Der Verfasser betrachtet alle Predigtperikopen des Sonntags. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Krisengesellschaft und christliche Strategien im Umgang mit Krisen; Verantwortung der Hirten bzw. Ältesten für die "Weideplätze" (bzw. den Umgang mit Ressourcen); (1 Petr 5); Umdenken / Umkehr statt Abkehr und Weglaufen; "Inweltverschmutzung" des Menschen (Lk 24; Apg 3); Sündenbewusstsein (1 Joh 2)
Bankenkrise, Wirtschaftskrise, Staatskrise, Umweltkrise, Energiekrise! "Ein Gespenst geht um in Europa", rund um den Globus, verbreitet sich Weltuntergangsstimmung. "Krise" von griechisch "krino", heißt deutsch: "Ich richte". Man denkt an die Justiz, an peinliche Nachforschungen, an Strafen. "Der Papa wird's schon richten!" lautet die andere Perspektive. Das Aufleuchten des roten Lämpchens ist ein optischer Hilferuf: Wenn man so weitermacht, geht es auf Schaden! Krise: Man muss etwas "richten".

An die "Ältesten" ergeht die Mahnung, "sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes" (1 Petr 5,2). Sicher geht es zuerst um Leiden und Auferstehung des Messias, also Erlösung. Der Mensch hungert und dürstet nach Gott, aber betet auch, "unser tägliches Brot gib uns heute." Seine Lebensgrundlagen, seine "Weideplätze", sind bedroht. "Ein Planet wird (immer noch) geplündert", trotz vieler roter Lämpchen: Reiche werden Opfer ihrer eigenen Hab-Sucht, Arme verhungern. Wie lange kann das gut gehen im gemeinsamen Raumschiff Erde? Gerechtigkeit, Friede, Bewahrung der Schöpfung müssen Markenzeichen der Christen sein, besonders der "Ältesten", auch "Hirten" genannt. Ihre Berufung ist, "für die anvertraute Herde Gottes nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Neigung zu sorgen" (1 Petr 5,2).

"Abraham, Isaak und Jakob", deren Gott genannt wird, lebten als Beduinen von Kleintierherden, gaben Knechten und Mägden Arbeitsplätze und Brot. Wie sie sind wir als Christen für die Existenzgrundlage von Mensch und Tier, für "Weideplätze" und "Wasserstellen" am Rande moderner Wüsten verantwortlich. Vorsorge gegen "Überweidung" der Lebensgrundlage, also Plünderung, mehr Effizienz, weniger Wegwerfprodukte, Abwehr von Angriffen "wilder Tiere", Schutz in einem Wüstenklima mit extremen Bedingungen: Hitze am Tag, Kälte in der Nacht; ein harter Job, alles andere als eine Idylle.

Die Emmausjünger begegnen uns heute nach ihrer Rückkehr (Lk 24, 35-48). Fluchtartig hatten sie Jerusalem verlassen. Davonlaufen ist keine Lösung. "Denket um, kehrt um." Das mussten alle Jünger nach Jesu Tod! Der Apostel Petrus legt die Kernaussage Jesu seinen Hörern aus nachösterlicher Sicht ans Herz. Sicher ist zuerst ein Umdenken in der Ablehnung des Erlösers, aber auch der Abkehr vom Schöpfer angesprochen. Der Mensch des Industriezeitalters entscheidet rücksichtslos über die Schöpfung, über das Leben von Tier und Mensch, auf Kosten kommender Generationen. Mit unserem Konsumverhalten werden wir ihnen eine Wüste hinterlassen, dabei auch selbst innerlich zur "Wüste", "ausgebrannt", wie die krebsartige Zunahme des Burnout-Syndroms zeigt. In uns Menschen stimmt es nicht mehr! Wir können der Umweltverschmutzung Herr werden nach Aussage der Deutschen Bischöfe ("Zukunft der Schöpfung, Zukunft der Menschheit", 1980), wenn wir vor dem Symptom "Umweltverschmutzung" der Schöpfung die Ursache "Inweltverschmutzung" des Menschen in Ordnung bringen: Umdenken, umkehren, "Gesinnungswandel gegen Klimawandel!" "Also kehrt um und tut Buße… damit eure Sünden getilgt werden (Apg 3,19)." Die 2. Lesung spricht ebenfalls von "Sünde", weist hin auf "Jesus Christus, den Gerechten. Er ist die Sühne für unsere Sünden" (1. Joh 2,3). "Sünde", können wir damit noch etwas anfangen? Faschingsbegeisterung ist sich sicher: "Wir kommen alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind." Wenn ein Sündeneingeständnis, dann gilt: "Wir sind alle kleine Sünderlein." und "auf mich kommt es sowieso nicht an!"

"Künstler für Christus" bekennen in einem Umweltsong: "Unsere Sünden liegen in der Luft." Längst ist ehrlichen Menschen klar geworden, jede und Jeder einzelne, nicht nur unsere "Gesellschaft" - das sind wir - versündigt sich an der Umwelt, und damit auch an den kommenden Generationen: Wir vergiften Böden, Wasser und Luft (Emissionen von "Verbrennungsmotoren" verschiedenster Art, Chemieabgase). Häufige extreme Witterungsverhältnisse, Dürre - heftige Starkregen, Hurrikans lehren uns mittlerweile das Fürchten. "Umwelt- und Verkehrssünder" blieben ein fester Bestandteil im modernen Sprachschatz, trotzdem das Wort "Sünde" weithin verschwiegen wird. "Nun Brüder, ich weiß, ihr habt aus Unwissenheit gehandelt, ebenso wie eure Führer"(Apg 3,17). Am Beginn der Industrialisierung, mit der Erfindung des Verbrennungsmotors, waren die Menschen "besoffen vom Fortschritt" (Udo Jürgens). Der Aufwachkater erfasst immer mehr Menschen. Die "schöne neue Welt" zeigt mehr und mehr ihre Fratze: Die Zwangsfolgen von Gedankenlosigkeit, Bequemlichkeit, Besitzgier lassen im Umweltbereich keine andere Wahl als die des Petrus: "Also kehrt um, und tut Buße, damit eure Sünden getilgt werden." (Apg 3,19): "Landhunger - Hungerländer, Land und Agrarrohstoffe als Spekulationsobjekte", Agrarindustrie, GOV (genveränderte Organismen). Die Sünder sind nicht zuerst die Produzenten, sondern die Konsumenten beim Einkauf! Hochwertige Qualität oder billige Quantität? Leben auf Kosten anderer? Kirchen und kirchliche Verbände bekämpfen verstärkt weltweit die sozialen Verwerfungen und Herausforderungen "unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit, der sozialen Gerechtigkeit und Ökologie" (KAB): "Strukturen der Sünden" durchbrechen, dem kurzsichtigen Gewinnstreben (weniger) langfristige Nachhaltigkeit (für alle) entgegensetzen. Echte Umkehr ist Not-wendig, blinder Aktionismus schadet nur!

"Wenn man in die falsche Richtung läuft, hat es keinen Zweck, das Tempo zu erhöhen." (Birgit Breuel)

Midas - Mythos

Aus dem Geschichtsunterricht vor mehr als sechzig Jahren im Humanistischen Gymnasium zur "Rückkehr" der Emmausjünger, zur Verantwortung für "Weideplätze":
Gott Dionysos hatte dem geldgierigen, habsüchtigen König Midas von Phrygien seinen Wunsch erfüllt, dass alles zu Gold werde, was er berühre. Der König war high und happy. Im Goldrausch freute er sich auf das Festmahl. - Doch welch ein Schock! Was er an Speise und Trank in die Hand nahm, erstarrte zu hartem Gold. In akuter Gefahr zu verhungern und zu verdursten, erbarmte sein Gott Dionysos sich seiner. Heilung bekam er nicht ohne eigenes Zutun, nur indem er den Fluss Paktolos von der Mündung bis zur Quelle zurückging.

Sicher keine leichte Aufgabe, zurück zu den Quellen! (Nach "Um Gottes willen - Leben", Franz Kamphaus) Ohne Umdenken, ohne Umkehr keine Rettung! Kein Grenzenloses Wachstum in einem begrenzten System wie auf unserer Erde! Wir können und wollen das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen, aber ohne Gesinnungswandel keine Zukunft.
Josef Bierschneider
Es ist die Aufgabe der Ältesten und Hirten, die Weideplätze und Ressourcen zu beschützen …
22.4.12 Bierschneider
(© MEV)
zurück zur Übersicht (KJ 2011/12)

Predigtanregungen – Reihe IV / Lesejahr B      22. Apr. 12: Miserikordias Domini /
3. Sonntag der Osterzeit


evang. Reihe IV:
1 Petr 5, 1-4
kath. 1. Lesung:
Apg 3, 12a.13-15.17-19
kath. 2. Lesung:
1 Joh 2, 1-5a
kath. Evangelium:
Lk 24, 35-48