Der Autor geht vorrangig auf den ev. Predigttext ein, betrachtete aber auch mit knappen Hinweisen die Texte zur 1. und 2. Lesung. Stichworte zu Fragen der Nachhaltigkeit: Rechenschaft der Hoffnung muss sich in der Übernahme von Verantwortung auf dem Felde des gerechten Friedens für das Ganze erweisen. Das wird konkret z.B. mit Blick auf die Produktion und Verbreitung von Waffen und den Klimawandel. Das Eintreten für Gerechtigkeit hat sich auch durch die uneingeschränkte Bereitschaft zum Teilen zu bewähren. Dazu gehört die Beschäftigung mit der Frage, wer unter welchen Bedingungen und Lasten unsere Gebrauchsgüter produziert.
Exegetische Anmerkungen und Anregungen zur Auslegung

1. Petr 3, 8-15
Die Christen, die im 1. Petrusbrief angesprochen werden, sind bedrängt, leiden unter sozialer Diskriminierung, die allein schon der Tatsache geschuldet ist, dass sie der christlichen Gemeinde angehören. Sie sind als Minderheit mit ihrem andersartigen Lebensstil und ihrer religiösen Praxis Fremde in ihrer Umwelt. Der 1. Petrusbrief ist die Schrift im NT, die am stärksten das Zeugnis des Wortes mit dem Zeugnis des christlichen Handelns in der Gesellschaft verbindet. Die Christen sind in ihrer Präsenz erkennbar durch die Art, wie sie untereinander Gemeinschaft halten und das Zusammenleben mit den Mitmenschen außerhalb der Gemeinde alternativ gestalten. Sie machen ernst mit dem Gottesdienst im Alltag der Welt (vgl. Röm 12, 1 f). Er erhält seine Qualität und Signalwirkung nach außen durch gelebte Geschwisterlichkeit, die sich durch gegenseitigen Respekt und Solidarität, geleitet durch Mitgefühl, auszeichnet. Kennzeichen soll, bei aller Verschiedenheit der Gemeindeglieder, die Bereitschaft sein, jederzeit gegenüber allen Rechenschaft zu geben von der im Glauben begründeten Hoffnung (Einheitsübersetzung: "Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt") Nicht Rückzug aus der Öffentlichkeit, sondern aktive, keineswegs anbiedernde oder selbstgefällige Demonstration ihrer vom Willen Gottes geprägten Lebensweise, macht ihre Mission aus. Sie geben Zeugnis nach dem Motto: "Wie du lebst, sagt mehr, als was du sagst." Allerorts gilt es Gutes zu reden und zu tun, um Menschen, auch "ohne Worte zu gewinnen" (3,16). Es sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern die aus der frohen Botschaft erwachsenden Zumutungen: Böses nicht mit Bösem zu vergelten; den Gegnern gegenüber auf die Durchsetzung des eigenen Rechts zu verzichten; dem Hass mit Liebe zu begegnen; durch das Wort des Segnens Raum zu schaffen für heilende Beziehungen.

Der Text fordert dazu auf, sich der Frage zu stellen, worauf sich Hoffnung gründet. Hoffnungen werden immer wieder zerschlagen, weil sie trügen, blind sind und sich als Illusionen erweisen. Was ist das biblische "Salz der Hoffnung"? Nicht Materielles ist die "Mutter der Hoffnung" (E. Bloch). Auch nicht die Menge menschlicher Errungenschaften. Für Christen ist Hoffnung nicht zu trennen von Gott (Eph  2, 12). Vielmehr "haben wir unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt" (1 Tim 4, 10). Es ist kein gesichtsloser Gott, sondern der mit dem menschlichen Gesicht, wie er in dem Antlitz des Jesu von Nazareth sichtbar geworden und uns nahe gekommen ist. Sein Lebensweg, der mit Leiden und Kreuzestod endete, bedeutet für diejenigen, die sich auf seine Spuren begeben, dass der Weg weder harmlos noch triumphalistisch ist. Das erfuhren die Christen, an die sich der 1. Petrusbrief richtet. Das Festhalten an der Hoffnung lassen sie sich etwas kosten.
  • Rechenschaft zu geben impliziert, dass auf Anfragen, Rückfragen, auf das Hinterfragen und in Frage stellen von anderer Seite geantwortet wird. Das kann die Form von Rechtfertigen und Entschuldigen annehmen (was mit dem griechischen Wort apologia auch gemeint sein kann). In der petrinischen Gemeinde ist Rechenschaft geben als Verantwortung gegenüber der Gabe und dem Anspruch des Evangeliums verstanden und gelebt worden. Ausgesprochen oder unausgesprochen sind christliche Gemeinden und ihre Mitglieder in unserem Land aufgefordert, die mit dem Evangelium proklamierten Zusagen und Ansprüche in der Öffentlichkeit glaubwürdig zu vertreten. Sie sind, trotzdem sie zunehmend kritischer beurteilt werden, in einer vergleichsweise komfortablen Lage in Deutschland. Ganz anders ist die Situation z.B. von (koptischen) Christen in Ägypten, in Pakistan, Malaysia, Nordkorea, denen eine freie Religionsausübung oft nur unter erschwerten Bedingungen und mit Benachteiligungen möglich ist.
  • Rechenschaft der Hoffnung ist unabdingbar für die Trias Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung nicht nur angesagt, sondern muss sich im Reden und Handeln der Kirchen und ihrer Gemeinden glaubwürdig in der Öffentlichkeit erweisen. Das diesbezügliche Engagement duldet weder Aufschub, noch kann es dafür ein Alibi geben. Die Mahnung in unserem Text, dass dies jederzeit und gegenüber allen, also ausnahmslos, zu geschehen hat, ist nicht zu übersehen. Eine Fülle von konkreten Bezügen würde hier zu nennen sein. Andeutungsweise seien aufgeführt:
  • Die von den Kirchen deutlich zu äußernde Infragestellung der immensen Mittel, die für die Rüstung und das Militär ausgegeben werden, demgegenüber die Mittel, die für die Förderung und Gestaltung eines gerechten Friedens verschwindend gering sind. In der "Botschaft der internationalen ökumenischen Friedenskonvokation" (Mai 2011 in Jamaika) heißt es dazu: "Es ist ein Skandal, dass gewaltige Summen für Miltärhaushalte, die Lieferung von Waffen an Verbündete und den Waffenhandel ausgegeben werden, während dieses Geld dringend für die Beseitigung von Armut in aller Welt und die Finanzierung einer ökologisch und sozial verantwortlichen Neuausrichtung der Weltwirtschaft gebraucht würde."
  • Rechenschaft der Hoffnung ist heute unabweisbar auf den Klimawandel zu beziehen, für den wir in den Industriestaaten in erster Linie verantwortlich gemacht werden müssen. Im Römerbrief (Kap 8) schreibt Paulus hoffnungsvoll: "Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt". Die durch menschliches Verhalten misshandelte Erde schreit zum Himmel. Eingefordert ist von den Christen ein eindeutiges Eintreten für Gerechtigkeit gegenüber den vom Klimawandel benachteiligten Menschen und der geschundenen Natur. Was D. Bonhoeffer kurz vor seiner Verhaftung zum Jahresende 1942/43 schrieb, gilt heute im Blick auf die ganze Schöpfung: "Die letzte verantwortliche Frage ist nicht, wie ich mich heroisch aus der Affäre ziehe, sondern wie eine kommende Generation weiterleben soll." Nachhaltige, hoffnungsvolle Schritte in die richtige Richtung z.B. mit der Absage an die Verwendung von Atomkraft mit ihrem unabsehbaren Gefahrenpotential und der eingeleiteten Energiewende sind hierzulande auf den Weg gebracht worden.

    2 Kor 8, 7.9.13-15
    Die Hilfsaktion per Kollekte der heidenchristlichen Gemeinden speziell für die Jerusalemer Urgemeinde ist nicht nur unter dem Gesichtspunkt der dortigen materiellen Not zu sehen. Es ist auch Ausdruck des Dankes für die erfahrenen Segnungen, die in der Jerusalemer Gemeinde ihren Ausgangspunkt haben. Zugleich sollte mit der Geldsammlung die Einheit der Kirche, in der Juden und Heiden gleichberechtigt sind, demonstriert werden. In der Hingabe für die anderen soll die in Korinth angesprochene Gemeinde dem Beispiel Christi folgen, der unter Verzicht auf Privilegien jeglicher Art ein Leben in Armut auf sich genommen hat. Es ist eine bleibende Verpflichtung in der Gemeinschaft der christlichen Kirchen, dass diejenigen, denen ein größeres Maß an finanziellen Mitteln zur Verfügung steht, den weniger Bemittelten unter die Arme greifen und somit für einen Ausgleich sorgen. Doch ist es inzwischen in vielen Kirchen selbstverständlich geworden, darüber hinaus den Menschengeschwistern, die unter Armut und vielseitigem Mangel zu leiden haben, ohne Rücksicht auf deren Religionszugehörigkeit solidarisch beizustehen. Die großen Hilfswerke von Brot für die Welt und Misereor sind zusammen mit vielen anderen Werken mit ihren Initiativen, Programmen und Maßnahmen ausführende Organe für den Dienst an den nahen und fernen Nächsten.

    Weisheit 1, 13-16; 2, 23-24
    Weisheit ist ein unverzichtbarer Bestandteil biblischer Literatur und Inhalte, also keineswegs etwas Nebensächliches oder gar Überflüssiges. Denn Weisheit umfasst die ganze Lebensgestaltung, sowohl die Einsicht in das Schöne und Gute, in das Geregelte und Gerechte, als auch die Konsequenzen, die aus der Einsicht folgen müssen. Es geht also mitnichten um eine abstrakte Weisheit. Sie ist gegründet in der Beziehung zu Gott. Die Ehrfurcht vor dem Leben ist untrennbar mit der Ehrfurcht vor Gott verbunden. Der vorliegende Text ist ein starkes Plädoyer für das Leben, und zwar ein Leben in Gerechtigkeit. Das Gegenbild zu denen, die sich an die Gott gegebenen Gesetze halten, sind diejenigen, die angesichts der befristeten Lebenszeit diese zu genießen und auszukosten suchen (2,6). Das geschieht bewusst und eindeutig zu Lasten der Armen (Witwen, Alte, Gerechte / 2, 10 ff.) Hemmungslos und gewalttätig geht man gegen die vor, die sich der Gerechtigkeit und dem Gemeinwohl verpflichtet wissen.

    Beispiele dafür, dass die Lebensrechte und die Würde von Menschen sowie der Einsatz für gerechtere Verhältnisse wegen der Profitgier weniger mit Füßen getreten werden, gibt es zuhauf. Vielerorts müssen Arbeitnehmende Beschäftigungen nachgehen, die etwa durch Schadstoffe bei der Produktion folgenschwer für ihre Gesundheit sind. (z. B. in Bereichen der Textilindustrie und Landwirtschaft; die Betroffenen sind oft Kinder und Frauen). Ein afrikanisches Sprichwort hat die Mühe und Last vieler Arbeitsvollzüge mit den Worten ausgedrückt: "Wer das Ei isst, weiß nicht, wie schmerzhaft es für das Huhn war, das Ei zu legen". Man könnte es auch auf tägliche Gebrauchsgüter anwenden, z.B.: Wer Tee oder Kaffee trinkt, Schokolade oder Bananen isst oder sich kleidet, weiß nicht, wer zu welchen Bedingungen es durch seine Arbeit für uns produziert hat. Für Gemeinden / Christen gilt es, darüber nachzudenken, sich zu informieren, dazu sich zu verhalten und Stellung zu nehmen (z.B. Eintreten für faire Produktions- und Vermarktungsweisen).
  • Gerhard Fritz, Landau
    Gottes Absicht ist die Aufrichtung des Schalom für seine ganze Schöpfung …
    1.7.12 Fritz
    (© Bilder 1-3: Gerhard Fritz)








































































    "Für die christliche Kirche verbietet sich eine Energiegewinnung mit einem nicht zu kalkulierenden Gefahrenpotential für Mensch und Natur."
    1.7.12 G. Fritz


    "Das Ringen um Gerechtigkeit verpflichtet dazu, dass ein würdevolles, gutes Leben für alle erreichbar wird."
    1.7.12 G. Fritz
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    Predigtanregungen – Reihe IV / Lesejahr B                 4. Sonntag nach Trinitatis /
    13. Sonntag im Jahreskreis | 1.07.12


    evang. Reihe IV:
    1 Petr 3, 8-15a
    (15b-17)
    kath. 1. Lesung:
    Weish 1, 13-15;
    2, 23-24
    kath. 2. Lesung:
    2 Kor 8, 7.9.13-15
    kath. Evangelium:
    Mk 5, 21-43