Die Autorin geht auf keine der Tagesperikopen explizit ein, aber sie verbindet die Bedeutung des Festtags Allerheiligen mit mehreren Assoziationen zur christlichen Nachhaltigkeit.
"Seht, wie viel Liebe Gott uns geschenkt hat!"

"Seht, wie viel Liebe Gott uns geschenkt hat, damit wir Gottes Kinder genannt werden, und wir sind es. Deshalb versteht uns die Welt nicht, weil sie Gott nicht versteht. Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, aber was wir einst sein werden ist noch nicht sichtbar. Wir wissen: Wenn es sichtbar sein wird, werden wir Gott gleichen, denn wir werden Gott sehen, wie sie ist. Alle, die diese Hoffnung auf Gott setzen, heiligen sich, weil Gott heilig ist." (1 Joh 3, 1-3; Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache)

Unsere christliche Perspektive ist immer nachhaltig, weil auf Zukunft ausgerichtet, nicht nur die je eigene, immanente und begrenzte Realität, sondern auf Leben in Zukunft. Unser Leben endet nicht mit dem eigenen Tod. Das Leben im Allgemeinen und mein eigenes Leben gehen weiter, über meine irdische Grenze meinen Tod hinaus.

Ursprung dieser Perspektive ist der Glaube an Gottes Liebe, die sich uns gezeigt hat in Jesus Christus, seiner Menschwerdung, seinem Tod und seiner Auferstehung und die in uns wirkt in der Geistkraft Gottes und in die wir als Gottes Kinder hineingenommen sind.

Wenn unser Leben hier und jetzt schon immer auch in die Zukunft hineinreicht, dann kann christliche Existenz nur nachhaltig gedacht werden.

Uns ist unsere Zukunft nicht egal. Wir alle sind Gottes Kinder, Schwestern und Brüder und zur Solidarität untereinander verpflichtet, zur Solidarität mit allen, die heute leben und in Zukunft leben werden. Diese Solidarität ist nicht zeitlich begrenzt. Sie greift ebenso wie unser Glaube in die Zukunft und bezieht diese bereits als potentielle Wirklichkeit in unser Denken Fühlen und Handeln mit ein.

Wir setzen unsere Hoffnung auf Gott und nicht auf Konsum und Leistungsdruck, auf den Schein der Welt. Wir verstehen die Welt als Gottes Schöpfung, die uns Menschen für einen Moment beheimatet und uns Leben ermöglicht. Sie gilt es als Geschenk zu bewahren, damit auch zukünftige Generationen leben können.

"... wir werden Gott sehen" so schreibt Johannes. Wir erwarten etwas in der Zukunft, die Erfüllung all unserer Sehnsüchte und Träume. Dies macht uns nicht zu weltfremden Schwärmern, sondern diese Vision führt uns aus Unfreiheit, Abhängigkeit, aus Sklaverei zu eigenverantwortlichem und bewusstem Handeln. Wir sind uns bewusst, dass unser Handeln für die Zukunft der Schöpfung und das Leben der Menschen Konsequenzen hat. Wir sind nicht abhängig von rein immanenten materiellen Wertvorstellungen, dem Mainstream nicht unterworfen, sondern wir sind als Kinder Gottes in seiner Liebe gehalten.

"Welt" wird nicht abgelehnt, sondern als Schöpfung Gottes gesehen und in einen größeren Kontext, in einen umfassenderen Sinnhorizont gestellt. So weitet sich unser Horizont und macht uns frei.

"Alle , die diese Hoffnung auf Gott setzten, heiligen sich, weil Gott heilig ist."

Ganzheitlich heil werden bedeutet, die ganze raumzeitliche Wirklichkeit mit einzubeziehen. So sind wir nicht nur Bewohnerinnen und Bewohner der Welt, sondern des ganzen Universums in der Fülle der Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Nun könnte es schnell geschehen, dass wir uns angesichts dieser Dimensionen völlig winzig und überfordert vorkommen. Gelebt werden kann diese Weite und Fülle der Freiheit und der Verantwortung jedoch nur im Kleinen, im Konkreten. All diese Grunddimensionen von Liebe, Leben, Hoffnung, Zukunft, Fülle der Zeit, Unendlichkeit des Universums drücken sich aus in der Freiheit des Einzelnen, in der Möglichkeit, die Liebe zu leben.

Konkurrenz; Leistung, Druck, etc. - das alles ängstigt uns, sorgt uns, engt uns ein, versklavt uns, macht uns unfrei. Nein, geheilt von diesen Ängsten und Sorgen können wir leben, denn "Seht, wie viel Liebe uns Gott geschenkt, damit wir Gottes Kinder genannt werden, und wir sind es." Wir sind gesegnet, geheiligt, geliebte Kinder Gottes und deshalb können und sollen wir auch anderen zum Segen werden, damit Leben entstehen und wachsen kann.

Selig sind, gesegnet sind, die Gottes Liebe selbst erfahren haben und diese auch anderen weitergeben So heißt es in einem Kanon: "Du bist gesegnet, ein Segen bist du." Hier wird die dialogische Struktur der Liebe und des Segnens deutlich. Wie konkret können wir uns selbst als Gesegnete erfahren und für andere zum Segen werden, worauf kommt es an?

Hören wir, was Jesu Christus den Menschen selbst dazu gesagt hat. Um seine Worte zu verstehen, braucht es keine Übersetzung, keine Deutung. Diese Worte Jesu brauchen Menschen guten Willens damals wie heute, die mit offenen Ohren und Herzen seine Botschaft hören wollen, Menschen die sich nicht versklaven lassen von den falschen Idealen und Anforderungen. Deshalb lade ich sie ein, einmal bewusst zur Ruhe zu kommen, sich zu öffnen für die befreiende Botschaft Jesu, die sich an jede und jeden einzelnen von uns richtet.

(kurze Stille)

Lied: "Schweige und höre neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden."

Evangelium: Mt 5,1-12 (Bibel in gerechter Sprache)

(nach dem Evangelium Stille oder Musik z.B.: Motette aus den "6 Sprüchen zum Kirchenjahr" von Felix Mendessohn Bartholdy "Ehe denn die Berge worden und die Erde bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit")
Christine Schardt
Leben weist in die Zukunft - christl. Existenz kann nur nachhaltig gedacht werden …
Schardt
(© Wikimedia Commons/Joe Zachs)
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Predigtanregungen – Reihe IV / Lesejahr B                       Allerheiligen | 1.11.12

evang. Reihe IV:
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kath. 1. Lesung:
Offb 7, 2-4.9-14 1
kath. 2. Lesung:
Joh 3, 1-3
kath. Evangelium:
Mt 5, 1-12a