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1. Adventsonntag (3.12.17)

1. Adventsonntag

ev. Predigttext kath. 1. Lesung kath. 2. Lesung kath. Evangelium
Offb 5, 1-5.(6-14) Jes 63, 16b-17.19b; 64, 3-7 1 Kor 1, 3-9 Mk 13, 33-37
oder Mk 13, 24-37

Endzeitstimmung. Die eschatologisch-apokalyptischen Texte scheinen auf die verzweifelte Perspektiveder Menschen zu antworten, die sich aus den Ergebnissen der Forschungen zu Erdsystemanalyse und Klimawandel wie auch aus ihren Erfahrungen von Ungerechtigkeit und Unfriede ergibt. Doch ist es bekanntlich viel zu spät, um pessimistisch zu sein.Perspektivwechsel praktisch heißt, im Sinne der 17 „Nachhaltigen Entwicklungsziele“(SDGs) zu handeln, die bei der UN-Generalversammlung 2015 von 193 Staaten verabschiedet wurden.

Adventsstimmung. Am ersten Advent stimmenChristinnen und Christen in das Gebet der Didacheein „Es komme die Gnade und es vergehe die Welt“ (Did 10,6), denn „die Welt“ ist das Imperium Romanum, das Reich des Antichristen, das den Einsatz für eine gerechte und lebenswerte Welt torpediert. Christinnen und Christen erwarten den, der das überwindet.

Offb 5, 1-5.(6-14)

Es wäre traurig, würde es dabei bleiben, dass niemand gefunden wird, das Buch mit den sieben Siegeln aufzutun. Doch der Messias, der Gesalbte Gottes, wird das Buch auftun (Apk5,5). Das ist die Hoffnung, auf die Christinnen und Christen setzen. Denn es kann und darf mit den Katastrophen im ganz normalen Leben nicht so weitergehen. Alle Hoffnung geht auf den kompletten Abbruch der Geschichte, die Menschen zum Weinen bringt.

Daher „weine nicht!“, sondern setze Dich für Frieden und Gerechtigkeit ein, d.h. eine Gesellschaft, in der Hassreden und übersteigerter Nationalismus keine Chance haben. Es geht um die Ächtung aller Arten von Gewalt und der damit zusammenhängenden Toten. Es geht um ein Ende von Missbrauch, auch sexuellem Missbrauch, der Gewalt an Männern, Frauen, Kindern, direkte Gewalt aber auch strukturelle, wiez. B. durch wirtschaftliche Ausbeutung.

Derzeit geht beispielsweise weltweit rund eine Billiarde Euro durch Korruption und Steuerhinterziehung verloren, d.h. die Summe, von der die Menschen gut leben könnten, die aktuell mit rund einem Euro pro Tag oder weniger auskommen müssen. (vgl. SDG 16 zu Frieden, Gerechtigkeit und effektive, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen)

Jes 63, 16b-17.19b; 64, 3-7 (ggf. zu ergänzen Vers 11)

Gott möge den Menschen wieder nahe kommen. Denn Gott ist fern. Daher singen die Menschen ein Klagelied. Sie wissen, dass seine Ferne eine Konsequenz ihrer Ferne von Gott ist. Sie haben gefehlt gegen Gott, Gott hat gerichtet, sich zurückgezogen. Gott schweigt (s. Jes 64,11).

Sprachlos macht, dass mehr als drei Erden gebraucht würden, wenn alle Menschen auf der Welt so viele Ressourcen verbrauchen würden wie Menschen in Deutschland. „Alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. Wir sind alle verwelkt wie die Blätter“ (Jes 64, 5).Wie kann es ein gutes Leben für alle geben?

Die Nachhaltigkeitsziele geben vielfältig Anhaltspunkte, um sprachfähig zu werden. Mit dem Ziel 12 zu einem „verantwortungsvollem Konsum“ lässt sich für den Wandel zu einer Wirtschafts- und Lebensweise werben, der die natürlichen Grenzen unseres Planeten respektiert. Menschen können sich für die Verbesserung der Umwelt- und Sozialstandards z.B. in der Textilindustrie einsetzen, das beginnt mit ihrem Kaufverhalten. Kein Mensch hat ein Recht auf ein billiges T-Shirt. Wer will schon ein „beflecktes Kleid“?

Menschen sollten dazu nicht schweigen, sondern einstimmen in das Lied des dritten Jesaja mit der Bitte, dass Gott den Himmel zerreißen und herabfahren möge - ein wohltuender Gott für die, die auf ihn warten (Jes 64,3).

1.Kor.1, 3-9

Paulus dankt für den Reichtum an Lehre und Erkenntnis, für den Reichtum an Gnadengaben in der Gemeinde. Das wird die Gemeinde bis zur Wiederkunft Christi fest erhalten.

Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten 10 Jahre lassen begründet vermuten, dass das Erdsystem tiefgreifend unumkehrbar destabilisiert ist. Der Mensch hat die Erde nicht nur mit Verfahren, Methoden und Werkzeugen geophysikalisch umgestaltet, er ist selbst zu einem solchen Werkzeug geworden. Im Übereinkommen von Paris 2015 wird die „Zwei-Grad-Grenze“ globaler Erderwärmung gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung genannt, die nicht überschritten werden dürfe. Gewährleisten wir eine inklusive, gerechte und hochwertige Bildung (SDG 2), um den Übergang ins Solarzeitalter (vgl. SDG 7) zu gestalten.

Mk 13, 33-37/ Mk 13, 24-37

Die sogenannte kleine Apokalypse des Markus spricht von der großen Apokalypse. Sie enthüllt die Katastrophe, die sich ereignen wird. Sie klärt die eschatologischen Geheimnisse und vermittelt die zentrale Verhaltensregel: Seid wach, wacht nun!

Es ist nicht ein untätiges Wachen, um das es geht. Menschen wird Verantwortung zugeeignet (Mk 13, 34). Der Kyrios gibt einem jeden und einer jeden seine und ihre Arbeit.

Das Nachhaltigkeitsziel „Gute Arbeitsplätze und wirtschaftliches Wachstum“ (SDG 8) zielt auf ein nachhaltiges und inklusives Wirtschaftswachstum weltweit, mit dem genügend Arbeitsplätze und menschenwürdige Arbeitsbedingungen verknüpft sind.Es gibt Volkswirtschafterinnen und Volkswirtschaftler, die prophezeien, dass die Rede vom Wirtschaftswachstum sich ausgewachsen hat. Modelle alternativen und solidarischen Wirtschaftens können praktiziert werden wie Tauschbörsen, Umsonstläden, Lebensmittelkooperativen, Regionalwährungen, Gemeinschaftsgärten, solidarische Wohnprojekte u.v.m.

Sind wir wach genug, dass wir die täglichen Konsequenzen westlichen Wirtschaftens für die Zweidrittelwelt wahrnehmen? Verschließe ich nicht die Augen davor, dass mein Lebensstilnur auf Kosten anderer Kontinente möglich ist?

„(Nach Rom) wird herbeigeschafft, aus jedem Land und jedem Meer, was immer die Jahreszeiten wachsen lassen und alle Länder, Flüsse und Seen sowie die Künste der Griechen und Barbaren hervorbringen… Was nämlich bei den einzelnen Völkern wächst und hergestellt wird, ist notwendigerweise hier stets vorhanden, und zwar im Überfluss,… in solchen Mengen, dass man vermuten könnte, für die Menschen dort seien fortan nur kahle Bäume übrig geblieben und sie müssten hierher kommen, um ihre eigenen Erzeugnisse zurückzufordern, wenn sie etwas davon bräuchten.“ (Aelius Aristide, Romrede 11-13; 155 n.Chr.)

Anja Vollendorf, Düsseldorf

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