Der Autor betrachtet den Predigttext der evang. Reihe und aus der Kath. Leseordnung die Texte Ez 37, 1 Kor 12 und Joh 14. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Gottes Geist verschafft Fragen der Nachhaltigkeit Raum und Gehör; praktisches Beispiel Ernährung (1 Kor 2); ohne "Geist", nur durch materiellen Einsatz, sind die Herausforderungen der Nachhaltigkeit nicht zu bewätigen (Ez 37); Einbindung der Gaben (Fähigkeiten) in der eigenen Gemeinde (1 Kor 12); Bezug zwischen dem Engagement in der Gemeinde und dem Handeln Jesu (Joh 14)
Pfingsten

Im gegenwärtigen kirchlichen und gesellschaftlichen Leben ist Pfingsten schwächer ausgeprägt als die beiden großen christlichen Feste Weihnachten und Ostern. Auch das Brauchtum ist zu Pfingsten traditionell weniger bekannt als zu den anderen Festzeiten im Kirchenjahr. Die Symbolik des Pfingstfestes scheint undeutlich. Dabei ist im christlichen Kalender Pfingsten ein unumstrittenes Fest. Wie bei den anderen Hochfesten des Christentums wird die Bedeutung durch einen zweiten Feiertag unterstrichen. Der Name des Festes geht auf die griechische Bezeichnung "pentekote" zurück und bindet es an das Osterfest. Pfingsten ist der fünfzigste Tag nach Ostern.

Predigtext EKD - 1. Korinther 2, 12-16

Paulus hatte die Gemeinde in Korinth auf seiner 2. Missionsreise im Jahre 50/51 n. Chr gegründet. Sie bestand aus überwiegend zum Christentum konvertierten Juden. In der damaligen Weltstadt Korinth trafen die unterschiedlichsten Kulturen und Geistesströmungen seiner Zeit aufeinander, sodass die Auseinandersetzung mit verschiedenen religiösen, politischen, sozialen und philosophischen Richtungen sozusagen in die Taufurkunde mit eingetragen war. Dies war auch der Grund dafür, warum sich Paulus von Beginn an mit Gegnern und Widersachern seiner Theologie auseinandersetzen musste. So weißt er seine Kritiker darauf hin, dass er sich seinen Unterhalt während seines 18-monatigen Aufenthaltes mit seiner eigenen Hände Arbeit verdiente (Apg 18,22ff; 1. Kor.4, 12; 9,6).was wohl im Umkehrschluss bedeutet, dass sie sich von ihren Anhängern haben aushalten lassen. Als er wieder abreiste, hinterließ er, wie er glaubte, eine große und lebendige Gemeinde (1, 6 f.; 12, 4 ff.). Neben vorwiegend kleinen Leuten (1, 26 ff.) waren auch reiche Mitglieder in der christlichen Gemeinde vertreten.

Binnen kurzer Zeit hatte sich jedoch die Lage in Korinth verändert. Die von Paulus gegründete Gemeinde spaltete sich aufgrund von Differenzen in Sachen Taufe (1. Kor.1, 12 ff.), durch persönliche Konflikte (12, 1 ff.) und soziale Problemfelder (11, 26 f.). Mit dem 1. Korintherbrief, den er von Ephesus aus schrieb, sehr wahrscheinlich im Jahre 53/ 54, verbindet Paulus die Hoffnung, dass sich die Konflikte legen.

1. Korinther 2, 12- 16 geben eine kurzen Einblick in das dualistischen Weltbildes, das Paulus als Argumentationsfigur gegenüber seiner Gemeinde gebraucht. Er spricht davon, dass die Gemeinde den Geist Gottes bekommen hat. Denn nur wer diesen Geist von Gott geschenkt bekommt, kann auch erkennen, was Gottes Wille ist. Und wer diesen Geist nicht hat, der kann eben auch nicht erkennen und verstehen, was Gott den Menschen sagen will. Eine solche Rhetorik mag uns kurz angebunden klingen, - aber um auf das Thema "nachhaltig predigen" zu sprechen zu kommen, diese Kürze könnte auch so etwas Ähnliches wie ein nachhaltiger Schnelltest sein.

Assoziation:
Ich denke, man darf voraussetzen - zumal an Pfingsten -, dass Gottes Geist in der Welt wirkt, oder zumindest versucht, sich in Fragen der Nachhaltigkeit Raum und Gehör zu verschaffen. Und da könnte man sagen: Gottes Geist erweist sich u.a. darin, dass Menschen alles unterlassen, was der Schöpfung, dem Menschen, der belebten und unbelebten Natur schaden. Das sind edle ethisch-moralische Postulate, die allenthalben zu hören sind, doch wie werden diese im Alltag umgesetzt?

Immer wieder wird danach gefragt, was kann denn der Einzelne tun, um sein persönliches und gesellschaftliches Leben in Einklang mit dem Thema "Friede, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung" zu bringen?

Eine Anregung aus dem Bereich Ernährung
M.E. ist es unstrittig, dass der Anbau, die Herstellung und Verarbeitung, der Verzehr und die Entsorgung von Nahrungsmitteln zu hohen Treibhausgasemissionen führen. Eine Folge davon ist der Verlust von natürlichem Lebensraum und anderen negativen Umwelteffekten. Gezielte politische Maßnahmen, wie z. B, regionaler und saisonaler Einkauf, aber auch das Achten auf Verpackungsmüll, könnten dazu beitragen, diese negativen Auswirkungen zu reduzieren und damit die Umwelt zu entlasten. Auf nationaler und europäischer Ebene werden in diesem Zusammenhang die gesetzlichen Bestimmungen zum Mindesthaltbarkeitsdatum überarbeitet werden müssen. Wie Untersuchungen zeigen werden heute circa 38 Millionen Tonnen Lebensmittel aus den europäischen Einkaufsregalen verbannt und weggeworfen, die zwar schon abgelaufen, aber durchaus noch essbar sind. Es wird geschätzt, dass zehn bis 30 Prozent davon noch sehr gut genießbar wären, aber wegen der relativ kurzen Ablaufzeiten nicht mehr zum Verkauf angeboten werden dürfen. Darüber hinaus, so zeigen Studien, könnten mehr als 110 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart werden, wenn wir z.B. einen Tag in der Woche auf Fleisch verzichten.

Betrachtet man Pfingsten 2012 unter diesen Aspekten, so darf man mit Paulus wünschen, dass möglichst viele Menschen mit dem Geist Gottes beschenkt sein mögen.

1. Lesung - Ezechiel 37, 1- 14

Durch die deutliche Gliederung macht das Buch Ezechiel, im Gegensatz zu den anderen großen Propheten den Eindruck größerer Geschlossenheit und Einheitlichkeit. Der Prophet kam wohl mit der ersten Deportation im Jahre 597 aus Jerusalem als Priester nach Babylon. Seine Berufung wird auf das Jahr 593 datiert, seine Wirksamkeit bis 571. Als Wohnort in Babylon wird Tell Abib am Fluss Kebar überliefert. Kennzeichen seines Buches sind nach Rolf Rendtorff, neben einer charakteristischen Sprache, die "eine deutliche Verwandtschaft zu den ,priesterlichen' Bestandteilen des Pentateuch" aufweist, die vier großen Visionen (1,1-3,15; 8-11; 37,1-14; 40-48).

Die uns als Predigttext vorliegende Vision des Ezechiel 37,1-14 gehört zu den bekannteren. Sie führt vor Augen, wie Jahwe aus toten Gebeinen neues Leben schafft. Sie kündigt schließlich die Wiederbelebung Israels als entscheidende Voraussetzung für eine heilvolle Zukunft an.

Assoziationen:
Was unseren Text für Pfingsten so interessant macht, ist die Tatsache, dass es Gottes Geist ist, der die zusammengesetzten Knochen zu einem lebendigen Körper werden lässt.

Ich denke, in Bezug auf unser Thema Nachhaltigkeit sollte uns dies nachdenklich machen. Materieller Einsatz, Geld und Kapital, Technik und Know-how sind wichtige Voraussetzungen, um aktiv zu werden. Sie stellen aber nur den einen Teil dar, der notwendig ist, um die Schöpfung vor dem Kollaps zu bewahren, damit die nachfolgende Generation eine Chance ihren Anteil zur Gestaltung der Erde beizutragen. Aber ohne Gottes Geist, dessen Ausgießung wir an diesem Fest feiern, ohne die Begeisterung von Menschen, ohne deren mitreißendes Engagement und ohne Gottes Segen, wird der ganze materielle, idealistische Einsatz nichts Ganzes, nichts Lebendiges und nichts Langfristiges werden.

2. Lesung - 1 Kor 12, 3-7.12+13

Paulus zählt in Kapitel 12 eine Reihe von Geistesgaben auf. Er stellt fest, dass der Geist allein Gottes Gabe bleibt und nur er zu entsprechenden, richtigen Erkenntnissen und Handlungen führt. Nur der Geist Gottes, lässt Jesus Christus als den Herrn erkennen. In den Versen 3-7.12+13 beschreibt Paulus, dass es viele verschiedene Charismen, Dienste und Kräfte gibt, die der Geist Gottes schenkt. Dieses lesend sollten wir bedenken, dass Charismen für Paulus mehr sind als nur Fähigkeiten. Wenn Paulus von ihnen spricht, dann meint er nicht einfach das, was wir darunter verstehen. Für uns sind es besondere Fähigkeit, die jemand hat und ausstrahlt. Für den Apostel sind diese Charismen aber nicht x-beliebige Fähigkeiten, die im Genpool schlummern und nun zutage treten, sondern es sind Gaben die direkt vom Heiligen Geist herrühren. In sofern ist es nicht zufällig dominant gewordenes Erbgut, sondern direkt diesem Menschen geschenkte Begabung, auf ihn persönlich zugeschnitten. Unter Christen sind die Gaben bunt gemischt und vielfältig. Die Charismen, die Paulus hier aufzählt sind längst nicht vollständig. Doch letztlich gilt: Gott gibt sie zum Nutzen für alle, zum Guten, zum Förderlichen. Es geht immer darum, dass der Gemeinde Gottes gedient wird! Da nicht jeder Mensch alle Gaben hat, ist es wichtig, dass möglichst viele mit ihren Begabungen zum Leben der Gemeinde beitragen. Nur so kann sie attraktiv sein, ausstrahlen und Gutes bewirken.

Assoziation:
Eine Frage stellt sich nun: Welche Gaben brauchen wir heute? Welche Gaben sind für uns an unserem Ort besonders nötig? Im Blick auf Nachhaltigkeit könnten wir fragen: Gibt es Menschen in unserer Gemeinde, die uns mit ihren Erfahrungen bereichern könnte? Die z.B. Kompetenzen im Blick auf das Thema: Eine WELT oder im Umweltmanagement haben? Die beispielsweise kirchliche Immobilien unter Energiegesichtspunkten anschauen, oder spirituelle Impulse in Sachen "Entschleunigung" setzen könnten?

Evangelium - Johannes 14, 15-16.23b-26

Wie aus Papyrusfragmenten hervorgeht, war das Johannes Evangelium schon in der Zeit von 100 - 150 n. Christus in Ägypten bekannt. Daraus leitet sich die Annahme ab, dass es Ende des 1. Jahrhunderts verfasst wurde. Möglicherweise wurde es in Syrien abgefasst; in Kleinasien soll es überarbeitet worden sein. In der neutestamentlichen Wissenschaft wird angenommen, dass nicht der Zebedaide Johannes der Verfasser war. Das Johannesevangelium zeichnet sich, zum Gegensatz zu den synoptischen Evangelien, durch eine eigenständige Theologie aus. So tritt z.B. der Prolog an die Stelle der Genealogie und der Geburtslegenden im Lukas- und Matthäusevangelium. Er nimmt die Themen vorweg, die das ganze Evangelium durchziehen: Das Wort ist Fleisch geworden, hat unter uns gewohnt und wir sahen seine Herrlichkeit.

Unser Predigttext gehört zur ersten Abschiedsrede. Der Evangelist führt aus, dass an seiner Stelle der Vater einen Parakleten (Luther: Tröster) senden wird. Dieser Geist hat nicht irgendeine Ersatzfunktion, sondern er ist die Gottes Gegenwart selbst. In älteren Kommentaren wird der Paraklet als Anwalt der Jünger beschrieben, der die Jünger in ihrem Kampf in der Welt unterstützt, denn die Welt hat kein Verständnis für den Geist der Wahrheit. Die Jünger aber wissen um Jesu Anliegen: Ihn lieben und gemäß seinem Wort oder leben sind ein und dieselbe Sache. Ihn lieben bedeutet, ihm nachzufolgen im Leben und Tun. Damit aber Jesu Wort wirklich lebendig bleibt und nicht nur kirchlich-biblische Tradition wird, bedarf es des Geistes Gottes. In V.25 kündigt Jesus an, dass seine Zeit auf Erden zu Ende geht. Der andere Beistand, der Heilige Geist, den der Vater senden wird, ist einer, der die Jünger lehrt, damit ihnen die Augen aufgehen und sie sich an die Jesus Geschichte erinnern. Genau das macht das Johannesevangelium. Während Paulus und seine Gemeinde noch nichts vom Zeitpunkt des Wiederkommens des Herrn wissen, sagt das Johannesevangelium, dass Jesus Christus schon wiedergekommen ist und ständig wiederkommt durch den Beistand, den Tröster, den Heiligen Geist.

Assoziation:
Auf den ersten Blick hat der Text nichts mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun, jedenfalls nicht im ökologischen Sinn. Wirft man aber einen zweiten Blick auf den Text, wird man feststellen, dass der Paraklet, der Heilige Geist, dabei helfen wird, dass sich Christen an Jesu Christus erinnern, was er getan und gelehrt hat.

Unter diesem Aspekt wird man dann auch das Engagement vieler Gruppen und Kreise für die Nächsten vor Ort, wie in der Einen Welt, zur Erhaltung der Schöpfung, für eine artgerechte Tierhaltung und einen aktiven Umweltschutz, werten dürfen.

Hermann Witter


Literatur zur Vertiefung:
BERGER, K.: Paulus. München 2008.
Büschel, F. Das Neue Testament Deutsch, Das Evangelium des Johannes, 1935
MERKEL, H.: Bibelkunde des Neuen Testaments. Ein Arbeitsbuch. Gütersloh 41992.
RENDTORFF, R., Das Alte Testament, Eine Einführung
SCHENK, W.: Art. Korintherbriefe, TRE 19 (1990), 620-640.
SCHENCKE, H.M./ FISCHER,H.-M.: Einleitung in die Schriften des Neuen Testamentes, Bd. I, Die Briefe des Paulus und die Schriften des Paulinismus. Berlin 1978.
SCHNELLE, Udo: Einleitung in das Neue Testament. Göttingen 72011.
"Ernährung": praktisches Engagement mit oder ohne "Geist" …!
27.5.12 Witter
(© MEV)
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Predigtanregungen – Reihe IV / Lesejahr B                    27. Mai 12: Pfingstsonntag

evang. Reihe IV:
1 Kor 2, 12-16
V: Vorabend
T: am Tag
kath. 1. Lesung: V: Gen 11, 1-9 od. Ex 19, 3-8a.16-20b od. Ez 37, 1-14 od. Joel 3, 1-5 T: Apg 2, 1-11 kath. 2. Lesung:
V: Röm 8, 22-27 T: Röm 8, 8-17 od. 1 Kor 12, 3b-7.12-13
kath. Evang.: V: Joh 7, 37-39 T: Joh 20, 19-23 od. Joh 14, 15-16.23b-26