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1. Sonntag nach Trinitatis / 9. Sonntag im Jahreskreis (3.6.18)

1. Sonntag nach Trinitatis / 9. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jer 23, 16-29 Dtn 5, 12-15 2 Kor 4, 6-11 Mk 2, 23 - 3, 6
oder kurz Mk 2, 23-28

Jer 23, 16-29

Die Unterscheidung zwischen wahren und falschen Propheten

Beim Lesen dieses Textes kommt mir die Reaktion des jetzigen amerikanischen Präsidenten auf den Klimawandel in den Sinn. Es gibt viele wissenschaftliche Belege für eine dramatische Veränderung des Klimas. Die Auswirkungen spüren wir und viele andere Länder schon jetzt. Z. B. die Salomoninseln des Südpazifiks verzeichnen höhere Wasserstände und fünf der Inseln sind schon untergegangen. Zurzeit haben wir bei uns bereits Waldbrandstufe 4, obwohl der Sommer noch gar begonnen hat. Die Fakten lügen nicht. Wir selbst sind MeisterInnen der Verdrängung. Es wird nur wahrgenommen, was zur eigenen Meinung gehört und was deckungsgleich mit den eigenen Interessen ist. Unbequemes, das mit der Veränderung des eigenen Verhaltens einhergeht, wird nicht gesehen, nicht gehört und oft auch verleugnet. Nicht nur Politiker/innen, die im Rampenlicht stehen, zeigen diese Verhaltensweisen, sondern auch der und die normale/r Verbraucher/in. Wer möchte schon hören, dass sein/ ihr Verhalten dazu beiträgt, dass wir unseren Nachkommen einenverödeten Planeten zurücklassen? Selbst wenn viele sonntags in den Kirchen darüber predigen, so wie es die kath. Predigtreihe vorsieht, es hören doch nur wenige zu. Doch die „Ferne“ Gottes liegt darin, dass nicht alles, was wir Menschen tun, für gut befunden wird. Darin liegt die Aktualität dieses Abschnittes. Das war zu Jeremias Zeit schon so, und die Parallelen sind heute auch zu finden. „ Gut „ befunden war am Anfang die Schöpfung und jetzt ist die Zeit, die fatalen Konsequenzen aus menschlichem Handeln endlich zu erkennen. Noch können wir die Dinge zum Guten verändern.

Dtn 5, 12-16 Die Sabbatheiligung

"Gib der Seele einen Sonntag und dem Sonntag eine Seele." P. Rossegger

Der Kandidat einer christlichen Partei ist gewählt worden. Am Montag stand in der Zeitung zu lesen, dass er am Sonntag( Wahltag) für seine Familie frische Brötchen beim Bäcker geholt hat. Es ist für uns selbstverständlich geworden, dass die Bäckereien und Geschäfte am „ Tag des Herrn“ geöffnet haben. Immer mehr Sonntage fallen dem grenzenlosen Konsum zum Opfer. Wir Menschen nehmen uns nicht die Zeit, um die Seele baumeln zu lassen. Das Sonntagsvergnügen ist zum Shoppingvergnügen geworden und die Gleichung „Wenn ich kaufe, dann bin ich“, gilt. Als Kirche mit unseren Gottesdiensten konkurrieren wir mit vielen anderen Veranstaltungen am Sonntagmorgen.

Dabei gehört zum Schöpfungsbericht der Ruhetag.Das Sabbatgebot des Dekalogs steht in der Rangfolge vor den ethischen Geboten der 2. Tafel. des Dekalogs.

„In der Ruhe liegt die Kraft“.Obwohl dieser Satz nicht aus dem christlichen Kontext stammt, bezeichnet er auch einen Sinn dieses Tages. Diesen einen Tag der Ruhe brauchen die Menschen, Tiere und Pflanzen. Atemholen, damit wir wieder Kräfte sammeln können. Wir können z.B. die Böden nicht endlos bearbeiten. Auch ein Acker braucht ein Jahr der Ruhe, damit der Boden wieder Nährstoffe sammeln kann und Kraft bekommt.

An diesem Gebot entscheidet sich, wer die Herrschaft über den Menschen gewinnt: Gott, der das Gute will oder der grenzenlose Kapitalismus der die Seele des Menschen und das Geld will.

2 Kor 4, 6-11

In diesem Text ist kein expliziter Bezug zur Nachhaltigkeit zu finden. Doch ist er ein „Mutmachtext“ für alle engagierten Menschen, die sich fragen: „Lohnt es sich? “. Er hilft weiter zu machen und immer wieder für das Gute einzustehen undnicht in diesem Bemühen nachzulassen.

Mk 2, 23-28 (Anm. der Autorin: Für die Predigtmeditation beziehe ich mich auf die kürzere Fassung.)

Also doch am Sonntag einkaufen (s.o.). Viele Menschen brauchen das anscheinend für ihre Seele. Dieser Satz „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen“, wird von allen gerne zitiert, wenn es um die Aushöhlung der Sonntagsruhe oder -Heiligung geht. Alles, was der Mensch will, ist gut für ihn. Für die Umkehrung dieses Satzes wäre für mich die Nähe zur Nachhaltigkeit, Gibt es Grenzen menschlichen Wollens? Der Herr über den Sabbat ist und bleibt der Menschensohn und nicht die Menschen. Wir sind keine Supermänner und -frauen, die auf endlose Kräfte zurückgreifen können, sondern Geschöpfe und somit ein Teil der Schöpfung. Wir brauchen die Zeit zur Erholung und zur Besinnung. Menschenleben retten auch am Sonntag z.B. aus den Fluten des Mittelmeers ist völlig in Ordnung! Es müsste niemand auf dieser reichen Welt hungern, wenn nur die Nahrung gerecht verteilt wird.

Elke Wedler-Krüger, Freimersheim

 

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