Der Verfasser betrachtet die Bibelstellen der kath. Leseordnung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: "Leben in Fülle" als nicht-materielle Perspektive, inter- und intragenerationelle Gerechtigkeit als Grundlage auch für materiellen Wohlstand, vom Geist durchdringen lassen, statt Almosen zu verteilen
In der ersten Lesung wird Abraham auf die Probe gestellt. Den lang ersehnten und verheißenen Sohn soll er als Opfer darbringen. Wie kann Gott so grausam sein und eine solche Tat verlangen? Braucht Gott solch einen Beweis der Glaubenstreue des Menschen? Die Abrahamsgeschichte möchte den Menschen aufzeigen, welche Erfahrungen das auserwählte Volk mit Gott gemacht hatte. Am Anfang stand eine Verheißung. Gott versprach dem Stammvater Abraham ihn zu einem großen Volk zu machen. Trotz der Unfruchtbarkeit seiner Frau Sarah glaubt er Gottes Verheißung. Durch Gottes Gnade wird Abraham im fortgeschrittenen Alter noch Vater. Und jetzt soll er seinen eigenen Sohn als Brandopfer darbringen, so wie es andere Völker in der Umgebung taten zur Besänftigung ihrer Götter. Ein unmenschliches Verlangen. Damit würde alle Hoffnung vernichtet. Und dennoch ist Abraham bereit in letzter Konsequenz und im Vertrauen auf Gott dies zu tun. Gott rechnet Abraham diese Bereitschaft hoch an. Sein unerschütterlicher Glaube wird zum Vorbild. Reicher Segen wird der Lohn dafür.

"Reicher Segen", Wohlstand, Ehre und Macht wurden in der Vergangenheit immer wieder als Lohn für ein gottgewolltes Leben angesehen. Materielle Güter waren der "Verdienst" für ein Gott gefälliges Leben. Und so nahm man die Vorzüge, die daraus erwuchsen, dankbar an. Wie erleben wir unser Bewusstsein heute? Schauen wir unseren materiellen Wohlstand nur als Frucht unserer eigenen Anstrengungen an? Oder sehen wir dahinter auch Gott, der uns mit so vielen Gütern reichlich segnet. Für uns ist vieles selbstverständlich geworden, was in anderen Regionen dieser Erde als reinster Luxus erscheint, wo es oftmals um das nackte Überleben geht. Und doch will Gott für den Menschen ein Leben in Fülle. Dieses Leben in Fülle ist aber nicht nur auf den materiellen Bereich beschränkt. Fülle im biblischen Sinn meint mehr. Unser materieller Wohlstand ist, so wissen wir heute, nur möglich, weil wir in den Industrieländern auf Kosten unterentwickelter Regionen und auf Kosten zukünftiger Generationen leben. Damit ist unser Reichtum ein Gut, das nicht im Sinne der göttlichen Ordnung ist. Solange ein so großes Ungleichgewicht auf der Erde herrscht, dürfen Christen nicht aufhören, den Finger in die Wunde zu legen. Damit einher geht aber auch die Forderung, selber so zu leben, dass Menschen überall auf der Erde Anteil haben an den Gütern der Erde. Doch sind wir bereit im Vertrauen auf Gott, wie Abraham Opfer zu bringen? Sind wir bereit, liebgewordene Besitzstände zu opfern, um mehr Gerechtigkeit auf der Erde zu haben? Dabei geht es nicht um Almosen, sondern um eine grundlegende Wende im Verhalten. Trauen wir uns anders zu leben?

Das Evangelium von der Verklärung Jesu auf dem Berg zeigt uns einen wesentlichen Aspekt der Mission Jesu. Immer tiefer wird seine "materielle Hülle", sein Leib, vom Geist durchdrungen, bis bereits hier schon etwas vom Auferstehungsleib den begleitenden Jüngern sichtbar wird. Jesus verwandelt auch die Menschen, die sich ihm in ihrer Schuld und Sündennot, die sich mit ihren Krankheiten und Gebrechen an ihn wenden. Jeder Mensch, der sich vom Geiste Jesu, sich vom Geist der Liebe ergreifen lässt, wird verwandelt. Er wird zu einem Menschen, der sich in Liebe den anderen Menschen, aber auch der ganzen Schöpfung zuwendet. Durchdrungen vom Geist Jesu haben Menschen sich aufgemacht und ursprüngliche, die oft Angst einflössende Waldlandschaft Mitteleuropas zu blühenden Kulturlandschaften verwandelt. Gerade Klöster waren oft der Ursprung für die Besiedelung einer Region. Sie waren der Ausgangspunkt für eine reichhaltige kulturelle Entwicklung. Auch heute gilt dies uneingeschränkt. Dort wo Menschen mit Liebe die Natur pflegen und gestalten, stellt sich Vielfalt ein. Dort, wo nicht Profit und Höchsterträge vorrangig sind, kann sich Leben entfalten. Das Wort Gottes, das die Jünger auf dem Berg vernehmen: "Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören" gilt auch für uns. Wir sind aufgefordert die Welt zu verwandeln in ein Reich der Liebe und des geschwisterlichen Miteinander. Dann sind auch wir wahrhaft österliche Menschen.
Franz Kraus, Breitenbrunn
Die Kraft des Glaubens für die Gerechtigkeit …

Kraus
(© MEV)
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Predigtanregungen – Reihe IV / Lesejahr B               2. Fastensonntag | 4.03.12
Reminiszere


evang. Reihe IV:
Jes 5, 1-7
kath. 1. Lesung:
Gen 22, 1-2.9a.10-13.15-18
kath. 2. Lesung:
Röm 8, 31b-34
kath. Evangelium:
Mk 9, 2-10