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Corona-Pandemie

Corona-Pandemie 2020-2021


kai-pilger-bmf2bsv3Mw8-unsplash 600Im Dezember 2019 wurden die ersten Krankheitsfälle im chinesischen Wuhan bekanntgegeben. Ende Januar 2020 wurden die ersten Ansteckungen in Deutschland bekannt. Im März 2020 wurde wegen der schnellen Ausbreitung des Virus der erste Lockdown beschlossen. Nach dem ersten Rückgang der Ansteckungen im Sommer kam es ab August 2020 zu einem erneuten Anstieg, der zum zweiten Lockdown ab Oktober 2020. Zu ersten Impfungen kam es ab Ende Dezember 2020. Die weitreichenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens wurden erst seit Mai 2021 in kleinen Schritten wieder zurückgenommen.

Gewinner und Verlierer

alana-harris-TcpYjs6qF9o-unsplash 400Bei aufmerksamer Betrachtung gibt es bei einer Pandemie keine Gewinner. Es gibt zu viel Leid, das durch Krankheit und Tod ausgelöst wird. Menschen verlieren ihre Arbeitsplätze, Familien ihre Existenzgrundlage. Das ist für sich genommen schlimm, aber mit den sozialen Sicherungssystemen im Mitteleuropa mit Kurzarbeitergeld und finanziellen Unterstützungen für Unternehmen doch noch vergleichsweise erträglich. Zwar sanken die Gewinnerwartungen teilweise deutlich, unter anderem in der Gastronomie, aber es gibt auch Wirtschaftsbereiche, die gerade in der Pandemie besonders gut verdient haben. Dazu gehören neben der IT-Branche der Versandhandel, Bau- und Supermärkte, aber auch Radwerkstätten und Heizungsbauer.

csm Corona-Hilfe 9229bd7b8bGanz anders sieht es in den Ländern dieser Welt aus, in denen es keine soziale Absicherung für Beschäftigte und Familien gibt. In vielen Regionen Lateinamerikas sind fast die Hälfte der Beschäftigten nicht registriert oder arbeiten informell. Ihnen droht das Elend, sie haben Angst vor Hunger.

Wenig Geld heißt wenig Schutz vor Covid-19.

Impfstoff-Handel benachteiligt arme Länder: Das Coronavirus erfordert weltweite Impf-Gerechtigkeit.

Die AHA-Grundregel (Abstand - Hygiene - Alltagsmaske) benötigt materielle Ressourcen.

 

Haase SL20180129a0773 b 600Dazu einige detaillierte Hintergrundinformationen von Mareike Haase, Brot für die Welt:

"Durch die Corona-Pandemie werden überall auf der Welt soziale Ungleichheiten sichtbarer. Am schlimmsten sind die Folgen der Pandemie dort, wo das Virus auf schwache Gesundheitssysteme trifft, wo es schon vor der Pandemie an Personal mangelte, nicht ausreichend wirksame Medikamente oder kaum Gesundheitseinrichtungen gab. Vielerorts sind Menschen zudem durch armutsbedingte Lebensbedingungen gefährdeter für das Virus – weil sie mangelernährt sind und dadurch ihr Immunsystem geschwächt ist oder weil sie auf engsten Raum leben und arbeiten und sich kaum vor einer Ansteckung schützen können. ...

Warum ist es in ärmeren Ländern bislang nicht gelungen, eine robuste Gesundheitsversorgung aufzubauen? ... Neben knappen nationalen Geldern und einer falschen Prioritätensetzung hat auch die internationale Entwicklungszusammenarbeit nicht auf nachhaltige Strukturen gesetzt. ... Gesundheitssysteme müssen so gestaltet werden, dass die Regelversorgung und die Reaktion auf Gesundheitskrisen gewährleistet ist.

Vorher muss es aber gelingen die Pandemie überall einzudämmen. Neben den allgemeinen Schutzmaßnahmen, dem Testen und der Nachverfolgung und Behandlung von Infektionen, ist die vielversprechendste Methode die Impfung. ... Tatsächlich sind jedoch 75% der Impfstoffe in nur zehn Länder gelangt, vor allem die USA, China und die Europäische Union. ..."

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Gedanken und Texte aus den Partnerbistümern und -landeskirchen zum Thema "Abgebrannt!" bzw. Corona


Dr. Frank Hennecke (Bistum Speyer, 11. Sept. 2020): "Der Brand"

Sommer 2020: Kalifornien, die gesamte Westküste der USA brennt, Sibirien brennt, Amazonien brennt, gleich mehrfach, ja, auch das Flüchtlingslager in Moria auf der griechischen Insel Lesbos brennt und im Hafen von Beirut im Libanon ist nach der Explosionskatastrophe erneut ein Brand ausgebrochen. Sibirien brennt schon seit Jahren, in Kalifornien häufen sich die Brände ebenfalls seit Jahren, der Brand von Australien ist noch in Erinnerung. Die Welt brennt. Die Ursachen der Brände mögen jeweils unterschiedlich sein, in Kalifornien eine notorische Trockenheit, in Sibirien der Klimawandel, in Amazonien böswillige Umweltzerstörung, und ansonsten gar Brandstiftung. Die Folgen sind die gleichen: Menschen kommen zu Tode, ganze Siedlungen werden zerstört, zahllose Tiere und Pflanzen gehen zugrunde, ganze Ökosysteme werden vernichtet. Die durch die Medien übermittelten Bilder, allein schon die Vorstellung erwecken Entsetzen, Verzweiflung und maßlose Trauer, und wo es am Platze ist, auch Wut. Der Brand ist ein Teil der globalen Umweltzerstörung auf terrestrischen Systemen, die aus anderen Gründen auch vor den Weltmeeren als aquatischen Systemen nicht haltmacht.

Wie gehen wir damit um? Auf der Ebene der akuten Hilfe suchen wir zu retten, was zu retten ist; an Unterstützung der bedrohten Länder und Orte braucht es nicht zu fehlen. Auf politischer Ebene versucht eine internationale Umwelt- und Klimapolitik die klimatischen Ursachen der Brände zu mindern, immerhin, aber bislang mit wenig Erfolg und sofern überhaupt auf klimatische Ursachen eingewirkt werden kann. Sanktionen gegen die bewußte Umweltzerstörung in Brasilien oder sonstwo auf der Welt mögen vielleicht eine Umkehr bewirken. Das mag alles seinen Weg nehmen.

Soweit der Brand menschengemachte Ursachen hat oder auf mutmaßlich menschengemachte Ursachen zurückgeht, bleibt es Aufgabe der Politik, auf allen Ebenen gegenzusteuern. Und es ist Auftrag der Kirche und sittliche Pflicht der Christen, zur Bewahrung der Schöpfung beizutragen, mit welchem Vermögen auch immer. „Bewahrung der Schöpfung" ist seit langem theologisch begründet.

Das Ausmaß der gleichzeitigen globalen Brandkatastrophen scheint indes alle bisherigen Ereignisse in der Menschheitsgeschichte zu übertreffen. Und als ob der Brand nicht schon genug an Leben zerstörte, kommt die nächste Hiobsbotschaft von der weltweiten Umweltorganisation „World Wide Fund For Nature (WWF)": Seit 1970 seien 68 % der Tierbestände in der Welt zurückgegangen, in Süd- und Mittelamerika gar 94 %. Dort ist von „Totalausfall" die Rede. Es ist bestürzend. Und da tröstet es wenig, aber auch ein bißchen schon, daß in unberührten Regionen etwa der Tiefsee immer wieder neues Leben entdeckt wird.

Doch der Brand ist nicht die einzige Heimsuchung der Menschheit in diesem Jahr: Der Corona-Virus greift immer noch mit tödlichen Folgen um sich, weltweit.

Krieg, Feuer, Hungersnot und Seuchen haben früher schon das Schicksal der Menschen bestimmt. Keine dieser Plagen ist vorüber. Nur haben die hedonistischen Wohlstandsgesellschaften, wo immer es solche auf der Welt gibt, diese Heimsuchungen vergessen, nicht mehr für möglich weil für überwunden gehalten, weil sie einige Zeit davon verschont geblieben sind. Jetzt aber schlägt das Schicksal wieder zu. Die Brandkatastrophen und die Seuche treffen die industrialisierten Wohlstandsgesellschaften mitten ins Herz, mag auch Deutschland bislang weitgehend verschont worden sein. Die Welt ist durchindustriealisiert: Die Vorteile kumulieren in den sozial und infrastrukturell entwickelten Ländern, die Nebenwirkungen und Abfallprodukte der Weltindustrie treffen in Krisenzeiten dort am härtesten, wo das Zivilisations- und Lebenshaltungsniveau am niedrigsten ist. Auch das gehört zum Unglück.

Früher war man mit der Erklärung leicht bei der Hand: Die Heimsuchungen galten als Strafe Gottes für die Untaten der Menschen. Heute ist klar: Es bedarf der Strafe Gottes nicht, damit die Heimsuchung über die Menschheit kommt; es sind die Untaten selbst, die das Unheil herbeiführen, mögen auch noch Schicksal und unbeherrschbare Naturgewalt hinzukommen. Und was Unschuldige dahinrafft und lebendige Natur zerstört, ist gewiß nicht die strafende Hand Gottes.

Wie gehen wir damit um? Ratlosigkeit stellt sich ein. Aber es kommt die Erkenntnis auf, daß das menschliche Schicksal in der Geschichte immer gefährdet war und ist, daß Zeiten des Glücks immer nur kleine Inseln im Meer des Unheils waren, daß das Verhängnis immer droht und hereinbrechen kann. Die Welt liegt im Unheil. So kann man Wahrheit erfahren über die Befindlichkeit der Welt.

Das Verhängnis aber wirft uns auf unsere Existenz zurück. Wir müssen unser Leben führen angesichts des Unheils. Die sittlichen Gebote, dem Unheil nach allen Kräften entgegenzuwirken, bleiben gewiß. Und trotz Allem Freude zu suchen, bleibt unbenommen. Aber darüberhinaus stellt sich unerbittlich die Frage nach dem Sinn.

Man kann die Frage unbeantwortet lassen, für unbeantwortbar halten. „Dann lasset uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot."

Das Christentum hat für die Befindlichkeit der Welt das unüberbietbare Zeichen: Das Kreuz.

Aber auf den Karfreitag folgt Ostern.

 

Mainzer Appell zur Krisenbewältigung:

"Mehr als 40 erstunterzeichnende Verbände und zahlreiche Einzelpersonen aus dem ökologischen, kirchlichen, Eine-Welt-, landwirtschaftlichen, sozialen und gewerkschaftlichen Bereich haben sich zu einer großen Konferenz zusammengefunden. Ihr Ziel: Schaffung von Strukturen zum Schutz unserer Lebensgrundlagen und Stärkung der Zivilgesellschaft, des Gemeinwohls und der Demokratie. Ausgehend von einem offenen Brief des BUND Rheinland-Pfalz an die Landespolitik (1) fordern sie tiefgreifende ökosoziale Maßnahmen, insbesondere bei der Verwendung staatlicher Stützungs- und Konjunkturprogramme im Zuge der Bewältigung der Belastungen aus der Coronakrise. ..."

Anzeige des Mainzer Appells sowie der Erstunterzeichner (Institutionen und Personen): PDF-Datei 670 kB

 

Lesetipp von Barbara Janz-Spaeth, Bistum Rottenburg Stuttgart: "Jahr des Feuers" (Bericht in der "ZEIT" vom 1. Januar 2021)

 

Assoziationen: Entfesseltes Feuer - entfesselte Waldbrände, entfesselte Gewalt, entfesselter Kapitalismus, entfesselte Liebe ...

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