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2. Adventsonntag (10.12.17)

2. Adventsonntag

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Jes 63, 15-16 (17-19a) 19b; 64, 1-3 Jes 40, 1-5.9-11 2 Petr 3, 8-14 Mk 1, 1-8

Stellung des Jesajatextes der evangelischen Lesereihe im Kirchenjahr

Der Jesajatext der evangelischen Lesereihe enthält die Bitte um Gottes Aufmerksamkeit und seine Theophanie. Damit sich das Heil für Gottes auserwähltes Volk erfüllt, ruft dieses nach dessen „Umkehr“. „Kehr doch bitte wieder um!“ (V17) übersetzt die Einheitsübersetzung. Dieser Ruf überrascht, zumal der Ruf nach Umkehr bei den Propheten meist das Volk Israel adressiert. Der Ruf nach der Umkehr Gottes ist allerdings nicht im Sinne einer Umkehr von Schuld und Sünde, sondern im Sinne einer Hinkehr zu seinem Volk zu verstehen. In der Lutherübersetzung ist dieser Vers deshalb besser mit den Worten „Kehr zurück“ treffender wiedergegeben.

Das Erscheinen Gottes mit all seiner Macht wird ersehnt. Insofern ist der Text am zweiten Adventssonntaggut positioniert und insofern lässt sich die Geburt Christi als Theophaniegeschehen deuten.

„Oh Heiland reiß die Himmel auf“, das bekannte Kirchenlied, bezieht sich auf den Ausspruch Jesajas in Vers 19.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Die Abwesenheit Gottes ist für das Volk Israel die schlimmste Strafe, die er seinem Volk aufbürden kann. Ohne die Gegenwart Gottes inmitten seines Volkes, geht dieses in die Irre.

Papst Franziskus hat in seiner Enzyklika „Laudato Si“ seiner Sorge um das gemeinsame Haus Ausdruck verliehen. Auch im evangelischen Kontext hat er damit eine breite, weitgehend positive Resonanz hervorgerufen. Darin schildert er in den ersten Kapiteln, was unserem gemeinsamen Haus widerfährt. Dabei geht er auf aktuelle Umwelt- und Gesellschaftsprobleme ein, die den Eindruck vermitteln, der Mensch habe vergessen, wem er seine Existenz verdankt. Das technokratische Paradigma brandmarkt er als irreführend und fordert im Sinne einer ganzheitlichen Ökologie die Umkehr des Menschen. „Warum, Jahwe, hast Du uns abirren lassen?“ (V17) Der vorliegende Bibeltext klingt von hier ausgehend wie der Ruf des Menschen, der sich aus den Fängen des selbst geschaffenen, technokratischen Paradigmas zum Wohle einer ganzheitlichen Ökologie nicht selbst befreien kann. Mit der Theophanie einher geht der paradiesische Zustand, in dem Frieden, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit durch die Herrschaft Gottes gewährleistet sind.

Ankündigung, Erfüllung, Wiederkunft - Der Duktus der Textauswahl der katholischen Lesereihe

Der Jesajatextder kath. Lesereihe nimmt Bezug auf die Überwindung des Exils, die Heimkehr der Deportierten und die Wiederherstellung Jerusalems. Die Stimme, die ruft „Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste“ wurde schon früh auf Johannes den Täufer bezogen. Daher passt das erste Kapitel des Markusevangeliums gut zu dieser Bibelstelle. Markus zitiert den Jesajatext aus der ersten Lesung (V3). Der Bezug zu Jesaja weist den von Johannes Angekündigten als den vom Volk Israel ersehnten Retter aus. Er wird mit Wasser und heiligem Geist taufen. Jesus ist somit der von Jesaja verkündete Retter des Volkes Israel, der Messias. Die vorangehende Lesung aus dem 2. Petrusbrief befasst sich mit der zeitlich ausstehenden Parusie. Der Duktus Ankündigung (Jesaja), Erfüllung (Markus) und Parusie (Paulus) liegt der Textauswahl zugrunde. Paulus rechtfertigt das Ausbleiben der Parusie auf zweierlei Arten. Zum einen mit der zeitlichen Dimension. Vor Gott sind 1000 Jahre wie ein Tag und zum anderen mit der Geduld Gottes. Er will jedem Menschen die Möglichkeit geben sich zu bekehren.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Die biblischen Texte spielen mit einer Fülle von Bildern, die der Naturbeobachtung entnommen sind. Wüste, Steppe, Tal, Berg, Hügel, Blume auf dem Feld, verdorren, verwelken, Herde, Weide, Lämmer, und Mutterschafe bei Jesaja.

(Neuer) Himmel, (neue) Erde, Elemente, Feuer bei Paulus und Wüste, Kamelhaare, Honig und Heuschrecken bei Markus.

Wenn man diese Texte liest, überliest man schnell diese Begriffe, doch lohnt es sich, sich ihrer Verwendung bewusst zu werden. Während bei Markus diese Begriffe mit einem suffizienten Lebensstil verknüpft werden, den Johannes vorbildlich oder doch zumindest für seine Leserschaft beeindruckend führt, haben diese Begriffe in den anderen Texten eine andere Aufgabe. Sie sollen dem Leser verdeutlichen, wie radikal die Neuschaffung Gottes sein wird. Sie umfasst nicht nur den Menschen, sondern alles Seiende. Die ganze Schöpfung, Himmel und Erde. Die Elemente, die Kreaturen. Damit wird zugleich der Mensch in den Kosmos eingeordnet, nicht als Gegenüber, sondern als Bestandteil der Schöpfung.Dieser neue Himmel, diese neue Erde sind gekennzeichnet durch die Gerechtigkeit Gottes, die in ihr wohnt und allen Menschen geschenkt wird durch den Glauben an Jesus Christus.

Anregungen für die Predigt

Die Erde als Teil der Schöpfung ist bedroht. Wer mit wachen Augen durch die Welt geht, kommt an der Erkenntnis nicht vorbei, dass die Natur unter der Gattung Mensch leidet wie nie zuvor. Aber auch der Mensch selbst leidet am Menschen. Der Glaube schenkt uns die Verheißung, dass es einen Retter gibt, der am Ende alles zum Guten wenden wird. Auf diesen Retter warten wir. Die Zeit des Advents macht uns dafür in einer besonderen Weise nochmal sensibel. Wie ernst nehmen wir den Glauben an die Wiederkunft Christi heutzutage noch? Vertrauen wir den Worten, dass er kommen wird und alles neu machen wird? Oder haben wir uns bereits damit abgefunden, dass es vielleicht doch nur eine leere Verheißung ist? Kann uns der Verweis des Paulus auf die Überzeitlichkeit Gottes ernsthaft trösten?

Was bleibt in der Zwischenzeit zu tun? Die biblischen Texte geben hierauf ein paar Antworten: „Tröstet, tröstet mein Volk!“ ruft Jesaja. Den in Hoffnungslosigkeit versunkenen Trost zusprechen, ist demnach eine Aufgabe für uns Christen. „Dem Herrn den Weg bahnen“ eine andere. Alles für seine Wiederkunft vorbereiten. Mit anderen Worten: das Reich Gottes, so gut wir es vermögen, mit aufzubauen. „Heilig und fromm leben“, „den Tag Gottes erwarten und seine Ankunft beschleunigen“ und uns bemühen „ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden.“ Mit anderen Worten in christlichem Sinne: „nachhaltig“ zu leben.

Steffen Glombitza, Blieskastel

Quellen:

- Einheits - und Lutherübersetzung

- Stuttgarter Neues und Altes Testament

 

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