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Altjahrsabend / Silvester 1. Sonntag nach Weihnachten und Fest der Heiligen Familie (31.12.17)

Altjahrsabend / Silvester
1. Sonntag nach Weihnachten und Fest der Heiligen Familie

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
2 Mose 13, 20-22 Sir 3, 2-6.12-14 (3-7.14-17a)
oder Gen 15, 1-6; 21, 1-3
Hl. Silvester I: Ez 34, 11-16
Kol 3, 12-21
oder Hebr 11, 8.11-12.17-19
Lk 2, 22-40

Hl. Silv.: Mt 16, 13-19

Während im Kalenderjahr die Bedeutung des Tages und Abends eindeutig ist, gilt das nicht gleichermaßen im Hinblick auf das Proprium im jeweiligen Kirchenjahr. Entsprechend differiert der Charakter der Texte, Liturgien und Lieder, sodass bei einer ökumenischen Begehung des Abends Spannungen entstehen können.

2. Mose 13,20-22

Der Abschnitt aus der Erzählung über die Wüstenwanderung bezeugt, dass Israel sich auf dem unbekannten Weg in das Gelobte Land geführt gewusst hat: Was auch kommen mag, der Herr geht mit! Er gibt Orientierung bei Tag und Nacht. Die Botschaft vom mitgehenden Gott ist das Thema für Silvester, wo wir das unbekannte Land eines neuen Jahres betreten. So wie die himmlischen Zeichen Israel getröstet und vergewissert haben, auf dem rechten Weg zu sein, so wird auch uns zugesprochen: Ihr seid nicht allein. Was auch kommen mag – der Herr geht mit. „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Bonhoeffers Gedicht, zum Jahreswechsel 1944/45 im Gestapo- Gefängnis Prinz-Albrecht-Straße geschrieben, spricht von seinem tiefen Glauben im Angesicht niederdrückender Ungewissheit.

Der Silvesterabend ist geeignet für Rückschau. Was hat das vergangene Jahr gebracht: persönlich, für die Gemeinde aber auch politisch und ökologisch. Neben Fortschritten gibt es Rückschritt. Sisyphus lässt grüßen. Resignation liegt nahe, Fatalismus droht. Die Konflikte spitzen sich zu: Klimawandel, Überbevölkerung, Flüchtlingsströme und auf der anderen Seite Ignoranz, kollektiver Egoismus, Fremdenfeindlichkeit. Was können wir tun? Sind wir nicht viel zu schwach? Wir schaffen es nicht, die Konfliktherde zu befrieden und den garstigen Graben zwischen arm und reich zu überwinden. Die Schöpfung zu bewahren – übernehmen wir uns da nicht hoffnungslos? Ist nicht alles, was wir tun – von der Mülltrennung bis zum Stromsparen – nur Kosmetik? Für mich liegt Hoffnung in dem uralten Bibeltext von der Wüstenwanderung. Sicher sollen wir das menschenmögliche tun, uns aber nicht einbilden, wir wären es, die die Schöpfung bewahren. Das kann nur der, der schon immer und so auch in Zukunft Leben schenkt. Auf ihn dürfen wir hoffen- auch im neuen Jahr.

Kolosser 3,12-21

Dieser Text steht in der evangelischen Perikopenordnung als Epistel für Kantate. Er beschreibt das neue Leben, das durch Christus möglich wird. Erbarmen, Freundlichkeit, Demut und Geduld sollen die Kennzeichen dieses neuen Lebens sein. Paulus gebraucht hier das Bild eines neuen Kleides. Im Bild gesprochen sind die oben genannten Eigenschaften eher so etwas wie die Unterwäsche, die man nicht öffentlich vor sich her trägt. Das Obergewand aber sollen alle sehen: „Über alles aber zieht an die Liebe …“. Das ist der spezielle Glanz, den der Apostel empfiehlt -die beste Ausrüstung für den Schritt in ein neues Jahr. Damit dieser Glanz auch wirken kann, gibt Paulus noch ein paar Ratschläge ausder Rubrik Lebenshilfe: Seid friedfertig und dankbar. Das klingt selbstverständlich und wie 1000mal gehört. Doch es ist das Einfache, das schwer zu machen ist. Es menschelt allenthalben, auch in der Kirche. Die von Paulus beschworene Dankbarkeit bleibt auf der Strecke. Unzufriedenheit und Anspruchsdenken prägen vielfach die Stimmung und stehen dem verantwortlichen Umgang mit den Gütern der Schöpfung entgegen. Nur ein demütiger und dankbarer (also nachhaltiger) Umgang mit dem, was uns die Schöpfung schenkt, hat Zukunft.

 Wolfram Hädicke, Köthen

 

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