Die Autorin betrachtet die Predigtperikopen mit Ausnahme der kath. 2. Lesung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Christen auch gegen den Mainstream - die Botschaften mit Salz würzen (Kol 4); es geht Gott nicht um die Herkunft des Einzelnen, sondern um das nachhaltige Handeln (Apg 10); "dass die Frucht bleibt" - durchdachte Entscheidungen und Taten von Bestand (Joh 15) - Was sind gute Projekte?
Anmerkungen zu den Texten und ihrem Nachhaltigkeitsbezug

Kol 4, 2-6
Paulus schreibt in seinem Brief an die Kolosser aus dem Gefängnis heraus Anweisungen für die Gemeinde zur Verkündigung des Evangeliums. Die Christen sollen beharrlich und dankbar sein, freundlich zu ihren Mitmenschen, ihre Verkündigung aber soll "mit Salz gewürzt sein", also auch vor unliebsamen Wahrheiten nicht zurück schrecken.

Hier besteht die Möglichkeit, einen Bezug zur Nachhaltigkeit herzustellen: Mahnungen zum nachhaltigen Umgang mit der Schöpfung, Bemühungen um friedliche Konfliktlösungen und gerechte Aufteilung der Ressourcen sind oft genug unbequeme Wahrheiten. Christen aber sind gehalten, den Leuten nicht nach dem Mund zu reden, sondern Salz zu sein, auch gegen den Mainstream. Doch wichtig ist, dabei freundlich zu bleiben, die Menschen zu achten und weise zu handeln im Umgang mit ihnen, vor allem auch mit Andersdenkenden. Nur so wird die Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen nicht verraten.

Apg 10, 25-26.34-35.44-48
In diesem Text geht es um die Taufe des Kornelius, eines Heiden, der sich zunächst dem Judentum zuwandte. Der Begegnung mit Petrus folgt nicht nur die Taufe des Kornelius, sondern auch die Einsicht des Petrus - erwirkt durch die erneute Sendung des heiligen Geistes - dass auch Heiden Christen werden können.

Wichtig für einen Nachhaltigkeitsbezug sind die Worte des Petrus in V 35 "Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist." Diejenigen, die nach dem Willen Gottes handeln, sind bei Gott willkommen; alles andere wird nebensächlich. Diejenigen, die sich für die Bewahrung der Schöpfung, für den Frieden und die Gerechtigkeit einsetzen, leben nach dem Willen Gottes, auch wenn sie keine Kirchenmitglieder sind.

Joh 15, 9-17
Der Text aus dem Johannesevangelium gehört zu den Abschiedsreden Jesu. Die liebende Christusverbundenheit, die im Abschnitt zuvor mit dem Bild vom fruchtbringenden Weinstock beschrieben wird (V1-8), muss sich im Halten der Gebote bewähren (V10). Die Jünger und Jüngerinnen Jesu bleiben im Kraftfeld der Liebe zwischen Vater und Sohn, wenn sie die Gebote Jesu erfüllen. Das wichtigste aber ist die Liebe. Die Liebe zueinander ist Zeichen und Prüfstein wahrer Jüngerschaft und macht aus Knechten Freunde. Diese Liebesgemeinschaft untereinander und mit Gott führt dazu, reiche Frucht zu bringen, ein Frucht, die bleibt (V16).

In Vers 16 heißt es wörtlich "…dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt". Diese Aussage beschreibt, was "Nachhaltigkeit" bedeutet: keine blinden Aktionismus, sondern Entscheidungen und Taten, die langfristig Bestand haben; keine kurzatmigen Projekte, sondern Projekte, die das Leben der Menschen auch auf lange Sicht verbessern.

Aktionen und praktische Umsetzung

Das Bild von der Frucht, die bleibt, scheint mir gut geeignet für das Thema Nachhaltigkeit. Denn hier ist ja quasi der Begriff der Nachhaltigkeit direkt aufgegriffen. Zunächst könnte man fragen, was denn die Früchte des Lebens als Christen, des Lebens in der Nachfolge Jesu sind. Und man könnte anhand konkreter Beispiel aufzeigen, was der Unterschied ist zwischen Früchten, die nur eine kurze Lebensdauer haben, und längerfristig "haltbaren" Früchten ist. Dies bietet sich auch an für eine Art Kriteriologie, Qualitätsmerkmale: "Was zeichnet gute, haltbare Früchte aus? Was macht sie haltbar und langlebig? Was ist ein "gutes Projekt" in diesem Sinne?

Es kann z.B. vordergründig hilfreich sein, einen Konflikt unter den Teppich zu kehren, zu verdrängen, nicht anzusprechen. Nachhaltig ist das aber nicht. Langfristig werden wir oft eingeholt von den unbearbeiteten Konflikten in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft. Gute Früchte können dann entstehen, wenn Widersprüche beim Namen genannt, Konflikte angesprochen und nach tragfähigen Lösungen für alle Beteiligten gesucht werden.
Pia Arnold-Rammé, Frankfurt am Main
Früchte und Projekte von Bestand, statt blinder Aktionismus …
13.5.12 Arnold-Rammé
(© MEV)
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Predigtanregungen – Reihe IV / Lesejahr B                             13. Mai 12: Rogate /
6. Sonntag der Osterzeit


evang. Reihe IV:
Kol 4, 2-4 (5-6)
kath. 1. Lesung:
Apg 10, 25-26.34-35.44-48
kath. 2. Lesung:
1 Joh 4, 7-10
kath. Evangelium:
Joh 15, 9-17