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Letzter Sonntag nach Epiphanias / 3. Sonntag im Jahreskreis (21.1.18)

Letzter Sonntag nach Epiphanias / 3. Sonntag im Jahreskreis

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Offb 1, 9-18 Jona 3, 1 - 5.10 1 Kor 7, 29-31 Mk 1, 14-20

Jona 3, 1-5.10

Vorbemerkung: Bitte das ganze dritte Kapitel des Jonabuches vorlesen!

Die Verse 6 – 9 auszulassen wäre ein Vergehen gegen den begnadeten Dichter der Jona-Erzählung und ein Vergehen gegen die Hörer im Gottesdienst. Sie verdienen mehr als nur ein Handlungsgerüst: eine pralle und anschauliche Lehr-Erzählung!

Paraphrase von Jona Kapitel 3

Jona kann, nach seiner misslungenen Flucht, sich Gottes Auftrag nicht mehr entziehen und geht nach Ninive. Aber nicht bis in die Mitte der Stadt, zum Königspalast und zum Haupttempel, sondern nur bis in einen Vorort („er ging einen Tag lang in die Stadt“, man brauchte aber „drei Tage, um sie zu durchqueren“, Verse 3 und 4), und er ruft nur: „Noch vierzig Tage, und Ninive ist zerstört!“ Das ist nun wirklich das Minimum dessen, was Gott von ihm verlangt! Aber das einfache Volk in der verrufenen Stadt Ninive merkt sofort, dass es ihm an den Kragen geht: „Da hilft nur noch ein strenges Fasten!“ Als der König davon hört, setzt er sich mit zerrissenen Kleidern in die Asche und verschärft das Fasten für alle Einwohner des Landes. Sogar alles Hausvieh soll fasten! „Da reute Gott das Unheil, dass er ihnen angedroht hatte, und er führte die Drohung nicht aus.“ Jona 3,10b

Nachhaltigkeitsassoziationen

  1. In gefährlichen Situationen sind klare Ansagen im Indikativ nötig; etwa: „In 20 Jahren ist die schützende Ozonschicht zerstört!“ oder „In 30 Jahren sind Staaten und Gemeinschaften durch den Klimawandel zerstört!“
  2. Das (angeblich oder wirklich) so eigennützige Volk kehrt um, wenn es ihm an den Kragen geht. Es anerkennt seine Vergehen gegen die Umwelt und gegen die anderen Völker und ändert sich (etwa: Änderung des persönlichen Lebensstils; gewaltfreie Konfliktlösungen; Abrüstung und Verwendung des eingesparten Geldes für Bildung und Eindämmung von Hunger und Krankheiten; mehr Rücksicht gegenüber Tieren und Pflanzen).
  3. Die Mächtigen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft („der König“) hören auf das Volk und unterstützen die Umkehr.
  4. Das strapazierte System unseres kleinen blauen Planeten kann sich erholen – die Katastrophen treten nicht ein.

Zu schön, um wahr zu sein? Dann bitte noch das vierte Kapitel des Jona-Buches vorlesen, wo Gott versucht, den nörgelnden Jona umzustimmen.

1 Kor 7, 29 – 31

Kritische Einordnung des Paulus-Textes

Paulus hat zum Thema „Heiraten oder ehelos leben“ kein Gebot vom Herrn (Vers 25), sondern gibt hier den Rat eines vertrauenswürdigen Mannes. Er gibt zwei Gründe an, weshalb die Ehelosigkeit besser sei als die Ehe:

a) „Die Zeit ist kurz“ (v.29) und „die Gestalt der Welt vergeht“(Vers 31).

b) „Die Sorge um die Sache des Herrn“ (Vers 32) ist wichtiger als „die Sorge um die Dinge der Welt“ (Verse 33 und 34). Dazu zählen auch „das Verlangen nach dem anderen“ (Vers 36) und „der Trieb“ (Vers 37).

In den Versen 29 bis 31 weitet Paulus dann diese Einstellung zu Ehe und Ehelosigkeit aus auf die Trauer, das Wirtschaftsleben und den Umgang mit der Welt.

Ich sehe zwei Schwächen in der Argumentation von Paulus:

  1. Paulus geht davon aus, dass „diese Zeit“, in der Gottes Reich noch nicht herrscht, kurz ist („Naherwartung“). Dem widersprechen inzwischen 2000 Jahre menschliche Geschichte.
  2. Paulus sieht keine Möglichkeit, Gottes-Dienst und Welt-Dienst zu vereinbaren. Er sieht nur die Möglichkeit, den Welt-Dienst (Sorge um den Mann / die Frau, die Kinder, das Erwerbsleben ...) in innerer Distanz zu leisten.

Viele Christen sehen und leben das anders als Paulus. Etliche werden als Heilige verehrt, weil sie durch ihren Weltdienst etwas von Gott sichtbar machten.

Nachhaltigkeitsassoziationen

Heute resignieren viele Menschen gegenüber den großen Weltproblemen wie etwa dem Umbau unseres zerstörerischen Wirtschaftssystems. Sie sagen: „Da können wir nichts machen. Das System fährt in Kürze gegen die Wand. Jetzt müssen wir – in innerer Distanz – noch mitmachen bei diesem Treiben. Und können nur hoffen, dass nach dem Zusammenbruch ein Neustart möglich ist.“

Dem kann entgegnet werden: „Woher wisst ihr so genau über die Zukunft Bescheid? Ist die Sorge um die Entwicklung und Änderung dieser Welt nicht der Dienst, den Gott von uns wünscht? Wenn uns diese Aufgaben überfordern, können wir sie nicht dennoch mit Gottes Hilfe anpacken?

„Denn für Gott ist nichts unmöglich“ (Gen 18,14; Ijob 42,2; Mt 19,26; Mk 10,27; Lk 18,27).“

Mk 1, 14 - 20

Hinweis: Zu Mk 1,16-20 „Berufung der ersten Jesus-Jünger“ vergleiche 1 Könige 19,19-21 „Die Berufung Elischas durch Elija“.

Nachhaltigkeitsassoziation

Wer eine gute Botschaft (Eu-angelion) verkündet, reißt Menschen mit sich, reißt sie heraus aus ihrem gewohnten Leben, bewirkt Umkehr.

Gute nachhaltige Botschaften können sein:

-          Gewaltfreie Konfliktlösung ist erfolgreich (s. etwa das schmale Heft „Fünfundfünfzig Erfolge für die Gewaltfreiheit“, kostenlos bestellbar bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ),

-          als Abbilder Gottes sollen und können wir Menschen die Schöpfung bewahren,

-          Gustav Heinemann: „Die Herren dieser Welt kommen und gehen. Unser Herr kommt.“

-          Johannes XXIII.: „Wer glaubt, zittert nicht.“

Michael Strake, Hütschenhausen

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