wieviel

Handlungsebenen

Schwerpunktthema Verwundbarkeit: Handlungsebenen

Spenden

Die Corona-Pandemie hat in den Monaten seit März 2020 die Verwundbarkeit der weltweiten Sozialgefüge eindringlich gezeigt. Am stärksten betroffen sind wieder die Ärmsten der Armen, deren Arbeit und Einkommen ohne jede soziale Absicherung wegbricht. Die doppelte Dramatik besteht darin, dass auch das Spendenaufkommen für die kirchlichen Hilfswerke weniger wird, die sich für die Ärmsten der Schöpfung rund um die Erde traditionell und oft als Einzige einsetzen. Das darf nicht sein!

Wer in seinem persönlichen Umfeld keinen Ansatzpunkt findet oder mehr machen möchte, kann mit einer Spende an die kirchlichen Hilfswerke viel erreichen. Brot für die Welt, Misereor und andere setzen sich dafür ein, dass bei Krisen und menschlich-sozialen Katastrophen a) unmittelbare Hilfe erfolgt und b) sich Strukturen zum Besseren hin verändern, nicht nur während der Corona-Pandemie, sondern auch davor und danach.

 


Gemeindeebene - Bistums- und Landeskirchenebene - Konsum, Ressourcen - politische Ebene

Predigt und allg. Kommunikation: auf der Gemeindeebene

Das zentrale Problem bei der Verwundbarkeit der Schöpfung und der schützenden sozialen Strukturen ist, dass zu wenig darüber geredet wird. Wissenschaftlich ist die Verwundbarkeit unübersehbar. Die ökologischen, sozialen und ökonomischen Selbstheilungskräfte erreichen vielfach ihre Grenzen. Aber es wird so getan, als habe die Weltgesellschaft die Entwicklung im Griff: Alles eine Frage der Machbarkeit ...

Machbarkeitswahn verträgt sich nicht mit dem Wissen über die Verwundbarkeit der Strukturen.

Das Reden über Verwundbarkeit muss ebenso wie das über erwünschte und unerwünschte Machbarkeit im öffentlichen Diskurs vertraut und üblich werden! Die Kommunikation in den Kirchen und um die Kirchen, die der Kirchlichen Hilfswerke und nicht zuletzt die Predigt können Akzente setzen. Die Anerkennung der Verletzlichkeit der Wirtschaftssysteme im Kleinen und im Großen, der Blick auf die Vernetztheit, auf globale Lieferketten hilft (nicht nur angesichts der Corona-Pandemie), sich an den Begriff Verletzlichkeit zu gewöhnen, mit ihm vertrauter zu werden. Ob arme Kleinbauern in Südamerika oder Automobilkonzerne in Deutschland ... Aus Verwundbarkeit und Machbarkeit entsteht das geschuldetete Handeln: mir und dem / der Nächsten geschuldet (ob fern oder nah), der Gerechtigkeit und dem christlichen Glauben geschuldet, der Ebenbildlichkeit und der menschlichen Weisheit geschuldet.

Die Schöpfung ist verwundbar. Es geht darum, diese Verwundbarkeit in unserem Denken und Handeln als Hintergrund für Machbarkeit zu verankern. Dazu dienen Gespräche in den verschiedenen Gruppen der Gemeinde, in der Erwachsenenbildung, im Freundeskreis außerhalb der Kirchengemeinde, durchaus auch beim Einkaufen, und die Sonntagspredigt.

 

Predigtimpulse des Kirchenjahres 2019/20, die sich direkt mit dem Thema Verwundbarkeit auseinandersetzen:

24.12.19 Heilig Abend (Martin Domke, Ev. Kirche von Westfalen): Verwundbarkeit im Zentrum der Geschichte von Bethlehem

23.02.20 Quinquagesimae - Estomihi / 7. Sonntag im Jahreskreis (Annette Muhr-Nelson, Ev. Kirche von Westfalen): Misshandlung, Leiden, Verbundenheit mit der ganzen Schöpfung, Recht auf Unversehrtheit, Mobbing und Ausbeutung in Verbindung mit Blindheit - gegenüber der Schuld / dem geschuldeteten Handeln

1.03.20 1. Fastensonntag, Invokavit (Elisabeth Schmitter, Bistum Rottenburg-Stuttgart): Sündenfall - Verletzung der Vertrautheit / des Vertrauens; Ökol. Krise - die Verletzung der Schöpfung und des Schöpfers; Jesus als "neuer Adam" und Heiler der Verletzungen und des Vertrauensverlusts

5.04.20 Palmsonntag (Predigt von Weihbischof em. Dr. Paul Wehrle, Erzbistum Freiburg, veröffentlicht im "Konradsblatt"): Verwundbarkeit angesichts des Corona-Virus; Palmsonntag als symbolisches Tor zu neuem Handeln, als anschauliches Angebot zur Um- und Neuorientierung (PDF-Datei 30 kB)

9.04.20 Gründonnerstag (Eckhard Raabe, Bistum Rottenburg-Stuttgart): Fußwaschung als Zeichen der Verwundbarkeit / Verletzlichkeit; Abendmahl als Begegnung von Heil und Verwundung; Wunden des Lebens, der Menschheit zugefügt

11.06.20 Fronleichnam (Christoph Schmitt, Bistum Rottenburg-Stuttgart): Reflexionen zum Thema Verwundbarkeit mit Bezügen zu wiss. Arbeiten und zur Kunst; eigene Verwundbarkeit annehmen, Leben in Zerbrechlichkeit als Gabe erkennen u.v.m

26.07.20 7. Sonntag nach Trinitatis / 17. Sonntag im Jahreskreis (Ralf Lange-Sonntag, Ev. Kirche von Westfalen): Die Verletzlichkeit führt in der Realität dazu, dass es Verletzte gibt, dass Verletzungen stattfinden, das verletzt den Willen Gottes; Gastfreundlichkeit vs. MigrantInnen, Gefangene, Misshandelte; Passivität als Sünde; Billigflüge und Billigfleisch als Akt der Verletzung

02.08.20 8. Sonntag nach Trinitatis / 18. Sonntag im Jahreskreis (Dr. Willi Knecht, Bistum Rottenburg-Stuttgart): den notleidenden Nächsten zu entdecken gelingt, wenn das Wort Jesu verstanden wurde; Teilen als Königsweg gegen Hunger; Verletzung der Menschenwürde durch Hunger


Suchbegriffe für weitere themenrelevante Predigtimpulse: Verletzbarkeit, Verletzlichkeit, verletzen, Verwundung, Wunde ...

 

Die Möglichkeiten in den Gemeinden beschränken soich jedoch nicht auf das Reden, obwohl das schon sehr viel wäre. Sensibilität für Verletzte und Verletzlichkeit im eigenen Umfeld gilt es zu leben und für andere erlebbar zu machen. Dabei dürfen Achtsamkeit und Sensibilität über den Kreis der Mitglieder der eigenen Gemeinde hinausweisen, wie Jesus gezeigt hat.

 

Nachhaltigkeit / Initiativen auf Bistums- und Landeskirchenebene

Exerzitien: Das Anbieten und Wahrnehmen von Exerzitien rückt die Verwundbarkeit über die eigene, persönliche Verwundbarkeit in den Blick. Ressourcen sind begrenzt. Es gilt nicht (nur), die Ressourcen wieder herzustellen, sondern sich der eigenen Verwundbarkeit bewusst zu werden und darüber auch der Verwundbarkeit von allen Anderen fern und nah. Besinnung ist Heilung.

(Fortsetzung folgt)

 

Konsum / Ressourcen - ¦ - Corona / Covid-19

Viele Verletzungen sind Ergebnisse einer Form des Lebens und Wirtschaftes, die auf die Anhäufung von Privateigentum und Maximierung von Gewinnen abstellt. Die Welt vor der Corona-Krise und erst Recht die Welt in der Corona-Krise lässt die Verletzlichkeit der Wirtschafts- und Sozialsysteme erkennen, ganz gleich, ob in den Industriestaaten oder Entwicklungsländern. Die Initiative „Anders wachsen", gegründet in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens in Leipzig nimmt sich dieses Themas seit 2011 an und erarbeitet tragfähige und gerechte Alternativen des Wirtschaftens.
 
(Fortsetzung folgt)

Nach oben