionieren, wenn die beiden Parteien, also Gebende und Nehmende, bereit sind, voneinander zu lernen. Wenn Geben und Nehmen als Geschenk verstanden wird. Wer beschenkt wird, empfängt, muss aber auch lernen, anzunehmen – und die eigene Bedürftigkeit als eine Realität anerkennen. Wer gibt, muss lernen, dass die Gabe ihn nicht größer macht. Er bleibt genauso bedürftig wie der Beschenkte. Menschen müssen beide Seiten erleben, um diese Balance von Geben und Nehmen begreifen zu können: es geht nicht darum, sich selber groß und andere klein zu machen. Aber es geht auch nicht darum, sich selber klein und andere groß zu machen. Es geht nicht um einen Tausch und nicht um Dankbarkeit des Empfängers.

Es geht darum, Leben zu teilen – das Geben-Können und Nehmen- Können als ein Geschenk verstehen zu lernen. Und vielleicht sollten wir weniger von Spenden reden, aber dafür mehr von Leben, das wir miteinander teilen, weil wir es haben – im Überfluss.

Markus 5, 21-43

IN BERÜHRUNG KOMMEN – WUNDER ZWISCHEN LEBEN UND TOD

Texte zwischen Leben und Tod werden da im Markusevangelium erzählt. Zwei Geschichten von Krankheit und Heilung, von Tod und Auferweckung. Wundergeschichten, wie wir sie uns manchmal in unserem Alltag wünschen würden.

Eine Frau, die durch ihre Krankheit zu einer „Unberührbaren“ geworden ist, weil alle, die sie berühren, unrein werden. So viele Jahre musste sie in ihrer ungewollten Einsamkeit aushalten – und dann wird sie heil durch eine Berührung, durch die Berührung seines Gewands. Dieses Wunder kann eine Einladung an uns sein, uns auf Berührung einzulassen, die heilende Kraft einer Berührung zu erleben, in Berührung zu kommen mit dem Leben, mit der Schöpfung, mit diesem einen Menschen, der mir jetzt begegnen will.

Die andere Wundergeschichte erzählt von einem noch härteren Schicksalsschlag: wenn ein Kind stirbt, ganz gleich, aus welchem Grund, ist das für alle Beteiligten nicht auszuhalten. Schock und Entsetzen ergreifen die Eltern, die Familie und Freundinnen, aber auch Rettungskräfte und Fremde. Alle verbindet der Wunsch, in diesem Moment das Wunder aus dem Markusevangelium zu aktivieren, „talithakum“ zu sagen, zu bitten, zu schreien. Dieses Wunder bleibt uns verwehrt. Aber ist es nicht auch ein Wunder, wenn Eltern auch nach dem Tod ihres Kindes am Leben festhalten? Wenn sie irgendwann wieder Schritte ins Leben wagen?

Wenn ein Mensch nach vielen Jahren mit einer Querschnittslähmung sagt: „Ich habe ein gutes Leben –anders, als ich es mir vorgestellt habe, aber gut.“ – dann ist das für mich auch ein Wunder zwischen Leben und Tod: ganz real und ganz lebendig.

komm in berührung
mit dir
mit dem leben
komm
und berühre
lass dich berühren
von diesem moment
von licht und schatten
einem wort
oder der stille
komm in berührung
mit dem
was ist
um dich und in dir
komm und berühre das leben
wie es sich dir schenkt
in diesem einen augenblick

Annette Schulze, Frankenthal

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