Der Autor geht auf alle Bibelstellen des Tages ein. Stichworte: Standfest durch Fasten! (2 Kor 6 und Mk 1); Bundnistreue (Gen 9); Himmlische Hilfslogik (1 Petr 3)
Exegetische Anmerkungen zu den Bibelstellen:

2 Kor 6, 1-10: "Zwischen der Zeit der Ankunft Christi (...) und der Tag Zeit der Wiederkunft (...) verläuft eine Zwischenzeit (...) der "Tag des Heils" - eine Zeit, die zur Umkehr verbleibt (...) sie ist erfüllt von Prüfungen (...) und Leiden, die auf die kommende Herrlichkeit vorbereiten" (vgl. Kleine Jerusalemer Bibel. Neues Testament und Psalmen. Herder-Übersetzung mit dem vollständigen Kommentar der Jerusalemer Bibel. Freiburg 1991, Seite 312).

1 Petr 3, 18-22: "Damit die Christen das erlittene Unrecht leichter ertragen können, bringt der Briefschreiber das Beispiel Christi, der als Gerechter für die Ungerechten gestorben ist, um sie zu Gott hinzuführen." (vgl. Paula-Angelika Seethaler, 1. und 2. Petrusbrief Judasbrief, Stuttgarter Kleiner Kommentar, Neues Testament 16, Hrsg. von Paul-Gerhard Müller, Stuttgart 1985, Seite 45.)

Mk 1, 12-15: "Die griechische Sprache kennt zwei Wörter für »Zeit«: Zum einen chronos, das ist die Zeit in ihrer Ausdehnung, und zum anderen kairos, das ist der Zeitpunkt (...). Das zweite Wort verwendet Markus an unserer Stelle. Jesus verkündet also hier: »Der entscheidende Zeitpunkt ist gekommen! Wir haben keinen Grund mehr, auf eine spätere Zeit zu warten!«" (vgl. Meinrad Limbeck, Markus-Evangelium, Stuttgarter Kleiner Kommentar, Neues Testament 2, Hrsg. von Paul-Gerhard Müller, Stuttgart 1984, Seite 28.)

Predigtskizze: Standfest durch Fasten! (2 Kor 6, 1-10 und Mk 1, 12-15)

Das ist mal ein Aufgabenkatalog! Wo Christen nicht alles Standhaft sein sollen: "in Bedrängnis, in Not, in Angst, unter Schlägen, in Gefängnissen, in Zeiten der Unruhe, unter der Last der Arbeit, in durchwachten Nächten". Da kann einem die Luft wegbleiben, was da jetzt alles gefordert ist. Und dennoch kennt wohl jeder unterschiedlichste Situationen, in denen Standhaftigkeit von ihm/ ihr verlangt wurde. Große wie kleinen Themen des Lebens verbindet die Erkenntnis, dass sie ohne Standhaftigkeit nicht zu bewältigen sind. Das gilt beispielsweise für Erziehungsfragen ebenso, wie für Problemstellungen im Bereich des Ausbaus erneuerbarer Energien. Vor allem mittel- und langfristige Ziele, die auf Nachhaltigkeit angelegt sind, sind nicht im "Hauruckverfahren" zu bewerkstelligen. Wer denkt, so im Vorbeigehen, quasi handstreichartig, die Welt mitzugestalten oder gar verbessern zu können, dem ist heute wohl nicht mehr zu helfen. So sehr sich jeder schnelle positive Resultate wünscht, brauchen Veränderungen länger als von Meinungsumfragen bestimmte Legislaturperioden. Entscheidend wäre/ ist ein Engagement der "Sache an sich" wegen. Jetzt wird man einwenden können, dass das menschliche Handeln auch Anerkennung und sichtbare Erfolge braucht, jedoch wird es in absehbarer Zeit für viele Menschen auf dem Globus keine annehmbare Zukunft mehr geben, wenn bei Themen, wie Umweltschutz, Gerechtigkeit, Generationenvertrag, Solidarität und Frieden weiterhin weltweit parteipolitische Flickschusterei betrieben wird.

In einer Zeit der Kurzfristigkeiten, des zeitliche begrenzten Einsatzes, wird es immer schwieriger Standhaft zu sein bzw. zu bleiben. Einen Basiskonsens darüber herzustellen, was für die Allgemeinheit/ die Menschheit, das Gute und Wünschenswerte ist, ist an sich oft nicht das Hauptproblem, sondern der Fluch der regionalen Detail- und Lobbyfragen. Ein gemeinsamer Geist wäre in unseren Tagen mehr wie wünschenswert. Ein Geist, dem es egal ist, wer die Lorbeeren einheimst. Ein Wirgefühl, dem es ums Große und Ganze geht. Herzustellen wäre ein solche Gesinnung, indem zu allererst eine Besinnung auf das Wesentliche wieder stattfindet würde, beispielsweise in einer Zeit des Fastens. Hierbei geht es um weit mehr, als um Pfunde zu verlieren, sondern vielmehr frei von Oberflächligkeiten, aufgeblähter Wichtigtuerei und kurzsichtiger Quoten- und Profitgier zu werden. Ziel ist es wieder zu den Wurzeln des Menschseins und damit der Gottesbegegnung vorzudringen. "Ad fontes", zu den Quellen, heißt es schon seit 500 Jahren als Leitsatz im Humanismus und der frühen Neuzeit. Nur wenn diese Tiefenbohrung gelingt, können die Quellen (wieder) sprudeln, die helfen, die Durststecken der schier endlosen Debatten, Dilemmata und Drangsaliererreien zu überstehen. Nur wenn wir uns einmal ganz bewusst aus den Tretmühlen der etablierten Denk- und Verhaltensmuster herausnehmen, können wir erkennen worauf es wirklich ankommt. Zum Trost sei noch gesagt, dass wir nicht alles, immer, zu jeder Zeit anpacken müssen, aber einen Anfang gilt es jetzt zu machen.

Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte:

1. Bundnistreue (Gen 9, 8-15)
Was ist schon für ewig? Alles hat sein Verfallsdatum. Jedes Leben tickt in jeder Sekunde seinem Ende entgegen und selbst Zivilisationen und Kulturen sind früher oder später dem Untergang geweiht. Nur eine Aussage, ein Versprechen, ein Bund steht aus biblischer Sicht für alle Zeit. Als quasi Großüberschrift für die ganze Schöpfung spricht Gott, nach der von Menschen verschuldeten Sintflut zu Noach (und damit zu allen Menschen): "Hiermit schließe ich meinen Bund mit euch und mit euren Nachkommen und mit allen Lebewesen bei euch". Gott steht zu uns und zu seiner Schöpfung, auch und gerade nach dem Untergang. Die Frage ist gerade in der heutigen Zeit: wie stehen wir zu Gott, zueinander und zu allem Leben? Welche Verpflichtung, welchen Bund sind wir mit der Schöpfung eingegangen? Wie verantwortungsvoll gehen wir mit allem um, was uns anvertraut wurde? Raubbau, Zerstörung, und Unterdrückung gehören ganz sicher nicht zu dem von Gott erdachten Fahrplan. Bedeutet "über die Schöpfung zu herrschen" wirklich alles tun zu dürfen, was sich unser "genialer" Verstand ausdenken kann? Muss es nicht Grenzen geben? Und wenn ja, wo liegen sie und wer sorgt dafür, dass sie eingehalten werden?

2. Himmlische Hilfslogik (1 Petr 3, 18-22)
Wer "Hilfe" wirklich verdient hat, ist eine gefährliche Frage. Wer "verdient" im eigentlichen Sinn was? Nicht jeder der viel "verdient", bekommt auch viel. Manchmal ist es auch so, dass einer der viel bekommt, es eigentlich nicht verdient. Ohne sich in Wortspielereien zu ergehen, ist es wichtig zu fragen, wie welche Hilfe für wen zustande kommt. Im 1. Petrusbrief ist klar zu lesen: "Er (Jesus), der Gerechte (ist) für die Ungerechten" gestorben. "Verdient" haben es die Ungerechten streng genommen sicher nicht, dass ihretwegen ein Gerechter in der Tod geht. Die himmlische Logik ist aus menschlicher Sicht sicher unlogisch und dennoch nicht minder wahr. Alle Menschen haben es verdient, dass man sich für sie stark macht, für sie da ist und ihre Rechte verteidigt. Unser Grundgesetz hat dies mit dem Begriff "Würde" umschrieben, die jeder unveräußerlich besitzt.

Wie viel jedem zusteht, darüber lässt sich vortrefflich in Neiddiskussionen streiten. Laut Jesus und Grundgesetz hat aber jeder und jede, alt oder jung, groß oder klein, Hilfe, Unterstützung und Beistand ohne Vorbedingung verdient!
Thomas Stephan, Bruchsal


Literatur:
Die Bibel. Einheitsübersetzung, Freiburg-Basel-Wien 1980.

Kleine Jerusalemer Bibel. Neues Testament und Psalmen. Herder-Übersetzung mit dem vollständigen Kommentar der Jerusalemer Bibel. Freiburg 1991, Seite 312.

Paula-Angelika Seethaler, 1. und 2. Petrusbrief Judasbrief, Stuttgarter Kleiner Kommentar, Neues Testament 16, Hrsg. von Paul-Gerhard Müller, Stuttgart 1985, Seite 45.

Meinrad Limbeck, Markus-Evangelium, Stuttgarter Kleiner Kommentar, Neues Testament 2, Hrsg. von Paul-Gerhard Müller, Stuttgart 1984, Seite 28.
Dann können wir erkennen, worauf es wirklich ankommt …
Stephan
(© MEV)
zurück zur Übersicht (KJ 2011/12)

Predigtanregungen – Reihe IV / Lesejahr B   1. Fastensonntag / Invokavit | 26.2.12

evang. Reihe IV:
2 Kor 6, 1-10
kath. 1. Lesung:
Gen 9, 8-15
kath. 2. Lesung:
1 Petr 3, 18-22
kath. Evangelium:
Mk 1, 12-15