Der Verfasser betrachtet die ev. Predigtperikope und die kath. Lesung und verweist beim kath. Evangelium auf den 1. Weihnachtsfeiertag (gleiche Perikope). Stichworte zur Nachhaltigkeit: Jahreswechsel als Zäsur für Verhaltensänderungen (z. B. "Ökol. Fußabdruck"), Aufbruch in eine neue Wirklichkeit (Ex 13); Umgang mit Widerständen bei Veränderungen - bei mir selbst und bei anderen (1 Joh 2)
Stellung im Kirchenjahr

Beim Gottesdienst zum Altjahresabend sind die Reihen in unserer Kirche gut gefüllt. Es kommen deutlich mehr Menschen als zu einem normalen Sonntagsgottesdienst. Der Übergang von einem zum anderen Jahr wird als Schwellensituation erlebt und der Gottesdienst ist ein hilfreiches und wohltuendes Schwellenritual, das gerne angenommen wird.

In unserer Gemeinde ist es üblich, einen Jahresrückblick zu halten und beispielsweise die Zahl der kirchlichen Amtshandlungen und der Konfirmanden wie auch der Kollekteneinnahmen bekanntzugeben.

In Liedern und Gebeten wird der Lauf der Zeit thematisiert. Von vielen Menschen wird eine "Beschleunigung" der Zeit erlebt und es gibt die Sehnsucht nach innerer Einkehr und Ruhe. Der Liedvers von Jochen Klepper zeigt die Zielrichtung des Gottesdienstes auf: "Der du allein der Ewge heißt und Anfang, Ziel und Mitte weißt im Fluge unserer Zeiten: Bleib du uns gnädig zugewandt und führe uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten." (Jochen Klepper 1938 Lied EG 64 Str. 6) Im Gottesdienst sollte neben dem Zuspruch der gnädigen Zuwendung und des sicheren Geführtwerdens auch der Anspruch, gemäß dem Evangelium zu leben, seinen Platz haben.

Texte

Exodus 13, 20-22
Die Perikope gehört zum Überlieferungszusammenhang der Exoduserzählung. "Voll Zuversicht" (Ex 14,8) und Gottvertrauen ziehen die Sklaven aus dem Elend der Unterdrückung in die Freiheit. Wolken- und Feuersäule stehen für das Erscheinen und Nahekommen Gottes. Im Buch Exodus wird Gottes Nahekommen an verschiedenen Stellen mit diesen beiden Bildern beschrieben. Die Erstbegegnung des Mose mit Gott ist am Feuer des Dornbuschs (Ex 3,2). In Ex 19,18 ist der Berg Sinai, der Berg der Offenbarung, in Feuer gehüllt. In Ex 24,17 wird die Erscheinung Gottes als verzehrendes Feuer beschrieben. In einer Wolke erscheint Gott in Ex 16,9.

Wolken- und Feuersäule sind Zeichen der Gegenwart Gottes. Gott begleitet sein Volk beim Weg in die Freiheit. Aus dem Kulturland am Nil führt der Weg in die Ödnis der Wüste. Keiner weiß, was kommen wird. Wie gut sind da Symbole der Gegenwart Gottes. Tag und Nacht (Ex 13,22) ist Gottes Gegenwart erfahrbar. Walter Schulz dichtet: "Gott liebt diese Welt. Feuerschein und Wolke und das heilge Zelt sagen seinem Volke: Gott ist in der Welt!" (EG 409,4). Ein Merkmal dieser im Lied thematisierten Gegenwart Gottes: Sie ist nicht an einem Ort gebunden. Die Zeichen seiner Gegenwart sind Zeichen "auf dem Weg".

Und noch etwas ist bemerkenswert: Gott offenbart sich und verhüllt sich gleichzeitig. Gott bleibt in seinem Offenbarwerden dennoch der Verborgene und bleibt unserem Zugriff unverfügbar. Gott enthüllt sich und sagt seine Begleitung zu und geht voran und bleibt dennoch der Verhüllte.
(vgl. zum Ganzen Gottesdienstpraxis Serie A IV,1 Gütersloh 1999 S. 75 f.)

1. Johannes 2,18-21
Der Verfasser des 1. Johannesbriefs ist einer Gruppe christlicher Verkündiger und Lehrer zugehörig, die im Kampf gegen Irrlehrer stehen. Daher will er das Ursprüngliche, das von Anfang gesagte, das Evangelium in Reinform in Erinnerung bringen. Wer die in 2,18 angesprochenen "Antichristen" sind, ist nicht deutlich. Erkennbar ist, dass die Gegner aus der Gemeinde selber abkömmlich sind, jetzt aber nicht mehr dazugehören. Eine der Vermutungen zu den Gegnern sagt aus, das die Gegner ähnlich wie beim 1. Korintherbrief Enthusiasten seien, die im Vertrauen auf ihre Vollkommenheit nicht mehr der Erlösung durch Jesus Christus bedürfen.

Eine mögliche Entfaltung für die Predigt über diesen Lesungsabschnitt ist die Beschäftigung mit dem Thema "Widerstand". Der Schreiber des 1. Johannesbriefes erfährt Widerstand durch die Gegner, die Antichristen.

Johannes 1,1-18
Dieser Text ist am Weihnachtstag Lesungstext und dort besprochen. Ich beziehe ihn in meine Betrachtung deshalb nicht ein.

Nachhaltigkeit

Ich sehe verschiedene Stellen, wo auf Themen der Nachhaltigkeit eingegangen werden kann. Zuerst einmal ausgehend von der Schwellensituation des Jahreswechsels. Viele Menschen haben gute "Vorsätze" für das neue Jahr. Der Jahreswechsel ist ein guter Moment, um Verhaltensänderungen zu thematisieren. Wo gibt es im privaten Leben wie auch im gesellschaftlichen Umfeld die Möglichkeit, den" ökologischen Fußabdruck zu verkleinern" . Vielleicht gibt das neue Jahr die Gelegenheit, den Stromanbieter zu wechseln oder eine schon länger hinausgeschobene energetische Sanierung anzugehen.

Ein zweiter Ansatzpunkt könnte der oben angesprochene Bericht aus der Gemeinde sein. In manchen Gemeinden gibt es Ökologie-Gruppen. Wäre hier ein kurzer Jahresrückblick möglich? Oder könnte in die Betrachtung der Daten aus der Gemeinde einfließen, wie viel Energie eingespart und welche neuen Maßnahmen zum maßvollen Umgang mit den Ressourcen ergriffen wurden.

Bei einer Predigt über Exodus 13, 20-22 könnte thematisiert werden, dass der Aufbruch in eine ökologisch verantwortliche Existenz dem Weg in eine unbekannte neue Wirklichkeit bedeutet. Der Weg in eine neue Existenzweise voller Unsicherheiten. Ich habe eine Familie vor Augen, die sich entschlossen hat, ihr eigenes Auto aufzugeben und zukünftig das mietbare Stadtteilauto zu nutzen. Diese Familie tut es meines Erachtens gut, den Zuspruch der Begleitung Gottes für ihren neuen Wegabschnitt zu hören.

Auf dem Weg des verantwortlichen Umgangs mit der Schöpfung kann es zu Widerständen kommen. Das könnte im Anschluss an 1. Johannes 2 thematisiert werden. Diese Widerstände können bei mir selber sein. Sie können aber auch in meinem unmittelbaren Umfeld, in meinem Betrieb, in meinem Verein sein. Welches Maß an Widerstand mute ich mir zu? Welches Maß an Widerstand kann ich aushalten? Wo muss ich auch gegen Widerstand zu meinen Überzeugungen stehen?
Christian Noeske
Aufbruch in eine neue, bessere Wirklichkeit …!

(© MEV)
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Predigtanregungen – Reihe IV / Lesejahr B                       Altjahresabend | 31.12.11

evang. Reihe IV:
2 Mose 13, 20-22
kath. 1. Lesung:
1 Joh 2, 18-21
kath. 2. Lesung:
-
kath. Evangelium:
Joh 1, 1-18