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Schwerpunktthema 2021/22 "frei - fair - handeln"

Das jährliche Schwerpunktthema bietet zusätzliche Hintergrundinformationen zum Zusammenhang "Kirche, Christsein und Nachhaltigkeit". Die Predigtimpulse des jeweiligen Kirchenjahrs selbst sind nicht an das Schwerpunktthema gekoppelt.

frei - fair - handeln
Schwerpunktthema im Kirchenjahr 2021/2022

welternaehrungUnser aktuelles Schwerpunktthema nimmt - neben so genannten Freihandelsabkommen - auch freies und nicht immer faires Handeln im Allgemeinen in den Blick. Mehr dazu erfahren Sie in den nachfolgenden Textboxen. Setzen Sie sich bitte in Ihren Gemeinden oder in anderen Gruppen mit den aufgeführten Themen auseinander und schreiben Sie uns, welche Aspekte ergänzend beleuchtet gehören!

Earth Overshoot Day am 28. Juli: Bereits Mitte des Jahres hatte die Weltbevölkerung im Jahr 2022 die Ressourcen verbraucht, die die Erde in einem Jahr erneuerbar zur Verfügung stellt. In Deutschland und in der Schweiz lag der Erdüberlastungstag bereits im Mai. Wenn alle so leben würden wie wir, wäre es also noch schlimmer! »Frei - fair - handeln« möchte an dieser Stelle die Aufmerksamkeit auf die Fairness gegenüber nachfolgenden Generationen lenken, ganz besonders aber auch daran erinnern, dass dieser vermeintliche bzw. fragwürdige »Wohlstand« der reichen Länder zudem auf Kosten der armen Länder geht - christlich und ökologisch doppelt unvertretbar.

WeihbischofLohmann H213Grußwort von Weihbischof Rolf Lohmann

(Vorsitzender der Arbeitsgruppe für ökologische Fragen der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz)

Ich freue mich über die Gelegenheit, ein Grußwort an die Nutzerinnen und Nutzer von nachhaltig-predigen.de zu richten. Zunächst möchte ich allen an diesem Projekt Beteiligten, insbesondere den Autorinnen und Autoren der Predigtanregungen, sehr herzlich für ihren Einsatz danken. Die Plattform ist ein gutes Beispiel, wie Schöpfungsspiritualität in der Verkündigung und liturgischen Praxis der Kirche verortet werden kann. Sie kann somit auch ein Beitrag sein, die „Handlungsempfehlungen zu Ökologie und nachhaltiger Entwicklung für die deutschen (Erz )Diözesen" umzusetzen, die die Deutsche Bischofskonferenz im Herbst 2018 veröffentlicht hat.

Das Schwerpunktthema von nachhaltig-predigen.de im Kirchenjahr 2021/2022 lautet „frei – fair – handeln". Gerne steuere ich zu diesem großen Themenkomplex einige Gedanken bei – teils auch in Form offener Fragen, denn in vielen Fällen gibt es keine einfache Antwort. (...)

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Annika Rach, Brot für die WeltSprache der Gerechtigkeit

Annika Rach (Brot für die Welt) veröffentlichte anlässlich der Klimakonferenz in Glasgow im November 2022 einen Blog-Beitrag zur Klimagerechtigkeit. Ihr Artikel macht darauf aufmerksam, dass der Klimawandel unter unterschiedlichen Aspekten betrachtet und besprochen werden kann - gewissermaßen der Sprachcode für die jeweilige Debatte. Hier ist auch die Brücke zu unserem Schwerpunktthema »frei - fair - handeln« zu finden. Eine »Sprache der Gerechtigkeit« beginnt, wenn statt von CO2-Zielen von Klimagerechtigkeit gesprochen wird. Das »Ökumenische Netzwerk Klimagerechtigkeit« nimmt sich des Themas an.

Gesucht und für die Fairness dringend erforderlich ist eine Sprache der Heilung, die die Beziehungen zu anderen Völkern, deren Kultur und zur Natur und ihren Ressourcen wieder in den Vordergrund rückt. Dazu gehört auch, die Beziehung zu mir selbst wieder herzustellen, die Heilung im inneren Dialog. Der Mensch ist dafür gemacht, sich den Herausforderungen zu stellen und die Welt zu heilen. Anders ist es nicht möglich, sich zu verwirklichen und glücklich zu werden - so der christlich-ethische Ansatz. Wie kann diese globale Sprache der Gerechtigkeit funktionieren?

Fair handeln — verhandeln

Auf der Weltklimakkonferenz in Glasgow (COP 26) im November 2021 war zu hören, dass zwar mehr Vertreterinnen und Vertreter indigener Gruppen und aus den Ländern des Globalen Südens zu den Verhandlungen zugelassen waren und zu Wort kamen. Allerdings fühlten sie sich selbst oftmals als »Exoten« im Verhandlungsumfeld wahrgenommen. Zwar ist "fair handeln" ohne zu verhandeln nicht möglich, aber fair zu handeln bedeutet auch, auf Augenhöhe zu verhandeln und Macht nicht gegen Schwächere auszuspielen.

Jorge Mario Bergoglio, der spätere Papst Franziskus, bezeichnet in seinem 2014 erschienenen Buch »Korruption und Sünde« ein System als korrupt, sobald eine Art von Verschwörung zustandekommt, die ihre Regeln selbst bestimmt und sich von höheren moralischen Ansprüchen frei gemacht hat. Charakteristische Merkmale von Korruption sind Selbstgerechtigkeit und ein gewisser Triumphalismus aus dem jeweiligen Machtbewusstsein heraus.

Vernünftiger Konsum ...

... ist der Hebel, der den meisten von uns zur Verfügung steht. Unabhängig von den Inhalten der vielen Freihandelsabkommen steht uns weitgehend frei, mit dem eigenen Konsum fair zu uns selbst zu sein. Unser Gewissen sagt uns, wenn wir ehrlich und fair zu uns selbst sind, welcher Konsum vor uns und vor anderen (indigene Kleinbauern ebenso wie die nachfolgenden Generationen) überhaupt noch vertretbar ist.

Gerade vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs rückt der vernünftige Konsum drastisch in den Blick. Sich in eine solche Abhängigkeit von russischen und anderen Energieressourcen zu bringen wie in den vergangenen Jahren in Deutschland und allgemein in der EU, kann nicht mehr als »vernünftig« bezeichnet werden. Die Erkenntnisse aus dem gegen die Ukraine und gegen die Menschlichkeit und Menschenrechte angezettelten Krieg weisen in dieselbe strategische Richtung wie die drängenden Erfordernisse des Klimaschutzes: Die Nachfrage nach Energie in den Industriestaaten drastisch zu verringern und fossile Energieträger konsequent durch regionale und erneuerbare Energiequellen zu ersetzen.

Ihre Redaktionsgruppe
11.08.2022

Ukraine-Krieg

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Der militärische Angriff der russischen Staatsführung auf die Ukraine im Februar 2022 rückt das Schwerpunktthema "frei - fair - handeln" in ein völlig neues Licht.

Auch dass der Krieg aufgrund der Blockade ukrainischer Getreidelieferungen auch als Hungerkrieg gegen ärmere Länder in Afrika geführt wird, lässt über »freies Handeln« und »Fairness« nachdenken.

bfdw60zum Spendenaufruf Ukraine-Hilfe

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Freihandelsabkommen

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Freihandelsabkommen werden zwischen zwei oder mehreren Ländern mit dem Ziel geschlossen, den internationalen Handel zu erleichtern. Vielen sind noch die leidenschaftlichen Diskussionen um die Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) zwischen der EU und den USA in Erinnerung.

Bei Freihandelsabkommen entfallen Zölle und Handelsbeschränkungen zwischen den beteiligten Partnern. Die Folge ist ein erhöhter Warenumsatz, dessen Sinn heute unter sozialökologischen Gesichtspunkten durchaus fragwürdig ist.

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EU-Taxonomie

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Sind Erdgas- oder Atom-Kraftwerke auf einmal »nachhaltig« — trotz Klimawandel und radioaktiver Abfälle, trotz der Gefahr eines Super-GAU und trotz des Kriegs in der Region um Tschernobyl in der Ukraine?

timoluthmannDarüber wird in der EU - seit den Präsidentschaftswahlen in Frankreich 2022 - aktuell wieder gestritten.

Eigentlich war doch längst alles klar ...!

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Lieferkettengesetz

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Eine Voraussetzung für die Beurteilung der Fairness im internationalen Handel und Warenverkehr ist die Kenntnis der Lieferketten bis zum fertigen Produkt. Ein wichtiger Meilenstein dafür - unterstützt durch die kirchlichen Hilfsorganisationen - ist das Lieferkettengesetz, das im Juni 2021 im Deutschen Bundestag noch unter Dr. Gerd Müller, damaliger Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, verabschiedet wurde.

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Covid-19 / Corona

Covid-19 bzw. die Corona-Pandemie, die seit 2020 das Leben auf der Erde prägt, hatten bereits im Kirchenjahr 2020/21 in unser Schwerpunktthema »Abgebrannt!« Eingang gefunden.

Der Umgang mit der Pandemie, besonders bei der medizinischen Unterstützung des globalen Südens im Allgemeinen und mit Corona-Impfstoffen im Besonderen in den zurückliegenden Jahren führt dazu, dass das Thema auch bei »frei - fair - handeln« wieder in den Fokus rückt.

Wer die Meldungen in den Medien verfolgt hat, konnte leicht feststellen, dass dabei global zwar das Prinzip der Freiheit, aber nicht das Prinzip der Fairness zum Tragen kam.

Eine christliche Perspektive tut not.

 

 

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Sprache und Räume

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BlueZone400

»Klimagerechtigkeit« ist nur ein Punkt von vielen! Fairness braucht eine Sprache und geschützte Räume zur Entfaltung.

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