Die Autorin geht auf alle Bibelstellen des Sonntags ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: nicht jede(r) Einzelne muss alles verantworten, aber jede(r) etwas (Gal 2); auch wir "Toren" sind eingeladen, zukünftig an der Klugheit teilzuhaben (Spr 9); die Aufgabe erkennen, die im Leben steckt (Eph 5); das Wesentliche erkennen: Brot und Wein - in Gemeinschaft (Joh 6)
Stellung im Kirchenjahr

Der 19.8.2012 ist in vielen Bundesländern der erste Sonntag nach den Sommerferien. Der Schulbeginn wirkt sich wohl meistens positiv auf den Gottesdienstbesuch aus, der normale Alltag hat wieder begonnen.

Gal 2, 16-21

Exegetische Überlegungen
Die Perikope enthält die erste große und programmatische Darstellung der paulinischen Rechtfertigungslehre. Sie steht im Kontext des "antiochenischen Zwischenfalles", eines Streites um die gleichberechtigte Lebensweise von Beschnittenen und Unbeschnittenen. In Antiochia, einer der Metropolen der griechisch-römischen Welt hatten Juden und Nichtjuden schon miteinander Tischgemeinschaft gepflegt, aber dann wieder einen Rückzieher gemacht aus Angst, sich mit dieser Gemeinschaft sozial, politisch und kulturell zwischen alle Stühle zu setzen. Paulus prangert nun diese Kehrtwendung an und macht gleichzeitig deutlich, dass andere anders bleiben dürfen und trotzdem dem Zusammenkommen der "Völker" in Christus nichts im Wege stehen muss. Entscheidend ist der gemeinsame Glaube an die Erlösung durch Christus.

Predigtimpulse
Der Text ist rein sprachlich nicht leicht zu verstehen. Umso wichtiger finde ich, in der Predigt die befreiende, emanzipatorische Botschaft, die darin steckt, deutlich zu machen. Unterschiede dürfen sein - wir gehören trotzdem alle zusammen. Kein Mensch kann anderen absprechen, auch auf dem richtigen Weg zu sein. Und - welche Erleichterung: wir sind schon erlöst, wir brauchen nicht ständig zu schuften und dem Heil hinterherzulaufen und uns trotz aller Anstrengung unzulänglich zu fühlen. Wir sind gerechtfertigt durch den Glauben.

Bezug zur Nachhaltigkeit
Im Bezug auf das Engagement für einen nachhaltigen Lebensstil beobachte ich zwei extreme Lebensweisen. Es gibt viele, deren Leben sich hauptsächlich um sich selbst und ihr kleines Lebensglück dreht. Und dann gibt es die anderen, die sich aufreiben und sich unermüdlich einsetzen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Dieses Engagement führt dann bisweilen auch bis zur totalen Erschöpfung.

Ich würde die Predigt gerne nutzen, um die einen zu mehr Gelassenheit zu ermutigen und zum Vertrauen darauf, dass Gottes Geisteskraft und Jesu Liebe in uns und durch uns lebendig werden kann, wenn wir es nur zulassen. Das Reich Gottes muss nicht von uns allein errichtet werden! Wir können aber einen nicht unwichtigen Beitrag leisten zur Verbesserung der Lebensbedingungen, das müssen sich auch diejenigen sagen lassen, die sich bisher noch wenig Gedanken darum gemacht haben.

Sprüche 9, 1-6

Exegetische Überlegungen
Das Buch der Sprüche ist als Sammlung von Weisheitssprüchen Teil der altorientalischen Weisheitsliteratur. Sie gibt Erfahrungswissen weiter und formuliert Regeln des Zusammenlebens. In der nachexilischen Zeit (1. Jh. vor Chr.) entwickelte sich in Israel ein weibliches Gottesbild, das von Gott als Frau Weisheit spricht und die den Menschen zugewandte Seite Gottes verkörpert. In unserem Text finden wir die Vorstellung der personifizierten Weisheit auf ihrem Höhepunkt. Das Festmahl ist als Sinnbild der lebensspendenden Gaben der Frau Weisheit zu deuten. Sie hat sich eine feste Wohnung genommen, denn Jahwes Tempel ist zerstört. Wer das Haus der Weisheit betritt und bei ihr isst und trinkt, hat zum wirklichen Leben gefunden.

Predigtimpulse
Gott lädt alle zu sich ein. Alle dürfen kommen und teilhaben am wahren Leben, am Leben in Fülle und in Weisheit. Kein Mensch ist ausgeschlossen.

Bezug zur Nachhaltigkeit
Als von Gott Geladene gehören wir alle zu einer Gemeinschaft und sind deshalb zum solidarischen Handeln aufgefordert. Es kann nicht sein, dass am selben Tisch Menschen sitzen, die hungern, während andere im Überfluss schwelgen. Auch wir, die wir bisher noch zu den "Toren" gehören, weil wir gedankenlos und leichtfertig mit den Ressourcen umgehen, sind eingeladen zu Gottes großem Festmahl und dürfen den Weg der Klugheit beschreiten.

Eph 5, 15-20

Exegetische Überlegungen
Die exegetische Forschung ist sich weitgehend darin einig, dass der Epheserbrief nicht von Paulus selbst, sondern von einem seiner Schüler geschrieben wurde, der den Brief im Sinne des Paulus verfassen wollte, vermutlich als eine Art Rundbrief. Die Verwandtschaft mit dem Kolosserbrief ist so eng, dass von einer direkten literarischen Abhängigkeit ausgegangen werden kann, die vor allem im zweiten Teil des Briefes (Kapitel 4-6) deutlich erkennbar ist. Unser Text gehört zu diesem zweiten Teil, dem ethischen, bzw. paränetischen Teil des Briefes.

Predigtimpulse
Unser Leben ist wertvoll. Wir haben nur dieses eine hier auf dieser Erde zur Verfügung. Deshalb ist es nicht gleichgültig, was wir daraus machen. Um glücklich zu sein, braucht der Mensch: eine Aufgabe, einen geliebten Menschen und eine große Hoffnung.

Bezug zur Nachhaltigkeit
Als weise Menschen leben heißt alle fünf Sinne zu nutzen und dann die Wahrnehmungen einzusetzen, um Gerechtigkeit und Frieden voranzubringen. Weise sein bedeutet, die Erfahrungen der Generationen vor uns aufzunehmen und weiterzuverarbeiten. Und daran zu denken, dass noch Lebewesen nach uns kommen werden, die auch noch auf dieser Erde leben wollen. Dazu können wir unsere Lebenszeit nutzen.

Joh 6, 51-58

Exegetische Überlegungen
Die Perikope hat schon zu vielen Diskussionen angeregt und wird je nach Hintergrund mehr oder weniger symbolisch oder sakramental-realistisch verstanden. Diese Erörterung sprengt hier den Rahmen. Johannes erzählt vom Brot des Lebens und dass wir Menschen beides brauchen, Nahrung für unseren Körper und unsere Seele. In Jesus von Nazareth wurde Gott Fleisch und Blut. Gottes Wort wurde auf diese Art menschlich und lebendig.

Predigtimpulse
Im Abendmahl essen wir Brot und trinken Wein zur Erinnerung an das Leben, Sterben und Auferstehen Jesus zum Zeichen dafür, dass wir ganz und gar mit Leib und Seele dazugehören wollen. Das Abendmahl ist eine Art Versprechen, ein Vorgriff auf das Reich Gottes, Vorgeschmack des himmlischen Festmahls. Das Abendmahl ist eine Hilfe zu glauben und zu begreifen. Mit allen Sinnen können wir dabei aufnehmen, was Gott uns schenken will. Wir erleben im Abendmahl Gemeinschaft miteinander. Unsere Hoffnung auf eine bessere Welt wird ausgedrückt.

Bezug zur Nachhaltigkeit
Brot und Wein haben als Grundnahrungsmittel einen symbolischen Wert und stehen für all das, was wir zum Leben brauchen. Mahatma Gandhi hat einmal gesagt: "Es gibt so viele hungernde Menschen auf der Welt, dass Gott nur in der Gestalt von Brot kommen kann."
Martina Horak-Werz, Gommersheim
Es gibt so viele Hungernde in der Welt …

Horak-Werz
(© Gregor Helms)
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Predigtanregungen – Reihe IV / Lesejahr B                 11. Sonntag nach Trinitatis /
20. Sonntag im Jahreskreis | 19.08.12


evang. Reihe IV:
Gal 2, 16-21
kath. 1. Lesung:
Spr 9, 1-6
kath. 2. Lesung:
Eph 5, 15-20
kath. Evangelium:
Joh 6, 51-58