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Gründonnerstag (29.3.18)

Gründonnerstag

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
1 Kor 10, 16-17 Jes 61, 1-3a.6a.8b-9 Offb 1, 5-8 Lk 4, 16-21

Impulse

Der ev. Predigttext könnte leicht dazu verführen, über das Abendmahl zu predigen. Dies geschähe dann auch mit dem Risiko, aus dem unterschiedlichen Abendmahlsverständnis der verschiedenen Konfessionen heraus zu einem vehementen Diskurs zu kommen.

Ich möchte dieser Versuchung nicht erliegen. Denn im Zusammenhang gesehen ist das eigentliche Thema unseres Predigttextes nicht das Abendmahl oder Herrenmahl, sondern die Teilhabe. Wenn wir dies realisieren, bekommt auch der Begriff "Nachhaltigkeit" seine Bedeutung und Berechtigung.

Der Kontext unseres Predigttextes ist der urkirchliche Konflikt um das gemeinsame Essen und um das Essen von Götzenopferfleisch. Zentrales Ärgernis war die bedenkliche Entwicklung, dass einige beim gemeinsamen Essen in der Gemeinde Völlerei betrieben (also Ressourcen verschleuderten), während andere aus derselben Gemeinde nur wenig oder nichts hatten. Eine Entwicklung, die unserer weltweiten sozialen Ordnung nicht unähnlich ist.

Das regelmäßige Feiern der Eucharistie bewirkt und zeigt Nachhaltigkeit im Leben der Kirche.

Geht man davon aus, dass mit der Eucharistie Gemeinde überhaupt erst konstituiert wird, dann ist die Eucharistie der Ursprung und der Katalysator für Nachhaltigkeit schlechthin - und zwar im körperlichen wie auch im geistlichen Sinn.

Zum Bedeutung der Teilhabe im sozialen Kontext gibt es ein paar Gedanken aus zwei Aufsätzen:

"Teilhabe an der Gesellschaft ist für beide Seiten notwendig, für Individuum und Gesellschaft. Isolierte, ausgeschlossene Menschen erfüllen ihre menschlichen Grundbedürfnisse und Möglichkeiten nicht. Ohne die Teilhabe von Individuen kann die Gesellschaft keine sinnvollen allgemeinen Ziele planen und in die Wirklichkeit umsetzen, und es wird unmöglich, Interessen auszubalancieren und allgemein gültige Werte zu definieren. Einer Gesellschaft, die manche soziale Gruppen ausschließt, fehlen konstituierende Teile." ...

"Teilhabe geht von zwei Voraussetzungen aus: Soziale Interaktion und die Gegenwart anderer. Diese Größen sind von besonderem Interesse für alle, die sich beruflich mit Randgruppen oder sozial benachteiligten Gruppen befassen. Das bezieht sich auf Menschen mit Behinderungen, Menschen, die in Armut oder Langzeitarbeitslosigkeit leben und andere. Es besteht ein besonderes Interesse an der Teilhabe älterer Menschen in der Gesellschaft. Das Konzept des aktiven Alterns geht davon aus, dass ältere Menschen aktiv sind, und Aktivität beinhaltet die Teilhabe an verschiedenen sozialen Aktivitäten."
(Tihomir Žiljak, Leiter des Bereichs Lebenslanges Lernen, Entwicklung und EU-Projekte, Public Open University Zagreb, Assistenzprofessor der Politologie, Universität Zagreb, Kroatien, Vorstandsmitglied DANET.)

„Mit anderen und anderen zugewandt leben zu können, andere Menschen anzuerkennen und sich um sie zu sorgen, sich in vielerlei Formen sozialer Interaktion zu engagieren, sich in die Situation anderer einfühlen zu können. Das soziale Grundgefühl von Selbstwert und Würde zu besitzen, fähig zu sein, sich als würdiges Wesen behandeln zu lassen, dessen Wert dem von anderen gleich ist. Das hat zur Folge, dass Diskriminierung aufgrund von „Rasse“, Geschlecht, sexueller Orientierung, Ethnie, Kaste, Religion, Ursprungsnationalität und besonderer Eigenschaften nachhaltig vermieden wird.“ (Nussbaum, 2011: 34)...

"Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass Teilhabe wichtig für das Selbstwertgefühl des Einzelnen, für seine geistige und physische Gesundheit, für ein sinnerfülltes Leben, für Wohlbefinden und Glück ist. Andererseits kann ohne die Teilhabe von Individuen kein zivilgesellschaftliches und politisches Leben ausgebaut werden." (Nussbaum Martha C. (2011). Creating Capabilities: The Human Development Approach, Cambridge. MA: Belknap/Harvard University Press.)

Dieser Gedanke wohnt auch den Texten der Schriftlesungen inne, wenn dort vom Gnadenjahr die Rede ist, das durch materiellen Ausgleich Menschen, die vorher vielleicht ausgeschlossen waren, nun wieder die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichte.

Wenn auch die soziale Teilhabe im Vordergrund zu stehen scheint, so der Tenor doch auch die völlige Teilhabe am Leben der Gemeinde und am Reich Gottes. Und zwar sowohl in der jeweiligen Zeit als auch über alle Zeiten hinweg. Und hier bekommt die Eucharistie zentrale Bedeutung.

Wer Teil hat am Tisch des Herrn, der hat Teil am Leib des Herrn (der Gemeinde) und an der Erlösung durch sein Blut. Dadurch wird er zum einen seiner eigentlichen Bestimmung teilhaftig und zum anderen des Reiches Gottes, der Gegenwart des Herrn in Zeit und Ewigkeit. Noch mehr Erfüllung könnte die Forderung nach Nachhaltigkeit nicht erfahren.

Mögliche Predigt-Gliederung

Nachhaltige Gemeinschaft - durch Versöhnung (im eucharistischen Geschehen)

Nachhaltige Freiheit - durch Teilhabe (an der Eucharistie und am Gemeindeleben)

Nachhaltige Gegenwart Christi - durch Jesu Verheißung (in der Eucharistie präsent zu sein)

Nachhaltiges Leben - durch das Blut (das in der Eucharistie - in Gestalt des Weines - verdeutlicht, dass Jesus durch die Hingabe seines Lebens uns den Weg zum ewigen Leben eröffnet hat.

Impuls zum Gebet

"Das Vaterunser hat eine ganz konsequente Gebetslinie. Sie verläuft von oben nach unter. Sie beginnt bei der Umschreibung Gottes, bittet um das Kommen des Reiches, das gleichsam zwischen Gott und den Menschen liegt und ein Ereignis des Zusammenwirkens von Gott und Menschen ist, von Angebot und Teilhabe. Der rote Faden des Vaterunsers endet schließlich bei Menschen und seinen Bedürfnissen und Abgründen..." (aus: Max Huber: "Dein Reich komme", Verlag Friedrich Pustet)

Das Vaterunser ist das Gebet der Teilhabe, weil jede Bitte ein Gebiet der Teilhabe anspricht:

-   Teilhabe an der Beziehung zu Gott

-   Teilhabe am Reich Gottes

-   Teilhabe an der Gerechtigkeit

-   Teilhabe an der Gemeinschaft durch Versöhnung/Vergebung

-   Teilhabe an der Gnade Gottes

-   Teilhabe an der Erlösung

Liedvorschlag

Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen

1) Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen:
wir sind, die wir von einem Brote essen,
aus einem Kelche trinken, alle Brüder und Jesu Glieder.
2) Wenn wir wie Brüder bei einander wohnten,
Gebeugte stärkten und die Schwachen schonten,
dann würden wir den letzten heil'gen Willen des Herrn erfüllen.
3) Ach dazu müsse seine Lieb uns dringen!
Du wollest, Herr, dies große Werk vollbringen,
dass unter einem Hirten eine Herde aus allen werde.
(Evangelisches Gesangbuch 221, Text: Johann Andreas Cramer 1780, Melodie: Johann Crüger 1640)

Thomas Kohwagner, Lörzweiler

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