Der Verfasser betrachtet alle vorgesehen Predigtperikopen. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Verantwortungsvoller Umgang mit den geschenkten Gaben (Lk 19, 11-28) auf der persönlichen, der gemeindlichen und gesamtchristlichen Ebene. Die materiellen Gaben, wie auch die geistigen / geistlichen Gaben sind gemeint. Der Wille zur Entschiedenheit (Offb 3, 14-22) bewahrt vor Verharren und Selbstgenügsamkeit mit dem Erreichten und dient letztlich dem Lob des Schöpfers aller Dinge (Offb 4, 1-11).
Stellung im Kirchenjahr

Der Buß - und Bettag ist ein evangelischer Feiertag und war bis vor einigen Jahren auch ein staatlich anerkannter freier Tag. Er wird in der zweiten Novemberhälfte gefeiert. Die Eisenacher Konferenz von 1852 schlug den Mittwoch vor dem letzten Sonntag im Kirchenjahr als für alle Landeskirchen gemeinsamen Buß- und Bettag vor, und so wurde es 1934 von der EKD eingeführt. Dieser Tag ist u. a. insbesondere ein Tag der Gewissensprüfung für den einzelnen Menschen vor Gott.

LK 19, 11 - 28

Exegetische Hinweise
Das vorliegende Gleichnis beschließt den lukanischen Reisebericht mit dem Thema Jüngerschaft und Enderwartung und schließt unmittelbar an die Zachäuserzählung an. Jesus ist nahe bei Jerusalem. Für die Menschen ein Zeichen, dass das Reich Gottes nahe bevorsteht. Jesus erzählt das Gleichnis. Vermutlich richtet sich Jesus mit dieser Parabel an mögliche oder schon vorhandene Jünger, denen er verdeutlicht, dass in seiner Nachfolge risikofreudiger Einsatz der eigenen Person und des geschenk-ten Besitzes für das bevorstehende Reich Gottes unabdingbar sind. Eine Person, die ängstlich nur auf die eigene Sicherheit schaut, muss scheitern. Die Zeit bis zur Vollendung des Reiches Gottes sollen die Jünger, die Nachfolger gewinnbringend nutzen.

Assoziationen:
Jeder verfügt über genug Lebens"kapital", Vermögen, mit dem sein Leben gelingen kann, wenn er es nicht gerade in ein Tuch, ein Schweißtuch eingewickelt hat. Das Sprichwort, etwas in trockene Tücher bringen, liegt nahe, es einwickeln, verpacken, konservieren. Gott hat uns, so will Jesus sagen, das Kapital, mein Vermögen geschenkt, damit es sich vermehre, in Umlauf gebracht wird. Das Kapital kann der Glaube sein, kann meine Kreativität sein, meine Charismen, eben mein Vermögen. Unter den Bedingungen dieser heutigen Welt, zeigt Jesus mit dieser Parabel, gilt es, das Vermögen dazu einzusetzen, das Verlorene zu suchen und zu retten (19, 10). Missionarisch Kirche sein gelingt dann, wenn in meinen Gaben, meinem Kapital Christus durch mich hindurch scheint und dieses Feuer andere entzündet. Dann ist dieses Vermögen nachhaltig eingesetzt.

Wir sind aufgefordert sozusagen im Auftrag des Herrn nachhaltige Geschäfte zu machen, uns um das Heil der Menschen mit unseren Gaben, oft gegen Widerstände, zu sorgen. Es fällt auf, dass die beiden "erfolgreichen" Knechte, offensichtlich wie von selbst ihr "Kapital" vermehren konnten.

"Nur wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich seiner Führung rückhaltlos anvertrauten, wenn sie sich selbst aus den Augen verlieren und sich Gott ganz überlassen, damit er ihr Leben in seinen Händen forme" (Ignatius von Loyola)

Der eine Knecht bewahrte seine Gaben, sein Vermögen, in Tüchern. Er beharrte in dem, was er ist, zeigte keinen Einsatz, keinen Mut, gab sich zufrieden mit dem, was ihm gegeben war. Sein Kapital liegt tot, wurde nicht nachhaltig eingesetzt. Sein Leben verbraucht sich einfach. Er hat versagt. Damit bestraft er sich im Grunde selber. Das kann Mahnung an uns sein, unsere Talente immer wieder anzuschauen, auf den Umgang mit ihnen zu achten. Hat jemand Anteil an meinen Gaben? Diese Überlegung kann ich persönlich machen, aber auch auf die Gemeinde oder die Christenheit als Ganzes beziehen. Die Talente die wir haben, die uns Gott geschenkt hat, setzen wir sie nachhaltig ein für das Reich Gottes? All die vielen Männer und Frauen mit ihren ganz unterschiedlichen kreativen Vermögen, haben sie je eigens eine Chance in dem oft fest gefügten Haus der Kirche? Geben wir ihnen Raum, auch wenn sie unbequem sind? Haben wir Angst und legen so diese Gaben in Tücher?

Offb 3, 14 - 22

Exegetische Hinweise
Joannes empfängt auf Patmos eine Vision und den Auftrag sie aufzuschreiben und an sieben Gemeinden Kleinasiens zu senden. Hier geht es um das Schreiben an die Gemeinde in Laodizea. Dies ist eine wohlhabende Gemeinde, von Antiochus II gegründet und gehört seit 133 v. Christus zum römischen Reich. Sie liegt am Schnittpunkt mehrerer Handelsstrassen und lebt vom Woll - und Geldhandel. Ebenso gab es eine medizinische Akademie. Die christliche Gemeinde, von einem Paulusschüler gegründet, lebt in paulinischer Tradition.

Assoziationen
In der Gemeinde von Laodizea kann man bildlich gesehen den Knecht aus dem Lukasevangelium wieder erkennen, der alles in seine Tücher packte und so der Stagnation verfiel. Diese Gemeinde war sich selbst zufrieden, nicht kalt nicht heiß, eben lau. Die anvertrauten Gaben werden nicht eingesetzt, man hat schon genug, man verharrt, hat sich eingerichtet im gegebenen Wohlstand.

Auch hier sind die Worte der Mahnung deutlich: Es geht um Entschiedenheit, es geht darum, entschieden einen Weg mit dem geschenkten Vermögen zu gehen und nicht in Selbstzufriedenheit zu versinken. Im Sinne der Nachhaltigkeit versäumt diese Gemeinde den Glauben lebendig, zu leben. Sie ist blind und nackt und erkennt es nicht. Eine solche Haltung ist erbärmlich und elend und Selbstgenügsamkeit entzündet keine Feuer der Liebe in anderen Menschen, wirkt unglaubhaft.

Die geschenkten Gaben verdorren so mit der Zeit.

Offb 4, 1 - 11

Exegetische Hinweise
Direkt im Anschluss an des Sendschreiben nach Laodizea beginnt die so genannte Himmelsvision, dem Hauptteil des ganzen Buches. Der Seher Johannes wird in den Himmel entrückt und schaut die Herrlichkeit Gottes.

Assoziationen
Gott ist der Spender allen Vermögens, aller Gaben, der Schöpfer allen Daseins. Ihm allein gilt die Ehre, seine Gaben hat er mir geschenkt. Durch sie soll ihm Ehre zuteil werden, durch sie soll seine unendliche Liebe sichtbar werden hier auf Erden. So beziehen sich alle drei Texte innerlich aufeinander, mahnen zum nachhaltigen Umgang mit den Gaben, den Charismen, dem Kapital des von Gott geschenkten Vermögens zur Ehre Gottes und damit zum Wohle der Menschen.
Godehard König, Rottenburg
Das Verlorene suchen - und die Gaben Gottes erkennen …
Koenig
(© Claudia Ehry)
zurück zur Übersicht (KJ 2011/12)

Predigtanregungen – Reihe IV / Lesejahr B                 Buß- und Bettag | 21.11.12

evang. Reihe IV:
Offb 3, 14-22
kath. 1. Lesung:
Offb 4, 1-11
kath. 2. Lesung:
-
kath. Evangelium:
Lk 19, 11-28