Wegen der Vielzahl der zur Auswahl stehenden Schriftlesungen verzichtet der Autor auf exegetische Anmerkungen sowie eine Predigtskizze und konzentriert sich darauf, vorhandene Bezüge zur Nachhaltigkeit aufzuzeigen. Hinzu kommen einige Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte, die in der Predigt Verwendung finden könnten.
Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte

1. Mensch und Tier in der Ordnung der Schöpfung (Gen 1 f.; Bar 3 f.)
Gott erschafft die Welt und weist belebter wie unbelebter Natur darin einen Platz zu. Die von Gott gegebene Ordnung gewährt Mensch und Tier (Bar 3, 32!) Leben, ermöglicht gedeihliches Zusammenleben. Dem Mensch überträgt der Schöpfer die Aufgabe, als sein Stellvertreter Verantwortung für die Welt zu übernehmen. Bar 3, 12f. weist darauf hin, dass der Mensch sich den Weg zu einem Leben in Frieden verbaut, wenn er den "Quell der Weisheit" verlässt.

Was wir nicht so sehr brauchen, und zwar nicht nur bei uns, sondern auf der ganzen Welt, das sind Arrogante, Hochmütige und Eingebildete, die immer noch meinen, nur sie allein würden dringend gebraucht. Was wir brauchen, sind Demütige, die aus Liebe und Respekt vor jeder Kreatur wissen, dass sie nur mit allen anderen - nur mit allen anderen zusammen etwas wert sind. Nicht der Alleskönner, nicht der Alleswissende und der Allesbeherrschende, sondern der sich Bescheidende, der mit dem Herzen die Wissenschaft vermenschlicht und mit Heiterkeit die Herrschaften verunsichert.

Hanns Dieter Hüsch: Ein gütiges Machtwort, 20062, 163

2. Gerechte und friedliche Verhältnisse als reale Möglichkeit (Gen 22; 1 Sam 2; Jes 54f.)
Gottes Weg mit Abraham ermutigt, dem Schöpfer zu vertrauen und daraus Segen zu empfangen. Auch Hanna glaubt und besingt aus ihrer Erfahrung heraus die Macht Gottes, ungerechte, ja lebensverneinende Verhältnisse umzukehren und entspricht darin dem Propheten Jesaja, der von einem Frieden, fern jeder Bedrängnis und aller Schrecken, kündet und dessen Fundament die Gerechtigkeit ist. In einer Welt, die auf Gottes umwandelndes und lebensstiftendes Wort hört, stoßen gerade die Schwachen und Armen auf Großzügigkeit, erfahren in der gastfreundlichen Aufnahme die Fülle von Gottes Güte.

Die anglikanische Diözese von Colombo/Ceylon lud vom 26.-29. Mai 2010 zu einer Konferenz ein, die unter dem Titel "Von der Träne zur Perle" von der Frauenarbeit des Bistums und dem diözesanen Komittee für Versöhnungr und Frieden organisiert wurde. Finanziell unterstützt von der anglikanischen Kirche in Kanada stand die Frauenkonferenz im Zusammenhang mit dem "Jahr für nationale Heilung und Versöhnung", das die Diözese für 2010 ausgerufen hatte. Je zwanzig Frauen aus den Volksgruppen der Tamilen und Sinhala nahmen daran teil, die sich in mehreren Workshops mit verschiedenen Aspekten des zurückliegenden Konflikts beschäftigten. Zweisprachige Teilnehmer unterstützten Gespräche und Diskussionen, so dass die Frauen frei und offen in ihrer eigenen Sprache reden, Ideen und Erfahrungen austauschen konnten. Die Teilnehmerinnen berichteten davon, dass die Zusammenkunft nicht nur interessant war, insofern sie für ein paar Tage ihr Leben teilten. Besonders stärkend und bereichernd war für sie, miteinander zu spüren, welche Kraft Frauen in die Konfliktbewältigung und -transformation einzubringen haben. Eine Stimme: "Wir vertrauen nun noch mehr darauf, dass die Saat, die in unser Leben gesät ist, Wurzeln schlagen und reiche Frucht bringen wird."

http://apjn.anglicancommunion.org/_userfiles/File/ church_of_ceylon_narrative_report_new_2011.pdf

3. Umkehr und Neuwerdung durch Gottes Hilfe (Ez 36; Röm 6; Apg 10)
Wo der Mensch Gott in sich und durch sich wirken lässt, finden Blutvergießen und Sünde ein Ende, werden Menschen aus der Macht des Bösen befreit. Die Welt erhält ein neues Herz und einen neuen Geist.

Wenn man vorher im Großen und Ganzen recht zufrieden mit sich war, so wird das jetzt anders werden. Man wird vieles zu ändern finden und wird ändern, was man ändern kann. Und manches wird man entdecken, was man nicht mehr schön und gut finden kann und was man doch nicht zu ändern vermag. Da wird man allmählich sehr klein und demütig; man wird geduldig und nachsichtig gegen die Splitter in fremden Augen, weil einem der Balken im eigenen zu schaffen macht; und lernt es schließlich auch, sich selbst in dem unerbittlichen Licht der göttlichen Gegenwart zu ertragen und sich der göttlichen Barmherzigkeit zu überlassen, die mit alle dem fertig werden kann, was unserer Kraft spottet.

Edith Stein: Das Weihnachtsgeheimnis, in: Geistliche Texte I = Edith Stein Gesamtausgabe 19 (2009) 12 f.


4. Kein Anlass zur Resignation, sondern allen Grund zur Freude (1 Thess 4; 1 Kor 5)
Dank Christi Auferstehung können und dürfen Christen sich von denen unterscheiden, die keine Hoffnung haben. Sie haben allen Grund, ihr Leben als Fest zu feiern, aber sie tun dies in einer besonderen moralischen Qualität, mit den "Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit".

Am 19. Mai 2011 feierte Greensboro im US-amerikanischen Bundesstaat North Carolina, den fünften Jahrestags des Berichts seiner "Kommission für Wahrheit und Versöhnung". An der Feier nahmen auch Delegationen aus Detroit, Boston, Maine und Minnesota teil, die sich in einer zweitägigen Konferenz für die Erfahrungen des "Greensboro's Truth and Reconciliation Process" informiert hatten. Unter anderem konnten sie auch mit Überlebenden des Massakers vom 3. November 1979 sprechen, als nach Protesten gegen den Ku Klux Klan fünf Demonstrierende von Klan-Mitgliedern und Neonazis ermordet wurden. 2004 wurde die Kommission als erste ihrer Art in den Vereinigten Staaten ins Leben gerufen, mit der Aufgabe, die Hintergründe der Schießerei aufzuklären und Wege zu finden, wie die zerrissene Ortsgemeinschaft wieder heilen könnte.

Horace Small, Gast aus Boston, sieht Greensboro als Modell, Menschen zueinander zu führen und neue Anfänge zu ermöglichen: "Der Prozess in Greensboro beschäftigte sich mit dem Leid in einer Art, dass die Wahrheit ans Licht kommen konnte. Ihr mögt eine nur kleine Stadt sein, aber ihr habt Geschichte geschrieben und uns eine Roadmap gegeben, wie Fragen menschlicher Ungerechtigkeit angegangen werden können."

Signe Waller-Foxworth, eine Überlebende von 1979, die bei der Feier geehrt wurde, sagte, es sei ihr eine Ehre, "so viele Menschen zu sehen, die sich verpflichtet haben, die Fackel in die Zukunft zu tragen."

www.greensborotrc.org
Joachim Feldes, Heidelberg
Splitter und Balken, Stärken und Schwächen …!

Feldes
(© Honza Groh)
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Predigtanregungen – Reihe IV / Lesejahr B      Osternacht / Ostersonntag | 8.04.12

Osternacht: 1 Thess 4, 13-14 (ev. Reihe IV); Gen 1, 1 - 2, 2 / Gen 22, 1-18 / Ex 14, 15 - 15, 1 / Jes 54, 5-14 / Jes 55, 1-11 / Bar 3, 9-15.32 - 4, 4 / Ez 36, 16-17a.18-28 / Röm 6, 3-11 / Mk 16, 1-7 (kath. Lesejahr B) am Tag: 1 Sam 2, 1-2.6-8a (ev. Reihe IV); Apg 10, 34a.37-43 / Kol 3, 1-4 oder 1 Kor 5, 6b-8 / Joh 20, 1-18 (kath. Lesejahr B)