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OKR Dr. Ruth Gütter

(Referentin für Nachhaltigkeit der EKD)

Die Frage der Nachhaltigkeit gehört zu den großen Überlebensfragen der Gegenwart. Geht es doch im Kern um die Frage, wie die Grundbedürfnisse aller Menschen der Gegenwart sowie der zukünftigen Generationen befriedigt werden können, ohne die natürlichen Lebensgrundladen zu gefährden und die planetarischen Grenzen zu verletzen.

Angesichts der Tatsache, dass immer noch über 800 Millionen Menschen von Hunger bedroht sind und jeden Tag über 20 000 Menschen an Hunger sterben, sind wir von Befriedigung der Grundbedürfnisse aller Menschen noch weit entfernt. Der Klimawandel schreitet voran und verschärft die Kluft zwischen Armut und Reichtum, denn seine Folgen treffen die am meisten, die am wenigsten dazu beigetragen haben und sich auch am wenigsten schützen können. Angesichts der Überschreitung der sogenannten planetarischen Grenzen in vielen Bereichen mit all seinen Folgen sind jedoch Menschen in allen Erdteilen mittel- und langfristig betroffen. Das Überleben der Menschheit und auch der Fortbestand der Natur, wie wir sie heute kennen, sind in Gefahr.

Das fordert uns auch als Kirchen heraus, geht es doch um die Zerstörung der Schöpfung Gottes und die grundlegende Verletzung der Grundbedürfnisse vieler Menschen, die wir als Ebenbilder Gottes sehen und deshalb mit einer unverletzlichen Würde ausgestattet.

Die Auseinandersetzung mit den Fragen einer nachhaltigen Entwicklung ist für die evangelische Kirche nicht neu. Schon in den 70-er Jahren hat z.B. der Ökumenische Rat der Kirchen, herausgefordert durch den Bericht des Club of Rome, eine verantwortliche und nachhaltige Gesellschaft gefordert. Die Kirchen haben also lange vor der UN die Nachhaltigkeit auf die globale politische Agenda gesetzt!

Neuerdings gewinnt im Nachhaltigkeitsdiskurs die Rolle der gesellschaftlichen Werte an Bedeutung, denn für eine nachhaltige Entwicklung muss nicht nur politisch umgesteuert werden, es muss vor allem ein Wertewandel und ein umfassender Mentalitätswandel stattfinden.

Bei diesem Wertewandel ist insbesondere die Rolle von Religion sehr wichtig. Theologisch gesprochen geht es um Umkehr, Metanoia.

Der Beitrag der christlichen Kirche besteht vor allem darin, angesichts der Größe der Herausforderung dennoch zum Glauben und zum Handeln zu ermutigen. Vielen Menschen fehlt der Glaube, dass man angesichts der vielfältigen und komplexen Probleme etwas zum Besseren verändern kann. Der christliche Glaube kann dafür die nötige Zuversicht und Gelassenheit geben, denn gegen alle Bedrohungen des Lebens vertraut er auf den Gott, der das Leben geschaffen hat und es erhalten will. Zugleich bewahrt ihn der Glaube an Gott davor, sich selbst zu überfordern. Nicht wir müssen die Welt retten, sondern Gott selbst ist in seinem Sohn schon zu uns gekommen, um seine Schöpfung zu heilen und zu erlösen. Das ist Gottes Mission, an der wir als Christen nur teilnehmen sollen, von der wir Zeugnis ablegen in Wort und Tat.

Dem Projekt „Nachhaltig predigen“ fühle ich mich schon seit einigen Jahren verbunden und habe mich daran sehr gern als Mitautorin beteiligt. Auch als Referentin für Nachhaltigkeit der EKD kann ich es nur auf das Wärmste empfehlen, denn es erschließt die biblischen Kraftquellen und macht sie fruchtbar für Predigtideen, die der bitter notwendigen Ermutigung zur Umkehr zu mehr Nachhaltigkeit dienen.

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